Mit Rob Zombie hat mans schwer - beinharte Horrorfans geben gern ihrer Verehrung Ausdruck für die gewaltangereicherten und bitterbösen Splatterwerke des Meisters, immerhin endlich mal ein Filmemacher aus ihrer Mitte, dessen Filme man ansehen kann und die eine gewisse persönliche Note besitzen. Die zu mögen bedarf jedoch schon eines sehr modernen Geschmacks für gewisse Härten und als er die Erlaubnis bekam, seine ureigenste Version von "Halloween" zu drehen, da konnte man dann doch schon mißtrauisch sein.
Das Ergebnis war zwiespältig, einerseits stattete er den Killer Michael Myers mit einer reichlichen (und soziopathischen) Hintergrund- und Familienstory aus, andererseits verhackstückte er dann doch nur das Original von Carpenter mit der ihm eigenen Vorliebe für ausgedehnte Gewaltexzesse und die dazugehörigen Quälereien, ohne den hohen Qualitätslevel von Suspense zu erreichen.
Manchen gefiels, einige hielten es für ein Sakrileg, ich persönlich für eine verschenkte Chance, aber der Schotter kam reichlich in die Kassen.
Also war ein Sequel nur folgerichtig, zu dem sich Zombie leicht widerstrebend irgendwann doch bequemte. Das Ergebnis fiel zwar nicht durch, war aber nicht der Blockbuster, den man von einem "Zombie" sowieso nicht recht erwarten konnte.
Aber wie sieht der Film, der uns nun nur in der Zweitverwertung erreicht, nun wirklich aus?
Um es vorweg zu schicken, "Halloween II" ist längst nicht so schlimm geworden wie sein Ruf - anhand der Presse konnte man ein vernichtendes Massaker erwarten, ohne Sinn und Verstand, aber schlußendlich sind die etwas mehr als 100 Minuten dem eingeschlagenen Stil-Kurs Zombies durchaus angemessen, in mancher Hinsicht sogar besser als im ersten Teil.
Und ein zweiter Teil ist es wirklich geworden, denn wie weilend in der Originalfilmserie schließt auch der zweite Teil praktisch dort an, wo der erste Teil aufgehört hat: in der Nacht, in der (scheinbar) Laurie Strode Michael Myers umgebracht hat, nachdem dieser Dr.Loomis ermordete. Während bei Carpenter/Rosenthal der zweite Teil die Slasherstory dann in der geschlossenen Umgebung einer nächtlichen Klinik weitersponn (und dröge verrecken ließ), führt auch Zombie diese Storyline fort - komprimiert sie jedoch auf 25 Minuten und läßt sie schließlich als Alptraum enden, woraufhin der eigentliche Film dann erst losgeht, in Form eines Zwei-Jahres-Sprungs!
Was dann folgt, ist aus der Originalserie auch schon bekannt, allerdings finden sich die Storyversatzstücke dann in den Teilen 4 und 5, vom abgelegenen langjährigen Landexil des Killers bis zur maskierten Halloweenparty, die er heimsucht - nur ohne Kinderdarsteller.
Das Problem, sich von der abgegriffenen Slasherformel zu lösen, bekommt Zombie jedoch auch hier nicht in den Griff, denn letztendlich präsentiert er den ersten Film erneut: die familiären Hintergründe sind geklärt, die übernatürliche Komponente bleibt draußen (die scheinbare Unverwundbarkeit Myers beruhte auf dem Schnitt des Kino-Cuts von Teil 1) und es gibt maximal eine latent telepathische familiäre Verbindung zwischen Michael und Schwester Angel (Laurie), die sich in Träumen niederschlägt.
Ansonsten bleibt aber vom reinen Plot her nicht viel mehr übrig, als die Figuren in bekannten Rollen leicht gealtert neu anzuordnen: Annie lebt gezeichnet mit Laurie bei Sheriff Brackett, ein paar Freundinnen (=Opfer) hinzu, Loomis am Bildrand als gefeierter, aber geplagter Autor auf Buchtour und eine "killing spree", wie man sie nun mal kennt.
Originell ist es also nicht, aber manchmal lohnt auch das schicke Anrichten und das bedeutet bei Zombie dann natürlich einen gewissen Abstieg in eine schmuddelige, kaputte oder eher noch "sleazige" Umgebung, in der er und sein bizarrer Humor dann Blüten schlagen kann.
Der Sheriff also ein haariger Zausel, Laurie hat sich in eine Strubbelbitch Marke Psycholotte verwandelt, ihre Freundinnen sind irgendwo zwischen Ethno, Rockergirly und Abbruchschick gelandet und Myers selbst sieht aus wie der "Mann aus den Bergen". Ihn schickt Zombie dann auch bald los, läßt ihn erst Rednecks meucheln, dann einen schmierigen Stripclub aufmischen, auf das man reichlich dirty old men, barbusige Wrackuschis und einseitige Stereotypen wegmeucheln kann, bevor wir zu den Teenagern kommen, die eigentlich auch nur mal gepflegt einen wegstecken wollen (so, daß die Jungs da gar nicht mehr mitkommen).
Besonders subtil ausgekocht ist das dann wieder nicht, besonders Laurie darf nicht zum cleanen "final girl forever" mutieren, sondern schwankt zwischen verweintem Seelen, aufgeputschter Bitch und durchgeknallter Psycho-Else ständig hin und her, daß man sich fragt, wieso sie da semi-adoptiert wurde. Aber ernst nehmen, ist sowieso nicht die Absicht Zombies, genauso wenig, wie er diese Klischees zuläßt, amüsiert er sich über die Aasgeier-Rolle von Loomis, der von dem Myers-Ruhm profitiert, wenn es auch ein vergifteter Apfel ist, der ihm gereicht wird, geht man ihn doch ständig deswegen an und macht ihm das Leben zur Hölle. Der Tod ist hier nicht Konsequenz (falls Loomis wirklich stirbt, der Film gestaltet sich da erneut sehr offen am Ende), sondern der Weg ist das Ziel, Zombie läßt kein gutes Haar an "Kriegsgewinnlern".
Mit zynischem Geschick trampelt er so einige Versatzstücke und Motive zu Boden, genauso wie er den psychologischen Unterbau offenbar verachtet, veräppelt er doch mit seiner "Weißes-Pferd"-Metaper (der Schimmel erscheint als Traumbild für eine extrem zerstörerische Tendenz bei der Myers-Familie) freudsche Traumbilder und gestaltet sarkastisch die Psychiaterin zwar als wohlwollend und bemüht, wie auch als wirkungslos und Gemeinplätze absondernd, wenn die Kacke wirklich am Dampfen ist.
Die Mordserie, die die hinreichend interessanten Girls dann am Ende doch noch hinwegrafft, wirkt da mehr wie ein notwendiges Übel und der Regisseur läßt es sich nicht nehmen, sie vorher noch auf eine letzte, delirische Rocky-Horror-Party zu schicken (inclusive exklusiver Kostüme), die so richtig auf sexuell freizügig macht - schluß mit saufen und dann ins Heu verziehen, hier tragen die Mädels bei Partybeginn die Strapse schon bei der Ankunft offen.
Mit seinem Auge für Licht, höllische Sets und rötliche-schmuddelige Farben von beachtlicher Intensität macht diese Verkackeierei von Genrestandards durchaus Spaß - praktisch dröge dagegen die exzessiven Mordszenen, die für die deutsche Fassung meistens in der Länge (und Breite, und Extreme) geschnitten sind, hier wird nicht mehr gemordet, hier wird teilweise Kleinholz gemacht, statt zwei Schlägen zwölf und Köpfe kommen in diesem Film sowieso nicht gut weg. Da bleibt er bei den Mädels fast schon zurückhaltend, inszeniert da plötzlich die Morde mehr oder minder im Off oder im Halbdunkel und zerklumpt auch nicht alles.
Insofern wirkt der Film weniger wie eine Fortsetzung in Form guten kreativen Willens, sondern eher nach einer sarkastischen Abrechnung, die wirklich niemand so recht verstehen kann, ein privater In-Joke, bei dem die Genre-Kundigen eher genervt reagieren, weil die meisten Charaktere eher nerven, als typisch-naiven Spaß zu bereiten. Die ständigen Wachträume Myers, der sich stets von seinem kindlichen Ich und dem Geist seiner Mutter begleitet sieht, sind da noch ein optisches Highlight, zum Showdown fiel ihm aber kein wirklicher derber Dreh mehr ein, eher macht er eine interessante Konstellation wissentlich kaputt wie ein Vierjähriger, der das Spielzeug seiner größeren Geschwister zerstört.
So setzt sich Zombie zwischen alle Stühle, weder folgt noch dekonstruiert er eine Mythos und das Genre, aber er scheißt auch nicht drauf und jongliert auch nicht damit - er wühlt praktisch in der Legokiste und dreht ein paar Steine rum, wirft hier mal was aus dem Fenster und baut trotzdem ein Haus damit, wenn es auch irgendwie nicht in die restliche Straße passen will.
Was hinreichend erklärt, warum viele mit dem Ergebnis nicht glücklich sind und diejenigen, die es sind, meistens nicht wissen warum und behelfsmäßig auf den Gore und die Gewaltszenen verfallen - denn der Subtext persifliert sich hier gleich wieder selbst.
Insofern hat mir dieser Film - obwohl weißgott kein Meisterwerk und kaum wirklich überraschend oder originell - irgendwie ein bißchen besser gefallen, als die bemühte Neukonstruktion von 2007. Es gibt aber einfallslosere und blassere Neuanstriche, nur beschleicht einen langsam das Gefühl, das man die Simplizität des Originals wirklich nicht mehr verbessern kann, nur noch individuell verfremden. (5/10)