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Mit "Haus der 1000 Leichen" begann der eigentliche Rockmusiker Rob Zombie sehr vielversprechend seine Laufbahn als Regisseur. Doch schon mit dem Remake zu John Carpenters Meilenstein "Halloween" hat er sein Können wohl überschätzt. Normalerweise beklagt man sich gerne über Remakes, weil sie sich zu sehr an die Vorlage halten. Zombie wollte diesem Kritikpunkt schon mal aus dem Wege gehen und krempelte wirklich viel um. Bei Fans des Originals, der unangefochten zu den besten Horrorfilmen der Welt zählt, stößt das natürlich bitter auf, doch mit "Halloween II" wird es nun richtig übel. Zombie drückt dem Sequel zwar seine eigene Handschrift auf, jedoch hat er mit dem düsteren und spannenden Original nichts mehr gemein, auf das Krankenhaus als Schausplatz für Michael Myers Morde muss man daher verzichten, schon mal ein dicker Minuspunkt. Der einzige positive Aspekt (zumindest für Zombie) waren die verhältnismäßig geringen Produktionskosten von 18 Millionen Dollar, die man immerhin locker einfahren konnte. Doch ich hoffe Zombie lässt Michael Myers nun ruhen, denn es ist schon fast ein Ärgerniss, wie er den maskierten Killer hier entmystifiziert.

Nach der Attacke von Michael Myers (Tyler Mane) landet Laurie Strode (Scout Taylor-Compton) im Haddonfield Krankenhaus. Als ihre körperliche Genesung abgeschlossen ist, kommt sie bei ihrer besten Freundin Annie (Danielle Harris) unter, der Tochter von Sheriff Lee Brackett (Brad Dourif). Es ist nun ein Jahr vergangen, Halloween steht wieder vor der Türe und trotzt ihrer Alpträume plant Laurie eine Party mit ihren Freundinnen. Zu Marketingzwecken verschlägt es auch Dr. Samuel Loomis (Malcolm McDowell) nach Haddonfield, der sein neues Buch über Michael Myers an den Mann bringen will. Michaels Leiche verschwand vor einem Jahr spurlos, niemand ahnt, dass er überlebt hat nun nun auf dem Weg nach Haddonfield ist. Besonders Laurie schwebt in größter Gefahr, denn sie ist Michaels Schwester.

Die einzige gruselige Szene des Films gibt es gleich zu Beginn und das ist Lauries Alptraum, als sie im Krankenhaus attackiert wird. Wahrscheinlich hätte Zombie wirklich besser daran getan, eine 1:1 Kopie zu liefern mit ein paar eigenen Innovationen. Stattdessen liefert er einen eigenen Film, der sich gleichzeitig um Michaels Psyche bemüht. Und genau hier liegt ein großes Problem, denn Michael wirkte immer so bedrohlich, weil man sein Verhalten nicht erklären konnte. Hier deutet Zombie an, dass der Grund aus dem Verhältnis zwischen Michael und Mutter Deborah (Sheri Moon Zombie) hervorgeht. Sie erscheint Michael stets als eine Art Geist und stachelt ihn sogar an nach Haddonfield zurückzukehren. Natürlich ist auch zu sehen wie Michael überhaupt entkommen ist, denn wie es der Zufall so will stand eine Kuh mitten auf der Fahrbahn, wo der Transporter mit Michael hinten drin voll reinraste. Die Härte des Vorgängers behält Zombie bei, jedoch fällt der Bodycount hier wesentlich geringer aus. Ein weiteres Problem kommt mit teilweise schlecht ausgeleuchteten Kulissen und hektischen Schnitten hinzu, oft ist bei den Morden nicht viel zu erkennen. Um dies wohl auszugleichen, darf sich Michael hier besonders brutal an seinen Opfern auslassen, doch leider mangelt es jedem Mord an einer spannenden Vorbereitung und um die seelenlosen Figuren ist es sowieso nicht schade.

Besonders Laurie geht hier gewaltig auf den Keks, denn ihre ständigen Schrei- und Wutanfälle hat man schnell satt. Auch die Sitzungen mit der Psychaterin hätte man sich sparen können, sie bringen den Film in keinster Weise weiter. Damit es nicht allzu schnarchig wird, darf Michael in regelmäßigen Abständen sein Werk vollbringen, während sich Laurie von einem Alptraum zum nächsten Wutanfall quält. Auch die Neuinterpretation von Dr. Loomis ist ein zweischneidiges Schwert, denn er benutzt Michael Myers als Werbeobjekt, um den Verkauf seines Buches anzukurbeln. Die fast schon satirischen Seitenhiebe sind ganz nett geworden, besonders Loomis Auftritt in der Talkshow, der voll nach hinten losgeht, aber trotzdem wünscht man sich den alten Loomis zurück, der sich auf die Jagd nach Michael macht. Doch somit bleibt "Halloween II" in jeder Hinsicht völlig belanglos, leider auch unspannend. Wen Michael als nächstes killt ist stets vorhersehbar, eigentlich präsentiert uns Zombie hier nur eine banale Aneinanderreihung von schlecht ausgeleuchteten Brutalitäten. Doch ganz bitter wird es gegen Ende, wenn Michael dem Zuschauer sein Gesicht zeigt und eine Reinhold Messner ähnliche Fratze auftaucht. Damit hat es Zombie entgültig vergeigt, denn wir wollen Michael als das unbekannte Böse in Erinnerung behalten. Zombie macht uns hier frecherweise einen Strich durch die Rechnung. Obendrein müssen Scout Taylor-Compton (Triple Dog, Halloween) ertragen, die man am liebsten an die Wand klatschen möchte, während Malcolm McDowell (Die Klasse von 1999, Uhrwerk Orange) als bösartiger Loomis-Klon eine ganz ordentliche Performance abliefert. Danielle Harris ist uns als Jamie Lloyd in "Halloween 4" und dem Nachfolger noch bestens bekannt, sie verkörpert hier Annie Brackett.

Mit Abstand der schlechteste Teil um Michael Myers, für Fans des Originals eine absolute Entmystifizierung. Neben profillosen und nervigen Charakteren gilt es nur Menschen so brutal wie möglich abzuschlachten, zu Zombies Schutz, vom Treiben ist oft nicht viel zu erkennen. Außer Lauries Alptraum zu Beginn gibt es keine spannenden oder gelungenen Szenen. Besonders Michaels Taten ein Motiv oder einen Sinn zu geben, geht gewaltig nach hinten los. Das Ganze muss man dann noch knappe zwei Stunden ertragen, um Michael ohne Maske mit Vollbart betrachten zu dürfen. Zombie sollte nun wirklich die Finger von Myers lassen, denn viel schlimmer kann er es nicht mehr machen.

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