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Ein Wild West Duell zweier Cowboys im Moloch einer Großstadt.

Ein Verkehrsunfall mit leichtem Blechschaden ist schon ärgerlich genug, wenn aber beide Beteiligten unter Termindruck stehen und durch den Unfall das eigene Schicksal besiegelt scheint, wird die Schuld bei dem anderen gesucht. Auge um Auge, Zahn um Zahn.

Das ist der Stoff, aus dem gute Psychothriller gestrickt werden und in froher Erwartung eines „Falling Down“ ähnlichen Ablaufs hofft man auf die totale Eskalation, die leider ausbleibt.

Viel versprechend beginnt es jedoch, wenn der leicht skrupellose Anwalt Gavin (Ben Affleck) und der Ex-Alkoholiker und um seine Familie kämpfende Doyle (Samuel L. Jackson) mit ihren Fahrzeugen aneinander geraten. Es herrscht Hektik, denn jeder hat einen wichtigen Gerichtstermin vor sich: Anwalt Gavin will vor Gericht eine Erbeinsetzung vorlegen, mit der Stiftungsgelder zugunsten seiner Kanzlei veruntreut werden, Doyle hat eine Anhörung vor dem Familiengericht um das Sorgerecht für seine beiden Kinder, die bei seiner geschiedenen Frau leben.
Schnell werden Daten ausgetauscht, - mit schwereren Konsequenzen: Während Doyle die Anhörung verpasst und dadurch auch die Chance auf seine Kinder, fehlt dem Anwalt vor Gericht eine bedeutende Akte, die hat er nämlich im Gewusel Doyle überreicht.
Also will der Anwalt seine Akte wiederhaben, doch Doyle denkt gar nicht daran, schließlich ist der ja Schuld an seiner Situation.

Und so schaukelt sich langsam ein Kleinkrieg zwischen den beiden hoch, der leider nie so weit geht, wie die Story es vermuten ließe.
Dabei liegt der Sympathieträger Doyle von vornherein fest, denn er ist „einer von uns“, einer der um seine Familie kämpft, auch Fehler hat (Alkohol), aber dafür gerade steht (Therapie).
Er steht für moralische Werte ein und verfolgt eisern seine Grundsätze, will beispielsweise noch direkt am Unfallort alles per Polizei regeln lassen und lässt für seine Kinder alles stehen und liegen.
Ganz das Gegenteil verkörpert Gavin, er ist der aufstrebende junge Anwalt, der es mit der Moral nicht so genau nimmt, auch mal eine Affäre mit der Mitarbeiterin hat, während sein Schwiegervater, der die Kanzlei leitet, mit der nächsten Yacht lockt, wenn die krummen Geschäfte brav abgewickelt werden.

Durchaus interessant verlaufen einige Gegenschnitte, die einen treffsicheren Kontrast der beiden Hauptfiguren aufzeigen, obgleich sie sich in ihrer impulsiven Art sehr ähneln.
Beide lernen wir bei einer Rede unter vielen Zuhörern kennen. Während Anwalt Doyle einen schmierigen Vortrag in der Musikschule abhält, offenbart sich Doyle bei einer Sitzung der anonymen Alkoholiker.
Die Charakterisierung der beiden ist gelungen, von Beginn an, nur der nachfolgende Schlagabtausch leidet an einem sehr schwachen Drehbuch.

Da gibt es eine Kontoauflösung per Computerhacking, gelöste Radmuttern eines Fahrzeugs mit nachfolgendem Crash und die gefälschte Nachricht über einen Unfall von nahen Angehörigen.
Das ist in Ansätzen zwar nervenaufreibend, spart aber die direkte Konfrontation der beiden Figuren fast völlig aus, was beim Potential der an sich guten Darsteller sehr schade ist.

Der Nervenkrieg erreicht zu keiner Zeit einen Höhepunkt, nie ist der Zuschauer am Verzweifeln, weil ein Gegenschlag so richtig mies und gemein erdacht ist. Viele Gegebenheiten wirken zudem arg konstruiert, da beide übermäßig schnell auf die Spur des anderen kommen, kommuniziert wird dabei leider recht wenig.
Die Dialoge beschränken sich auf das jeweilige Umfeld und so nehmen Gespräche mit nahe stehenden Personen immer wieder Tempo aus dem Geschehen, ohne dabei inhaltlich voran zu kommen.

Etwas ärgerlich ist dann der Schlussakt, dem es an letzter Konsequenz mangelt und den titelgebenden „Spurwechsel“ in den Vordergrund rückt.
So wandelt sich einer vom Saulus zum Paulus und erfährt Läuterung, die nicht nur eine Menge Kitsch und Unverständnis mit sich bringt, sondern auch komplett unglaubwürdig und aus der Luft gegriffen erscheint.
Ein Happy End ist bei dieser Konstellation eine denkbar ungünstige Lösung und stellt vorherige, komplett irrationale Entscheidungen stark in Frage.

Dabei fehlt es dem Film gewiss nicht an guten Darstellern. Jackson ist gewohnt souverän, zeigt Emotionen, die man ihm ohne weiteres abnimmt.
Affleck ist zu beginn stark, wenn er den arroganten Yuppie heraushängen lässt und seine Schleimer-Nummer durchzieht. Gegen Ende wirkt er unglaubwürdig, was aber hauptsächlich auf die dumme Wendung des Scripts zurückzuführen ist.

Insgesamt bleibt das große Mitfiebern, die Brisanz und die Wut, die sich auf den Zuschauer übertragen sollten, aus. Der große Schlagabtausch wird mit zwei, drei Aktionen abgetan, es fehlt an Tempo, mangelt an pfiffigen Ideen und erwünschter Härte.
Für ein Psychoduell ist das reichlich lasch und gegen Ende leider auch ziemlich unglaubwürdig.
Dank guter Hauptdarsteller und brauchbarer Nebenfiguren und nicht zuletzt der Interesse weckenden Grundidee noch okay.
5 von 10

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