"Niemand wagte voraus zu sagen, welche Folgen ein Zusammentreffen auf dem Schlachtfeld haben würde. Ein Zweikampf zwischen Feuer und Eis."
Fünf Jahre nach seinem Misserfolg mit der Zeichentrickvariante zu "Der Herr der Ringe" kehrt Ralph Bakshi mit "Feuer und Eis" ins Fantasygenre zurück. War Bakshi bei der Tolkien-Verfilmung mit der Komplexität der Vorlage überfordert, ging er diesmal nicht das Risiko ein, sich mit einer allzu tiefgehenden Geschichte auseinanderzusetzen. "Feuer und Eis" ist formelhafte Fantasy ohne Innovationen oder Besonderheiten im Zeichentrickformat.
Der böse Magier und Herrscher über das Eisreich Nekron dringt mit seinem Herrschaftsgebiet immer weiter in das Reich des Feuers ein. Dem Vormarsch seiner Gletscher fällt auch die Heimat des jungen Kriegers Larn zum Opfer. Die letzte Hoffnung scheint ein Königreich an einem Vulkan. Um den dortigen König Jarol zu brechen lässt Nekron's Mutter Juliana Prinzessin Teegra entführen. Teegra kann jedoch ihren Entführern entkommen und begegnet dem heimatlosen Larn. Dieser ist aber nicht in der Lage die Prinzessin zu schützen. So fällt sie erneut den Schergen des Eisreiches in die Hände. Gemeinsam mit dem zu Hilfe eilenden Krieger Darkwolf begibt sich Larn zum Eispalast von Nekron, während sich die letzten Kämpfer des Reich des Feuers für einen aussichtslosen Krieg wappnen.
Wie schon der Titel verrät, ist die Klassifizierung zwischen den Parteien klar getrennt. Desgleichen die Gesinnung der Charaktere die dem Schema Feuer / Gut sowie Eis / Böse folgen. Bakshi macht sich garnicht erst die Mühe eine komplexe Charaktertiefe für seine Figuren zu entwickeln. Dies liegt an den kaum vorhandenen Dialogen und mangelnden Details. Beispielsweise kann man Nekrons Ambitionen nur erahnen, ebenso wie man nie erfährt, woher Darkwolf kommt oder weshalb er einen solchen Hass gegen Nekron hegt. "Feuer und Eis" kratzt lediglich an der Oberfläche der Figuren, ohne wirklich in die Tiefe vorzudringen.
Zudem blockiert die visuelle Erscheinung und zugehöriges Setting die Glaubwürdigkeit. Teegra's leichte Bekleidung allein ist schon mehr als kurios. Die Tatsache, dass auch im eisbedeckten Herrschaftsgebiet Nekron's die meisten Charaktere ohne winterliche Kleidung herumlaufen und keinerlei Schaden aus der Kälte ziehen, nimmt der Glaubwürdigkeit den letzten Biss.
Wie bereits erwähnt ist die Handlung strikt schablonenhaft und bis es zur finalen Auseinandersetzung vorhersehbar. Bakshi legt bei "Feuer und Eis" nicht viel Wert auf eine umfangreiche, interessante, oder gar tiefgehende Geschichte, sondern inszeniert vielmehr pausenlose Kämpfe und Schwertduelle. Diese sind teilweise ordentlich brachial, allerdings niemals übermäßig gewalttätig oder gar blutig. So erlangt der Fantasy-Trickfilm zwar stumpfe aber kurzweilige Unterhaltung, die leider selten spannend ist.
Was "Feuer und Eis" tatsächlich außergewöhnlich macht, sind die eindrucksvoll weichen Animationen der Figuren. Bakshi nutzte dafür das Rotoskopie-Verfahren. Er drehte seinen Film zuerst mit echten Schauspielern, die er im Anschluss in akribischer Feinarbeit Bild für Bild von seinen Zeichnern übermalen ließ. Im Ergebnis finden sich eindrucksvoll gezeichnete Mimiken sowie einige detailliert ausgearbeitete Actionszenen.
Für die Zeichnungen ist Frank Frazetta verantwortlich, bekannt durch seine Illustrationen von Büchern oder Filmpostern. Unverkennbar ist sein Stil durch martialische Gemälde muskulöser, schwertschwingender Krieger, leicht bekleideter und mit üppiger Oberweite ausgestatteter Amazonen, monolithischer Felslandschaften und riesenhafter Urzeitkreaturen. Dieser Stil findet sich in "Feuer und Eis" wieder, wenn auch bei weitem nicht so perfekt wie auf Frazetta's Illustrationen. Es sind vor allem die Hintergründe, die manches Detail missen lassen.
Trotzdem funktioniert das Zusammenspiel der einzelnen Komponenten von Bakshi's Werk. Gerade das düstere Design, die fantastische Flora und die einfallsreichen Kreaturen sorgen neben der imposanten Soundkulisse für Atmosphäre.
"Feuer und Eis" rettet sich durch die flüssige Animation der Figuren und kurzweilige, düstere Atmosphäre gerade so in den überdurchschnittlichen Bereich. Die Mängel im Charakterdesign sind zu offensichtlich und machen den gesamten Trickfilm sehr eindimensional, die vorhersehbare Geschichte wirkt zu unspannend. Im Vordergrund stehen eindeutig rasant inszenierte Kämpfe und die erotische Komponente dank diverser leicht bekleideter, vollbusiger Damen, die Frank Frazetta's Zeichenstil ausdrücken.
6 / 10