Review


Man möchte als Rezensient hier mit einem langen Seufzer loslegen, ein langer Seufzer, weil man eigentlich besser bewerten möchte als man kann. Aber eins nach dem anderen:
Die Älteren unter uns erinnern sich sicher noch an die Vor-netflix Zeit, an Zeiten wo es die VHS gab oder sogar Super 8.
Man war froh alles an Genre-Filmen abzugreifen was man konnte.
Das Todbringende Ungeheuer ist so ein Genre-Film. Ich selbst sah ihn vor vielen Jahren im O-Ton (damals ging das gar nicht anders, da die Synchro erst für die aktuelle Anolis Veröffentlichung angefertigt wurde). Was mir im Gedächtnis hängen blieb war die Schlussszene, wo man das Insekt in seiner ganzen Pracht bestaunen konnte wie es in einem Tunnel wütet.
Das machte damals auf mich durchaus aus Sicht eines Genrefans Eindruck; wollte man tief im Herzen doch immer mehr von den Tarantulas, Riesenamaeisen und Killerkrabben haben.

Nun - nach vielen Jahren des wünschens - liefert Anolis hier eine Edition in HD, mit extra angefertigtem deutschen Ton und einigen sehens - und hörenswerten Extras, darunter die Super 8 Fassung, restaurierte Thrailer, Audiokommentar usw.
Ich habe mir nun die Gottesanbeterin noch einmal betrachtet und leider hat der gute Eindruck aus früheren Tagen doch arg gelitten.
Woran liegt es? Nun nicht einmal an dem vielen, verbauten Archievmaterial, das im Film verwendet wird. Ganz sicher auch nicht an der guten Synchro von Bodo Traber. Schon eher an dem geringen Grad an Handlung. So dauert es recht lange bis die Gottesanbeterin mal in ganzer Pracht zu sehen ist und auch dann tut sie nicht viel. Es entsteht kein Gefühl der Bedrohung. Man sieht keine zerquetschten Menschen oder solche, die gegessen oder sonst wie getötet werden. Das Insektenungeheuer stampft etwas umher, rammt mal ein Häuschen oder einen Turm, verursacht im Off etwas Chaos - das wars eigentlich bis kurz vor Schluss.
Zwischendurch sieht man das eigentlich das so gar nicht todbringende Ungeheuer herumfliegen. Das sieht gar nicht so schlecht aus wie manche Kritiker meinen; ich würde es charmant nennen. In mindestens einer Szene hat man auch ein echtes Insekt eingesetzt, was wirklich gut ausschaut. Aber die Screentime des Ungeheuers bleibt äußerst überschaubar. Letztlich läuft alles Interessante an diesem Film in den letzten Minuten ab und diese letzten Minuten sind im Prinzip auch das Konzentrat der Super 8 Fassung. Auch Dr. Rolf Giesen äußert diese Ansicht im Audiokommentar falls wem meine Einschätzung übertrieben erscheint.

Und so bleibt die berechtigte Frage warum man sich 76 unnötige Minuten anschauen sollte um 3 sehenswerte zu haben? Und daher rührt auch mein Seufzer vom Beginn:
Trotz Anolis Arbeit, trotz aller Vorfreude und alter Erinnerungen sind hier nicht mehr als wirklich nette 5 Durchschnittspunkte drin und die sind schon aus der rose Brille des Genrefans für drei nette Minuten mit einem durchaus eindrucksvollen Ungeheuer.

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