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Irgendwann – ich muss so gerade 50 geworden sein – ist mir hier in diesem Umfeld bewusst geworden, dass die Zeit langsam knapp wird, also biologisch und angesichts der wachsenden Anzahl von Streamingdienst-Videotheken, die ich alle abonnieren muss, um das noch zu sehen, was ich seit f**king 30 Jahren sehen will, was ich mir aber um Gottes Willen nicht alles kaufen kann.
Dazu zählte auch noch eine flotte Handvoll mit alten Monsterheulern aus den 50ern, die ich im letzten Jahr alle im Handstreich bei irgendwelchen Verstecken im Web abgearbeitet hab (siehe: The Black Scorpion, Beginning of the End, Alarm für Sperrzone 7…).
Auf alles was einigermaßen Qualität verspricht, mache ich jetzt mit „The Deadly Mantis“ einen Deckel drauf, bevor ich die letzten Dinosaurier wegputze und mich dann den absoluten Gurken zuwende.

Wobei: „The Deadly Mantis“ ist auch schon ein ziemlich starkes Stück, was durch den Umstand verstärkt wurde, dass ich mir die MST3K-Fassung des Films eingepfiffen habe.
Unter den fachlich versierten Händen des gebürtigen Österreichers Nathan Juran, der auch zweimal mit Harryhausen drehte und im Abenteuer-, Scifi- und Fantasyfilm reüssieren sollte, kam dabei auch etwas zustande, was in Sachen Stop-Motion-Animation recht ordentlich ausschaut, was auch an der guten Trickfotografie von Clifford Stine lag, während die Trickleute Baker und Knoth eigentlich sonst in ihrer Vita nur durch die Beteiligung an „The Incredible Shrinking Man“ auffielen.

Ansonsten pausten die Macher eigentlich den Harryhausen-Hit „The Beast from 20000 Fathoms“ aka „Panik in New York“ noch einmal durch, ließen obskure Atomtests am Äquator dolle Auswirkungen in der Arktis haben, von wo das Riesenvieh dann auch auftaute (die Begründung kann einem die Socken ausziehen, aber mit dem "Butterfly Effect" ist ja inzwischen alles entschuldbar). Die ersten Spuren und Opfer entnahm man als dramaturgisches Bauteil dem Ameisenklassiker „Formicula“ (im Eis statt in der Wüste), anschließend summt das Vieh dann nach Süden und ließ sich wieder mal einem formidablen Bauwerk (hier dem Washington Monument) nieder, ehe es (wieder Formicula) in einem Verkehrtunnel recht unspektakulär mit Gasbomben um die Ecke gebracht wird.

Soweit, so statisch, angereichert natürlich noch mit einem Wissenschaftler und einer hübschen Journalistin und den Rest erledigt das Militär. Was den Film jedoch noch runter auf die Mittellinie bringt, ist der infernalische Gebrauch von militärischem Stock Footage, mit dem hier minimum ein Viertel des Films aufgefüllt wird und der offensichtlich aus allen möglichen Kurz- und Militärfilm-Quellen stammt.

Abgesehen von seinem akut hüftlahmen Auftakt, ist der Gesamteindruck noch recht passabel, aber man kann der Sache doch mehr abgewinnen, wenn man die Ausstrahlung vom „Satellite of Love“ mit Kommentaren einschaltet. Über die Auswahl des deutschen Titels, der von der Super-8-Piccolo-Fassung von 1972 stammt, hüllen wir aber dezent den Mantel des Schweigens. (5/10)

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