Wann immer es um einen Blick in die Hölle geht und daraus eine Mischung aus surrealem Trip, kleinen Foltereinlagen und Wahrnehmungsstörungen entsteht, fühlt man sich an Clive Barkers „Hellraiser“ erinnert, was auch in diesem Fall nicht von ungefähr kommt.
Allerdings ist man von dem Klassiker weit entfernt, denn nicht nur das sichtlich geringe Budget macht der Wirkung einer guten Grundidee einen Strich durch die Rechnung.
Im Zentrum stehen vier Personen, von denen drei einen Blick in die Hölle werfen.
Zu Beginn sehen wir Hagen, der daheim seine tote Frau liegen hat, Liebesschwüre bekundet und alles dafür tun würde, sie wieder lebendig zu haben. Dann wird er von Travis und seinem Gefolge besucht, der ihm verspricht, bei dem Problem mit der Toten zu helfen, wenn Hagen bereit wäre, nach Travis Bruder zu suchen.
Eine Rechnung, die nicht aufgeht, denn kurz darauf ist Hagen tot.
Doch was hat es mit dem Barmann auf sich? Ist er das fehlende Bindeglied in der Konstellation?
Grundlegend ist der Gedanke nicht verkehrt, das Feld von hinten aufzurollen. Sprich: Hagen stirbt und dann gehen wir elf Monate zurück.
Dadurch wird allerdings ein Schicksal innerhalb von Minuten vorweggenommen, - eine kurze Szene, die man sich für später hätte aufheben sollen. Hinzu kommt das Problem, mit dem Charakter Travis nicht warm zu werden, da dieser die meiste Zeit im Mittelpunkt des
Geschehens steht, aber viel zu oberflächlich gezeichnet ist: Geldnot, ein schwerkranker Bruder, - ein leicht wehleidiger Einzelgänger, der erst im Verlauf ein paar Stärken offenbart.
Über den Barmann Morbius kann wiederum nichts vorweggenommen werden, da dieser gegen Ende eine wesentliche Funktion für den Plot Twist einnimmt.
Und auf jenen läuft die Chose natürlich hinaus, da das Schicksal von vier Personen miteinander verbunden ist. Zu Beginn wissen wir nur noch nicht, welche Geschichte dahinter steckt und warum einige Figuren plötzlich in der Hölle landen und kurz darauf wieder im Diesseits sind, doch diesbezüglich punktet die Auflösung allemal, sie erinnert in seiner Zusammensetzung fast an einen klassischen film noir.
Der Weg bis dorthin ist allerdings von teilweise hohen Barrieren umgeben, die man als ungeduldiger Zuschauer erst einmal überwinden muss.
Die Erzählweise ist konstant lahm, die wenigen Splattereinlagen stehen an sich nur ihrer selbst wegen im Mittelpunkt (abgetrennter Finger, Muster vom Ouija-Board in den Rücken geritzt, zertrümmerter Schädel) und bei alledem ist es um die Darsteller nicht allzu gut bestellt.
Schon allein, die Hölle in Form von langen Korridoren mit Heizungsrohr einzubinden, zeugt nicht von allzu ausgeprägter Phantasie und will nun rein gar keine schauerliche Atmosphäre aufkommen lassen.
Einzig die Sounduntermalung und die Auswahl der musikalischen Tracks (Mischung aus Klassik, Chor und Industrial) ist durchweg gelungen. Gleiches gilt für die Masken einiger Dämonen, insbesondere eines singenden Schweins mit Selbstmordaufforderung im Text, verkörpert durch einen dicken Mann mit Schweinemaske, Stacheldraht um den Wanst und Schläuchen in der Nase.
Die verschachtelte Erzählweise ist bis auf oben erwähnte Ausnahme im Kern ein Pluspunkt, gleiches gilt für den Twist der Geschichte. Das Drumherum kann man jedoch knicken, da zu kaum einer Zeit Spannung aufkommt, von Mitfiebern kann aufgrund der langweiligen Figuren schon gar keine Rede sein. Hinzu kommen spärlich ausgestattete, einheitlich spröde wirkende Sets mit einigen Farbfiltern und Splattereffekte, welche zwar ordentlich gemacht sind, aber allenfalls ein müdes Lächeln abverlangen.
Nur eingefleischte Fans der Reihe um „Hellraiser“ sollten einen vorsichtigen Blick riskieren, sich aber nicht wundern, dass das geringe Budget fast latent durchschimmert.
4,5 von 10