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Kann man aus einen Gag einen abendfüllenden Film machen? Die wichtigere Frage ist jedoch, macht es überhaupt Sinn? Denn nach diesem Prinzip scheint das Regiedebüt von "Good Night, and Good Luck"-Autor Grant Heslov gestrickt zu sein. Nun, schon Tom Shadyacs "Evan Allmächtig" bediente sich dem Muster - das Resultat spricht ja bekanntlich für sich. Nur im Gegensatz zur Klamaukkomödie geht "Männer die auf Ziegen starren" andere Wege ein, bleibt zwar auch komödiantisch, lässt aber auch die Dramatik nicht aus den Augen. Basierend auf einem Buch von Jon Ronson mischt Drehbuchautor Peter Straughan Fakten mit Fiktion, wobei deren Grenze nicht eindeutig definierbar ist. George Clooney gefiel die Idee jedenfalls so gut, dass er nicht nur die Hauptrolle übernahm, sondern auch mit seinem Freund Grant Heslov den Film produzierte. Ob das Geld gut angelegt war, ist jedoch zweifelhaft...


Bob Wilton, dargestellt von Ewan McGregor, ist ein Journalist, der in den Irakkrieg ziehen will - um seiner Frau, die ihn kürzlich verlassen hatte, seine Männlichkeit zu beweisen. Doch bevor es in den warmen Süden geht, trifft er Lyn Cassady (George Clooney), der einer etwas anderen Gruppierung der US-Army angehörte. Sie nannten sich "New Earth Army", und bestand aus Leuten, die ein wenig anders tickten. Unter ihnen gesellen sich sowohl Jeff Bridges als Hippie-Anführer als auch "American Beauty"-Star Kevin Spacey als neidischer Mitstreiter von Lyn, der gen Ende des Films dennoch den Thron erstieg. Im Grunde handelt die Geschichte darum, dass Bob und Lyn auf der Suche nach etwas sind, dass nur Lyn 100% klar ist. Eine 90-minütige Reise nach Nichts scheint jedoch selbst Heslov zu wenig zu sein - und deshalb füllte er die Reise mit Rückblenden, die die Geschichte und das Leben der "New Earth Army" zeigt - und auch verdeutlicht, wies Lyn nun so abgestürzt ist. 
Die Grundidee ist eigentlich recht interessant und hat sicher auch amüsante Grundzüge. Man bringt Soldaten nicht das Töten mit der Waffen bei, sondern das Töten mit seinem eigenen Geist. Parapsychologische Phänomene nennt das die Army. Darunter gehört, dass ein Söldner eine Ziege stundenlang nur anstarrt, bist diese eben stirbt. Ein recht grotesker Scherz, der im Filmtitel wieder zu finden ist. Und auf diesem Witz baut dann der Film auf. Man möchte das Unmögliche und das Absurde der Army zeigen. Das diese Story angeblich teilweise auf wahren Begebenheiten beruht, erhöht das Interesse ungemein. Nur mag Heslov nicht mit dem Stoff umgehen zu können.

Gleich von Anfang an beginnt Bobs innere Monolog, der den ganzen Film lang anhält. Zwar nicht durchgehend, aber doch sehr lange. Damit soll die Zitierungen des Buches verdeutlicht werden; was heißen soll, der Monolog soll klar machen, dass eben jener aus dem (im Film fiktiven) Buch entnommen ist. Andererseits kann man das aber auch als Lückenfüller sehen - oder auch einfach nur als rein plakativen Selbstzweck, der sich jedoch nie selbst genügt. Auch dieser Film kommt nicht ohne die Lovestory aus, nur ironischerweise zeigt er hier die anderer Seite der Liebe. Die Scheidung, das Verlieren, das Aus. Und dieser Verlust wird auch nur anfangs dargestellt. Im Laufe des Films wird nicht mehr drauf eingegangen, bis auf 1-2 Szenen, in der Bob unweigerlich mit dem Gedanken konfrontiert wird. 
Ewan McGregor spielt den Journalisten solide und gut, nur nimmt man ihm die Journalistenrolle in keiner Sekunde ab, da er sich nie wie einer benimmt. Er ist mit Sicherheit nicht die idealste Besetzung, da er nicht wirklich ein Charaktermime ist. Er hat stellenweise einen recht monotonen Gesichtsausdruck. Aber dennoch macht es Spaß, ihm zuzusehen. Aber er alleine trägt den Film nicht. Denn er hat einen Begleiter, der ihn in den Krieg bringt - George Clooney. Man merkt, dass Clooney sichtlich Spaß an der Rolle hat, da er seinen Charakter überzeugend, aber auch selbstironisch darstellt. Apropos Selbstironie. Die komplette Schausielerriege ist sichtlich bemüht, ihrem Charakter einen grotesken Touch zu verleihen um dem Grundthema des Films gerecht zu werden. Doch nur wenigen gelingt es. Andere machen sich fast schon zu lächerlich. Clooney jedoch hält einigermaßen die Waage zwischen Lächerlichkeit und Absurdität. McGregor jedoch nicht, er rutsch oft in die obskure Lächerlichkeit. Jedoch fängt er sich gen Ende wieder - und es ist auch Clooneys Charakter zu verdanken, dass McGregor sich wieder fängt, da deren oft lustigen Dialogen beiden ein identifizierbares Gesicht verleihen, Clooney jedoch stets das Geschehen unter Kontrolle hält - und somit McGregor kaum Chance gibt, sich zu entfalten. 

Der Film hat eine große Schwäche: Er kann sich nicht entscheiden. Er schwang mal zwischen Banalität und Genialität, dann wieder zwischen Ernst und Lächerlichkeit. Einen Kompromiss findet er dadurch auch nicht. Auch vermag er Ronsons Buchvorlage nicht in die Filmwelt zu übertragen, dafür bleibt seine Regie zu unausgegoren. Es ist im Grunde ein kleines Roadmovie mit einem Hindernissen auf der Straße. Dazu gehören einerseits die unstrukturierte Aneinanderreihung von Rückblenden, die zwar stets mehr dem Zuschauer über Clooneys Vergangenheit berichten, sie aber nachhaltig keinen Bezug zur aktuellen Gegenwart haben. Andererseits sind gerade die Vergangenheits-Sequenzen interessanter und amüsanter als das "Roadmovie" in der Gegenwart. Hätte sich Heslov eher auf die Geschichte der "New Earth Army" konzentriert anstatt McGregor und Clooney in die Wüste zu schicken, hätte es sicher ein potenzieller Kultfilm werden können, da die Grundidee, wie bereits erwähnt, genial ist. Nichts desto Trotz verleiht der absurde Charakter von Clooney dem Film Charme und eine gewisse Naivität, die aber nicht das Geschehen lächerlich macht, sondern gerade die Spezialitäten der Story augenzwinkernd bestätigt. Dazu gehört auf jeden Fall der Tod der Ziege, aber auch das "Sprengen der Wolken".

Grant Heslov überrascht das Publikum mit einem Film, der mehr Roadmovie als Groteske ist. Der Wille, etwas Absurdes zu drehen, ist da, doch leider kommt Heslov nie über das "Ziegen starren" hinaus. Im ersten Drittel erntet der Film die meisten Lacher, ist rasant und macht Lust auf mehr. Dann kommt der Film ins Schlittern - und kann sich nicht mehr halten. Das rettet auch George Clooney und die teils bissigen Dialoge nicht. Dennoch kann man hier nicht von einem Totalflop reden, denn die Nebendarsteller sind superb und vor allem das Finale lässt wieder den Hauch der Groteske aufkommen. Die komplette Army mit LSD abzufüllen, nur um die "Gefangenen" zu retten um sie dann in die Wüste zu schicken - hat doch schon einen recht bösen Unterton. Aber es ist sehr amüsant. Und ein paar Lacher hat der Film auch, selbst wenn der große Lachflash ausbleibt, mit deren Erwartung wahrscheinlich die meisten ins Kino gegangen sind. Um auf die Frage zurück zu kommen, ob ein Gag ein abendfüllender Film werden kann; Jaein. Das Potenzial ist da, nur an der Umsetzung hapert es. Der größte Brüller indes ist der, das sich gerade Ewan McGregor, der Star aus den "Star Wars 1-3"-Filmen erklären lassen muss, was ein Jedi-Ritter ist.

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