Review

Basierend auf einer wahren Begebenheit: Richard Gere spielt einen Professor, der am Bahnhof einen jungen Welken findet, der sich als ein japanischer Akita namens Hachiko entpuppt. Er kann seine Frau, gespielt von Joan Allen, davon überzeugen, den Hund so lang zu behalten, bis sich der Besitzer meldet. Da er schnell eine tiefe Bindung zu seinem neuen Haustier entwickelt, behält das Paar den Hund, der ihn nach einer Zeit tagtäglich zum Bahnhof begleitet und zum Feierabend auf ihn wartet. Als sein Herrchen plötzlich verstirbt, wartet der treue Hund weiterhin über Jahre am Bahnhof auf diesen.

Ob "Schiffsmeldungen", "Gottes Werk und Teufels Beitrag" oder "Ein ungezähmtes Leben": Lasse Hallström gelingt es mit seinem ruhigen Erzählstil und seinem Gespür für emotionale Momente immer wieder aufs Neue dramaturgisch stringent konstruiert und mitreißende Filme zu kreieren. Und dies gilt auch für sein neustes Werk "Hachiko", das auf einer wahren Begebenheit basiert und in Japan, wo sich die Geschichte rund um den vielleicht treusten Hund aller Zeiten ereignete, bereits filmisch adoptiert wurde.

Dabei zeichnet sich die amerikanisierte Variante von "Hachiko" besonders durch eines aus: Gefühl. Hallström schenkt sich eine sonderlich lange Exposition, führt den Zuschauer lediglich durch einen Erzähler, den Enkel des Professors, in die Geschichte ein und beginnt praktisch mit dem Auffinden des Welpen; so kommt die Geschichte schnell in Gang. Während Hallström dann fortfährt, die Beziehung des Professors zu seinem neuen Haustier darzustellen und die nach wie vor vollkommen intakte Ehe seiner beiden menschlichen Protagonisten, deren Tochter im weiteren Verlauf des Films heiratet, streut er ein paar amüsante Szenen ein, die durchaus belustigen und mit ihrer sympathischen, zu keinem Zeitpunkt infantilen oder fäkalhaltigen Art perfekt in den Film passen.

Mit seinem ruhigen Erzählstil treibt Hallström den Film im Folgenden langsam und unaufgeregt voran, leistet sich so zwar durchaus kleinere Längen, in denen wenig passiert, hält aber einen ordentlichen Unterhaltungswert und eine gefühlvolle Atmosphäre aufrecht. Dies ist dabei besonders den sympathischen Darstellern, dem nicht minder überzeugenden vierbeinigen Hauptdarsteller sowie dem subtilen, aber feinfühligen Score zu verdanken. Mit der dramatischen Wendung, dem Tod des Professors, steigt Hallström dann plötzlich aber überaus gekonnt von Feel-Good-Movie auf Melancholie um, fesselt mit seiner Geschichte - natürlich auch mit der wahren Begebenheit im Rücken - aber auch weiterhin, bis zum tristen, aber versöhnlichen Ende, das den Film konsequent schließt und den Zuschauer mit dem Eindruck, einen wirklich schönen Film gesehen zu haben, zurücklässt.

Kitschig ist "Hachiko" dabei durchaus stellenweise, besonders, weil auch die Nebenfiguren alle übertrieben sympathisch gestrickt sind und die Vorortidylle, die Hallström zeichnet, dann doch zu losgelöst von jeder Realität wirkt, genauso, wie die vollkommen harmonischen Zustände in der Familie des Professors, die ein wenig unglaubwürdig wirken. Aber Hallström überspannt den Bogen nicht, sodass sein Familienfilm keinesfalls wie belangloser Kitsch erscheint.

Dies ist aber auch den sympathischen Darstellern zu verdanken. Richard Gere, der ebenfalls als Produzent fungiert, bringt die Rolle des tierlieben Professors locker und vor allem derart natürlich auf die Leinwand, dass die Anflüge von etwas überproportionierten Gefühlsregungen nicht wie schmalziger Kitsch wirken, sondern durchaus relativ glaubhaft erscheinen, denn von seiner alten, lockeren und unverkrampften Art und seinem Charme hat der zu jedem Zeitpunkt ordentlich agierende Darsteller wenig verloren. Selbiges gilt auch für Charakterdarstellerin Joan Allen, die ebenfalls ordentlich besetzt ist und keinen Grund zur Beschwerde lässt, wobei auch der restliche Cast zu gefallen weiß und ebenso spielfreudig und sympathisch agiert wie die beiden Hauptdarsteller.

Fazit:
Einmal mehr kann man Lasse Hallström attestieren, dass er hier ein ruhiges, entspanntes und absolut unterhaltsames Drama abgeliefert hat, das definitiv nicht nur für Tierfreunde, sondern auch als Familienfilm zu empfehlen ist. Darstellerisch wie handwerklich gut gelungen, erreicht "Hachiko" dennoch nicht ganz die fesselnde Wirkung eines "Gottes Werk und Teufels Beitrag" oder "Schiffsmeldungen", aber dass muss der kleine, sympathische Film ja auch gar nicht.

74%

Details
Ähnliche Filme