Noch eine gestörte amerikanische Familie im Mittelpunkt eines Horror-Thrillers.
In den vergangenen Jahren gab es so viele Nachzügler des berüchtigten „Texas Chainsaw Massacre“, dass man einzelne Titel kaum mehr aufzuzählen braucht, - Genrefreunde haben diese ohnehin allesamt gesehen und da kann man schon mal den einen oder anderen Streifen verwechseln, was mit diesem genauso der Fall sein wird:
Kennste einen, kennste alle.
Hier haben wir es im Vergleich mit einer zivilisiert erscheinenden Familie zu tun, die dem White Trash alle Ehre macht.
Die hübsche Summer (Ashley Greene) ist auf der Suche nach ihrem Vater und gerät beim Trampen in ein kleines Provinznest, als sie über Umwege Tom kennen lernt, bei dem sie zunächst freiwillig übernachtet. Am nächsten Morgen will er sie jedoch nicht gehen lassen und mit Hilfe von Toms Mutter wird Summer überwältigt und im Keller angekettet.
Tom nennt diesen Keller seinen Garten und Summer soll hier zu seiner schönsten Zierde werden (wie alle anderen Frauen zuvor)…
Nach dem Einstieg, über den an dieser Stelle nichts verraten werden soll, wird im Verlauf schnell klar, worauf der Plot hinauslaufen könnte und mit welchem vorhersehbaren Twist er aufwarten dürfte, was natürlich auch eintritt.
Mit Ashley Greene hat man zumindest eine sehr hübsche Hauptdarstellerin gefunden, die, bis sie gefangen genommen wird, eine interessante Figur zwischen geheimnisvollen Vamp, Diebin und tougher Einzelgängerin verkörpert.
Die Glaubwürdigkeit dieser Figur lässt im Verlauf jedoch streckenweise nach, da sie zwar versucht, auf psychologischer Ebene Vorteile für eine mögliche Flucht zu erringen, in Nuancen aber reichlich unglaubwürdig wirkt.
Das gilt noch stärker für ihren Entführer Tom, dessen Handeln nie genauer unter die Lupe und schon gar nicht mit Hintergrundinformationen belegt wird, - die Familie ist halt komplett durchgeknallt, das muss man so hinnehmen.
Umso redundanter erscheinen einige Nebenhandlungsstränge wie ein Knast-Vater, der soeben frei kommt und seine Tochter sucht, die natürlich gerade das zweite Opfer im Keller darstellt.
Oder ein Sheriff, der durchgehend zu lasche Untersuchungen anstellt, obgleich er genügend Hinweise hätte, bei der merkwürdigen Familie zumindest einen Durchsuchungsbefehl zu erwirken.
Alles ein wenig unausgegoren und zum Teil mit auffallenden Logiklücken behaftet.
Etwaige Splattereinlagen verbessern dieses lieblos konstruierte Ding von Story nur geringfügig, da die wenigen Szenen an einer Hand abzuzählen sind und lediglich ein zerfetzter Schädel per Gewehrschuss etwas auffälliger in Szene gesetzt wurde.
Folterszenen bleiben indes komplett außen vor oder werden lediglich angedeutet.
Somit kommen annähernd alle Klischees zusammen, die so ein Streifen über eine kriminelle Sippe ausmacht: Inzestuöse Beziehung zwischen Sohn und Mutter, ein Vater, der im finalen Drittel noch einen drauf gibt (weil er zu diesem Zeitpunkt erst auftaucht), gesammelte Schädel der bereits verstorbenen Opfer und die üblichen Fluchtversuche, die natürlich aufgrund fehlender Planung zum Scheitern verurteilt sind. Diesbezüglich enttäuscht vor allem der Showdown aufgrund vorherrschender Ideenlosigkeit und mangelnder Dramaturgie, denn offenbar ist den Machern an dieser Stelle nichts Spektakuläres eingefallen, um das Tempo wenigstens noch einmal anzuziehen.
Wer also einen blutigen Folterfilm erwartet, sollte um „Summer´s Moon“ einen Bogen machen, da er es eher auf psychologischer Ebene versucht, welche ebenfalls kaum überzeugen kann.
Brauchbare Ansätze sind vorhanden und man langweilt sich auch nicht unbedingt, doch im Subgenre des „Familie entführt schöne Frau, die aus der Hölle zu entkommen versucht“ hat man schon weitaus effektivere Stoffe betrachtet.
Genrefreunde sollten für eine Sichtung ergo nicht allzu viel investieren, denn man vergisst ihn eh bald wieder…
5,5 von 10