Review

Eine ganz normale Familie - Japan Edition

"Meine Nachbarn die Yamadas" von 1999 polarisiert selbst unter Fans des Studio Ghibli - ist er nun eine herausragende Alltags-Collage oder eine zusammenhanglose Japano-Sitcom? Beides. Mit vollem Erfolg. Mich traf dieser ungewöhnliche und sehr spezielle Anime voll ins Herz, brachte mich zum Lachen und rührte mich zu einer Kullerträne. Es geht um die fünfköpfige Familie Yamada, die anhand von Alltagssituationen charakterisiert und uns näher gebracht wird. Keine zusammenhängende Geschichte, wenig bis keine magischen Elemente - und trotzdem vor Kreativität, Melancholie und Liebe (zum Detail) strotzend. Anders als alles was das Studio sonst so im Portofolio hat, aber keinen Deut schlechter. Situationskomik, Familiendynamik, häusliche Szenen, die jeder kennt und die jeder witzig findet. Für manche Snippets braucht man vielleicht etwas zu viel Wissen um die japanische Kultur (Jahreszeitenkalender? Zitate?) und ich hätte gerne mehr über die kleine Nonoko erfahren, die als jüngster Yamada-Spross etwas zu kurz kommt, doch insgesamt schmolz mein Herz unaufhaltsam und meine Mundwinkel erschlafften nie. Ein Film, der mit einem reift wie ein guter Wein. Oder Sake.

Die Ausnahmestellung der Familie Yamada fängt schon beim Zeichenstil an - minimalistisch, eigen, spontan, charmant, verspielt, aus dem Handgelenk. Das habe ich so noch nie gesehen und finde es wunderschön, kein bißchen faul oder zu "hingerotzt". Strichmännchen deluxe. Hinzu kommt der episodenhafte Stil, der Anekdoten aus dem Leben der Yamadas aneinandereiht und nie langweilig wird. Zu keinem Zeitpunkt wünschte ich mir mehr Zusammenhang oder eine komplette Story, was für das Funktionieren dieses Erzählstils, zumindest bei mir, spricht. Dass "Die Yamadas" aber nicht der zugänglichste Film des japanischen Zeichentrickstudios ist, dürfte jedem schnell auffallen. Wie einfach und grundsätzlich hier vom Leben in einer Familie und dem Leben an sich erzählt wird, bedarf besonderer Beachtung. Und Familienleben ist dann im fernen Japan doch nicht so viel anders als in Deutschalnd oder dem Rest der Welt. Humor verbindet, Chaos vereint, Werte ziehen sich durch die komplette zivilisierte Welt, Lernen von einander und miteinander Lachen tat selten so gut. Diese liebenswerte Familiencollage beweist dies überdeutlich.

Fazit: simpel, süß, ehrlich - die Yamadas sind wie "Die Peanuts" gekreuzt mit Ozus Meisterwerk "Tokyo Story". Köstlich alltäglich mit wunderschönen Momentaufnahmen aus dem chaotischen Alltag einer ganz normalen japanischen Familie. Eine Randnotiz im Ghibli-Kanon, aber eine lohnenswerte!

P.S.: Und was für ein Ohrwurm-Soundtrack aus Zucker und Unschuld!

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