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„Der mit dem Wolf tanzt“ stellt Kevin Costners Opus Magnum dar und ist gleichzeitig ein ungewohnt verständnisvoller und friedfertiger US-Western.
Es tobt der Krieg zwischen Nord und Süd in Amerika, doch Lieutenant John J. Dunbar (Kevin Costner) hat damit nichts mehr am Hut. Als nach einer Verwundung im Kampf sogar eine Amputation seiner Beine droht, will er mit einem tollkühnen Ritt in Richtung feindliche Linien Selbstmord begehen – und wird unfreiwillig zum Helden, als er dies überlebt und die Feinde von den angreifenden Truppen ablenkt. Das ist schon mal eine wohlige Ausnahme im Reich der Costnerfilme, denn hier fehlt jegliche Selbstinszenierung. Stattdessen ist Dunbar ein Mann, der einfach nur seinen Frieden sucht.
Um eben jenen Frieden zu finden, lässt sich Dunbar auf den entferntesten Außenposten versetzen. Als sein Bote getötet wird, bleibt er dort komplett allein. So langsam freundet er sich mit den in diesem Gebiet lebenden Sioux-Indianern an und wird nach einiger Zeit von ihnen akzeptiert…

„Der mit dem Wolf tanzt“ ist kein handelsüblicher Western, sondern ein waschechtes Westernepos, in dem Schießereien nur eine sehr untergeordnete Rolle spielen. So beschränken sich die Auseinandersetzungen fast ausschließlich auf die Szene, in der Dunbar und ein Teil der Sioux einen angreifenden, feindlichen Indianerstammt aus den Mokassins pusten sowie eine Befreiungsaktion gegen Ende des Films. Beide Szenen wirken jedoch sehr kraftvoll, gerade weil Action hier nur eine untergeordnete Rolle spielt.
Stattdessen steht der Sinneswandel Dunbars im Mittelpunkt. Langsam entwickelt sich der ziellose Offizier zu einer Art weißem Indianer, der vor allem ein Leben in Frieden und Einklang sucht. Dies beschreibt „Der mit dem Wolf tanzt“ sehr einfühlsam und funktioniert hervorragend als Charakterstudie. Erst in seinen Begegnungen mit den Sioux lernt Dunbar, der nach einer Weile den Namen Der mit dem Wolf tanzt erhält, kennen, was ihm bisher gefehlt hat: Freundschaft, ein Leben in Harmonie und auch die Liebe. Doch all dies wird ohne aufdringlichen Hollywoodkitsch erzählt, was den Film trotz gewaltiger Lauflänge relativ kurzweilig macht.
Erfreulich ist auch die Vermeidung von Klischees: Hier gibt es kein simples Gut und Böse. Stattdessen zeigt „Der mit dem Wolf tanzt“ die indianische Kultur mit mehr Respekt als diverse andere Western. Viele Dialoge sind auf indianisch und werden nur mit Untertiteln präsentiert, wodurch das Lebensgefühl des Prärievolkes noch besser rüberkommt. Gleichzeitig verneint „Der mit dem Wolf tanzt“ auch die Existenz kriegerischer Indianer nicht und zeigt im Gegenzug, dass nicht alle Weißen so edelmütig wie Dunbar sind. Sie stehlen das Land der Indianer, sie wildern und sie zeigen keinen Respekt für die Natur und fremde Kulturen. Zwar ist das teilweise etwas übertrieben dargestellt, da es bis auf Dunbar kaum positive Figuren auf weißer Seite gibt, doch in Klischeeregionen driftet „Der mit dem Wolf tanzt“ nicht ab.

Gänzlich schwächenfrei ist des Costner-Kevins Opus Magnum jedoch nicht. So könnte der Plot sich anfangs etwas kürzer fassen, denn „Der mit dem Wolf tanzt“ braucht etwas, bis die Handlung wirklich packend wird. Doch sobald die Sioux in Dunbars Leben treten, wird der Film zunehmend intensiver und geizt nicht mit bewegenden, fesselnden Momenten wie z.B. der Rede von Wind in seinem Haar (Rodney A. Grant) gegen Ende. Auch das ungewöhnlich ruhige Ende stört da überhaupt nicht.
Großen Anteil am Erfolg des Films tragen natürlich auch die Schauspieler wie der hier angenehm uneitel auftretende Kevin Costner. Auch die indianischen Darsteller, allen voran Graham Greene und Rodney A. Grant mit absolut denkwürdigen Performances, stehen ihm in nichts nach, genauso wie Mary McDonnell in der tragenden Frauenrolle des Films. In einer kleinen Rolle ist auch Maury Chaykin zu sehen, der aber nur für ein paar Minuten mitmischt.

Schlussendlich ist „Der mit dem Wolf tanzt“ ein packendes Breitwandepos, das trotz ruhiger Erzählweise zu fesseln und zu berühren weiß. Anfangs könnte sich der Film etwas kürzer fassen, doch danach bekommt man ganz großes Kino zu sehen.

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