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Amerika zur Zeit des Bürgerkriegs: Lt. John J. Dunbar (Kevin Costner) will den Westen erleben, bevor es ihn nicht mehr gibt. Also lässt er sich an ein entlegenes Fort versetzen, mitten in der weiten Prärie und wartet dort auf seine Ablösung. Doch die kommt nicht, stattdessen macht Dunbar Bekanntschaft mit einigen Sioux. Nach anfänglichen Kommunikationsschwierigkeiten sind sämtliche Barrieren überwunden, Dunbar wird bei den Indianern aufgenommen, heiratet dort und bekommt den Namen "Der mit dem Wolf tanzt". Aber ihm ist klar, dass die Erschließung des Westens auch vor seinem Stamm nicht halt machen wird...

Der Western war 1990 tot, es war unvorstellbar, damit Leute ins Kino zu locken. Zusätzliche Kennzeichen eines Kassenflops waren in der Regel Überlänge, Untertitel und langsame Erzählweise. Doch ausgerechnet dies sind die Hauptmerkmale von "Der mit dem Wolf tanzt", dem Kassenhit des Jahres, der 7 Oscars abstaubte und Kevin Costner zum Weltstar machte. Dieser Film war schon etwas besonderes, gab es doch in der Filmgeschichte unzählige Western, konnte man die, die sich ernsthaft mit der Lebensweise der Indianer auseinander setzten, an einer Hand abzählen.

Für mich ist "Der mit dem Wolf tanzt" mit vielen persönlichen Erinnerungen verbunden. Zum ersten Mal sah ich ihn Mitte der 90er im Rahmen der "Kulmbacher Filmnacht" auf Sat.1, ab da gehörte er zu meinen Lieblingsfilmen. Es war diese schlichte, aber detailversessene Erzählweise, die mich faszinierte. Der Film ist keineswegs komplex, die Handlung schnell erzählt. Eigentlich würde man da einen Jahrhundertlangweiler erwarten, gerade bei einer gewaltigen Laufzeit von 220 Minuten. Doch Costner versteht es, amerikanische Geschichte lebendig werden zu lassen, indem er die Wahrheit zeigt und dazu das tägliche Leben der Indianer in penibler Ausführlichkeit darstellt. Sämtliche Szenen in der Mitte des Films bringen die Handlung kaum voran, betonen aber den Realismus der Inszenierung und lassen Costners ernsthaftes Anliegen deutlich werden.

Hierbei zeigen sich die Stärken des Director’s Cut, der das Leben der Indianer noch näher bringt. Langweilig finde ich den Film zu keiner Zeit, dafür sorgt alleine die grandiose Ausstattung. Hier hüpfen nicht, wie in alten Western üblich, irgendwelche Rothäute in komischer Kleidung durchs Bild. Costner hat sämtliche Utensilien nach sorgfältiger Recherche detailgetreu nachgestellt, außerdem sind alle Indianer, die im Film zu sehen sind echte Indianer. Selten zuvor hat man sich bei einem Film so um eine authentische Wiedergabe des Geschehens bemüht wie bei "Der mit dem Wolf tanzt", davon zeugen auch die Untertitel, die notwendig sind, da die Indianer in ihrer Originalsprache reden.

Eingefangen wurde das alles in Bildern, die mich immer wieder dahinschmelzen lassen. Nie hat man die amerikanische Vergangenheit melancholischer und schöner gezeigt. Keine vollgerauchten Saloons oder dreckige Städte, hier ist alles von naturreiner Schönheit. Das Tüpfelchen auf dem i ist dann die Filmmusik von Dave Barry, der hier meiner Meinung nach seine beste Arbeit ablieferte und Kompositionen schuf, die zu den besten der Filmgeschichte gehören. Selten arbeiten Bild und Ton so symbiotisch wie hier. Umso trauriger, wenn man die Gewissheit erlangt, das dies in der Vergangenheit liegt und mit der Besiedlung Nordamerikas ein Großteil davon zerstört wurde.

Die Indianer haben keine Zukunft, ebenso wie das es dem Zusammenleben Dunbars mit den Sioux an Perspektive fehlt. Er muss Abschied nehmen, was eines der traurigsten Enden der Hollywoodgeschichte zur Folge hat. Der Schluss wird relativ offen gehalten, ein Epilog drückt zusätzlich auf die Tränendrüse und rundet ein ganz großes Epos ab, das so viel auf einmal ist: Ökologisch angehauchter Western, melancholischer Abgesang aufs Genre, exaktes Portrait einer unterdrückten Rasse, Liebesfilm und Kriegsepos. Costner hat seine Oscars redlich verdient, obwohl viele Stimmen behaupten, der Film zerdehne seine simple Handlung auf 220 Minuten. Das mag schon sein, aber "Der mit dem Wolf tanzt" hat ein vollendetes Drehbuch gar nicht nötig, dafür sprechen die Bilder für sich. Fast vier Stunden, die wie im Flug vergehen, wunderschön!

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