Die französische Familie Vial betreibt bereits in der zweiten Generation eine Kaffeeplantage in Afrika. Seit dem Tod ihres Vaters schmeißt Maria den Laden, mit ihr wohnen ihr Ex-Mann André, der gemeinsame Sohn Manuel sowie Andrés Vater Henri. Doch das Land ist in Aufruhr: Eine Truppe aus Rebellen und Kindersoldaten, angeführt von einem charismatischen Leader, den alle nur "den Boxer" nennen, verbreitet Angst und Schrecken in der Bevölkerung.
Eigentlich bin ich beinahe schon ein Fan des modernen französischen Kinos, aber auch hier gilt das Gesetzt, das Ausnahmen die Regel bestätigen. Mit White Material schuf man einen Afrika Film, der sich wohl irgendwo an Hotel Ruanda oder der letzte König von Schottland anlehnen möchte, dabei aber gleich auf mehreren Ebenen ganz tief in den Elefantenkot greift.
Das geht schon los bei der Geschichte selbst, denn was der Film eigentlich erzählen will, ist mir nicht ganz klar geworden. Ich kann ja noch verstehen, daß man nicht mal verrät in welchem Land diese chaotischen Zustände stattfinden, denn das soll wohl generell für Afrika und dessen oftmals politisch instabilen Nationen stehen. Was White Material aber bietet, ist ein Haufen angerissener Plots die wild hin und her springen, aber niemals den Punkt treffen.
Vermutet man anfangs noch aufgrund der vielen Flüchtlinge und Leichen am Straßenrand an ein Genozid- oder Bürgerkriegsdrama, wendet sich der Blickpunkt recht schnell auf gesetztere Sphären zu. Zwar gibt es immer wieder Einwürfe auf Kindersoldaten, Straßenräuber und auch Frauen mit dicken MG´s, aber dies wird kaum verfolgt oder erklärt und bleibt ziemlich offen einfach im Raum stehen.
Die meiste Zeit bekommt eine Kaffeeplantage und deren weiße Betreiber spendiert. Diese liegt so ziemlich im Zentrum zwischen Rebellen und der Armee, die Arbeiter fliehen vor der möglichen Gewalt und die Ernte steht kurz bevor. Wirkliche Lebensgefahr kommt allerdings, bis auf dieses unverständliche und undurchsichtige Ende, kaum auf, trotz aller potentiellen Bedrohungsfaktoren. Vielmehr steht die vierköpfige Familie Vial im Vordergrund, deren mehr als seltsamen Beziehungen untereinander und zur Bevölkerung im Allgemeinen beleuchtet werden.
Der nächste dicke Makel dabei ist die bös schlampige Ausarbeitung der wichtigsten Figuren, die für den Zuschauer null nachvollziehbar daherkommen. Heldin Marie ist ein kapitalistischer Sturkopf, die sich eher für die Ernte als für die Menschen interessiert, Ex Mann Andre ist ein gsichtsloser Feigling, Blödmann Sohn Manuel rasiert sich ohne Grund den Schädel und unterstützt die Rebellen (Warum?? Wieso??, solch wichtige Ereignisse werden ohne ein Fitzelchen von Grund oder Motivation dem Zuschauer an den Kopf geschmissen) und der Alte hat eigentlich gar nichts zu tun, außer am Ende draufzugehen (nochmal,häh und wieso???). Es ist schwer mit diesem unspezifischen Haufen eine Art Sympathie oder Verständnis zu entwickeln.
Dazu kommt das das Tempo verschleppend langweilig ist. Action ist Mangelware und die un-stringente Erzählweise macht das Anschauen auch nicht gerade komfortabler. Lediglich gen Ende, als eine Rebellentruppe in die Plantage eindringt kommt ein wenig Bewegung in die schleppende Suppe herein, aber dadurch bleiben am Ende gar keine Charaktere mehr über, denen man entweder den Gut oder Böse Stempel aufdrücken könnte und es mir gelinde gesagt irgendwann wurscht wahr, wer von diesen nebulösen Figuren überlebt oder nicht.
Irgendwo in White Material soll bestimmt eine tiefschürfende Botschaft versteckt sein, aber ich habe sie absolut nirgends gefunden. Eine Anti-Kriegsbotschaft kommt nicht rüber, auch nicht die koloniale Ausbeutung der Bevölkerung, keine Message für völkerübergreifende Verständigung, sondern ein nur ein Brocken langweiliger Mist. Zwar schön das Christopher Lambert mal wieder ein Lebenszeichen von sich gibt, aber da hat er mir etwa zeitgleich in Cartagena um Lichtjahre besser gefallen. Bin aber schon sehr gespannt auf andere Reviews.
3/10