Selbstjustiz hat in der Filmbranche seit einigen Jahren wieder Hochkonjunktur. Mal mehr, mal weniger gute Verteter haben dieses Genre aus dem Moloch des Insidertums befreit und an die massentaugliche Oberfläche gespült. "Gesetz der Rache" bietet sogar sehr viel Neues, aber nach näherer Betrachtungsweise ist es dann doch nur lauwarmer Kaffee.
Direkt zu Beginn passiert schon der erste Fehler. Anstatt eine Verbindung zwischen den Opfern, dem Vater und den Zuschauern zu schaffen, dienen sie nur als Zündschnur um den Verlauf in Fahrt zu bringen. Somit lassen einen die Geschehnisse relativ kalt, da man das nun vor 25 Jahren schon intensiver erlebt hat. Zudem gibt er damit das erste deutliche Signal, das er kein Interesse besitzt an der Oberfläche der Thematik zu kratzen.
Die Spielzeit des "normalen" Rachethrillers ist dann auch schon nach 30 Minuten vorbei. Diese warten zwar noch mit kleineren Hostel-Einlagen auf, die aber eher als unbrauchbar zu bezeichnen sind. Danach wendet man sich eher vom klassischen Genrethema ab und widmet sich einem interessanten Psychoduell. Jetzt kommt der Film in Fahrt und bietet einige Überraschungen. Zu keiner Zeit weiß man was als nächstes passieren wird und verfolgt, in Hochspannung versetzt die nächsten Szenen. Leider kann er dieses Niveau nicht halten und mündet schon bald in ein haarsträubend konstruiertes, völlig unlogisches Showdown-Intermezzo, was man sich getrost sparen kann.
Trotzdem kann man ihn sich ansehen, er unterhält und wenn man an der richtigen Stelle das Hirn ausschaltet, wirkt er in jedem Fall ganz passabel. Man sollte aber keineswegs einen harten Rachethriller erwarten, bei dem man sich emotional austoben kann. Dafür wurde zu wenig in die Protagonisten investiert. Die Kamerafahrten sind ganz nett, die Zwischenschnitte gelungen und die Darsteller hat man auch schon besser agieren gesehen. Somit bleibt der Eindruck eines Durchschnittsfilms, der aber immerhin in der Mitte einige wirklich gute Ideen aufweisen kann.