Es ist schon eine Leistung: da wird gut 90 Minuten so ziemlich alles richtig gemacht, was man im kleinen, aber unfeinen Genre des Selbstjustizthriller zusammenbrauen kann und dann kloppt man per Showdown den guten Eindruck in kleine Stücke.
Dabei wirkt es doch so kurz und knackig: der von der Justiz und der Gerechtigkeit hängengelassene Ehemann, dessen Frau und Tochter ermordet wurden, bis dank eines dubiosen Staatsanwaltschaftsdeals einer der (wenn nicht der) Täter mit einer mäßigen Strafe davon kam, hat nach einem guten Jahrzehnt der Vorplanung seine komplexe Rache fertigkonstruiert und bringt erst die Täter heftigst um die Ecke, um sich dann die Verantwortlichen aus dem Justizbereich vorzuknöpfen, während er schon in Haft sitzt.
Das wirkt ebenso raffiniert vorbereitet, wie gut geschrieben, denn die Grenzen zwischen Recht und Unrecht verschwimmen in dieser Versuchsanordnung jenseits von Gewaltbesessenheit und falsch verstandenem Gerechtigkeitssinn (siehe auch: Bronson, Charles) tatsächlich mal, weil man nicht so recht weiß, wem man nun die Daumen drücken soll.
Da ist einmal der rachezerfressene Witwer, dessen perfider Plan natürlich weder koscher noch ungerechtfertigt erscheint, während das Gesetz wiederum hier zwar bemüht, aber in der Gewißheit einer angemessenen Mitschuld am Zustand des Mannes ist.
Selbst in Haft manipuliert er die Behörden mit seinen Anschlägen aus dem Nichts heraus fortwährend und zwingt ihnen absurde Deals auf, die nur noch einmal unterstreichen, wie manipulierbar Justicia inzwischen geworden ist - um den Verantwortlichen (speziell eben Jamie Foxx) genau diese Verfehlungen unter die Nase zu reiben.
Da wird der Rachefeldzug zu einer Abfolge von Lektionen, die man zu lernen hat und insgeheim drückt man dem Täter die Daumen, während gleichzeitig klar ist, daß man die abzusehenden apokalyptischen Folgen auch nicht in Kauf nehmen darf.
Natürlich ist das alles mit der heißen Nadel gestrickt, schließlich hat es die Justiz hier mit einem taktisch planenden Genie zu tun, dessen Tötungsmethoden jeden James-Bond-Film vor Neid erblassen lassen würden und was sich schlußendlich an eigentlichem Plan alles noch herausstellt, scheint auch nicht eben wahrscheinlich zu sein - letztendlich soll das alles vordergründig auf Thrillerebene gut unterhalten.
Was es dann auch hervorragend tut, solange man unsicher bleibt, wen man denn nun anfeuern soll.
Generell bleibt man dann doch lieber (und zugunsten der Action) auf Seiten Gerard Butlers, dessen scheinbar feiste, aber doch erdige Physis ihn auch zukünftig in jedes Genre passen lassen wird, während er zwischen Trauer, Rache und beißendem Sarkasmus hin und her schwankt. Hervorzuheben sicherlich die Sequenz, in der er sich mit seinem Zellennachbarn auf ein lukullisches Mahl einläßt, um diesen dann im Anschluß blutigst abzuschlachten - ein schockierender Moment, der die Ambivalenz der zu verschenkenden Sympathien betont und das Parteiergreifen wieder in Frage stellt.
Dagegen spielt Jamie Foxx als Karrierist mit gebremstem Schaum, was zwar rollentypisch, aber letztendlich ihm zum Nachteil gereicht, denn Engagement und Emotionalität lassen so zu wünschen übrig, das man leider nie einen richtigen Kontakt zu ihm herstellt. Irgendwie soll er der Gute sein, aber mögen will man ihn nun auch wieder nicht.
Langsam aber sicher köchelt der Film also zum Siedepunkt hin und es wäre nicht falsch, anzunehmen, daß Regisseur F. Gary Gray einen potenten "Potboiler" nicht zum Überschäumen bringen kann, wie er es bei "Set it off" oder "Verhandlungssache" hinbekommen hat (allerdings auch schon verrissen mit "A Man Apart"). Zeitweise riecht es bedeutsam nach "Fight Club", wenn das politische Zentrum der Stadt in Gefahr gerät und man das Menetekel an der Wand erkennt, wie das wohl enden soll.
Das perverse System ist zunehmend entlarvt oder bloßgestellt, die Sache droht, überlebensgroß zu werden.
Und dann, pünktlich zum Showdown: Stecker raus!
In einer geradezu erschreckend banalen Wendung reduziert sich fahrige, aber nicht unbedingt falsche Systemkritik auf eine Lehrstunde zwischen zwei Männern, von denen einer Konsequenz beweist und der andere ein Lektiönchen lernt, das so dermaßen banal ist, daß es fast einer Beleidigung gleich kommt.
Man hätte es sich denken können, denn das Skript stammt von Kurt Wimmer, einem geradezu atemberaubend mittelmäßigen Skriptbastler ("Der Einsatz", "Sphere") und noch viel schlimmerem Regisseur eigener Schreibverbrechen ("Equilibrium", "Ultraviolet"), dem entweder nichts mehr eingefallen ist, wie man das unter dem Gipfelkreuz stehende Drehbuch noch die letzten Meter zur Überspitzung weiterschleppen kann oder schlichtweg aus Budgetgründen ein schnelles, unaufregendes und banales Ende zusammengefaselt hat, das brüskierend naiv wirkt - und doch tatsächlich auch den letzten Funken an Systemkritik einfach ins Nichts bläst.
Das alles macht "Gesetz der Rache" noch nicht zu einem schlechten Film, dafür ist er einfach zu professionell und attraktiv gefilmt und mit einer dominierenden Spannungskurve ausgezeichnet, doch am Ende erfolgt dann doch ein glatter Bruch, ein ernüchterndes Loch, das keiner der beiden Figuren auch nur im Geringsten gerecht wird.
Angesichts der Dürre auf dem Gebiet geschickt gemachter Thriller muß man ihn praktisch dann doch empfehlen, doch es beschleicht einen die Ahnung, das ein großes, böses, nihilistisches Ende mit extrem bitteren Nachgeschmack diesen Film noch lange frisch gehalten hätte, während so alles im Bereich der ordentlichen Unterhaltung strandet. Am Ende kein Ziel zu haben, wenn der Plan so dufte zurechtgestrickt war, das ist dann schon irgendwo zwischen traurig und unwürdig anzusiedeln (6/10)