„Thriller-Appetizer "
Wer Filme sehen wollte, die den Namen „Thriller" auch verdienten, der hat sich in den letzten Jahren nicht allzu oft ins Kino verirren müssen. Vermeintliche Vertreter dieses beliebten Genres waren ungefähr so aufregend wie ein sonntägliches Familienkaffeekränzchen. Aber damit nicht genug. Ausgerechnet das einst als Pantoffelvariante belächelte Fernsehen zeigte dem großen Bruder mit Straßenfegern wie 24 oder Lost was eine Thriller-Harke ist. Derart auf Diät gesetzt, ist man als Spannungskino-Junkie auch mit kleinen Leckerbissen zufrieden zu stellen.
Ein solch leicht verdaulicher, aber sehr schmackhafter Happen ist Gesetz der Rache. Hier darf endlich mal wieder über weite Strecken an den Fingernägeln gekaut sowie der Ruhepuls ordentlich gekitzelt werden. Was zunächst nach einem reißbrettartigen Selbstjustizthriller aussieht, entpuppt sich immer mehr als raffiniert konstruiertes Katz-und-Maus-Spiel mit überraschenden Wendungen und einer stetig ansteigendenden Spannungskurve.
Wieder einmal dient das US-amerikanische Rechtssystem als Aufhänger. Nachdem Clyde Shelton (Gerard Butler) mit ansehen musste wie Ehefrau und Tochter von zwei sadistischen Killern (Clarence Darby und Rupert Ames) gnadenlos abgeschlachtet wurden, versetzt ihm Justitia den endgültigen psychischen K.O.-Schlag. Der vor allem auf seine hohe Verurteilungsquote schielende Staatsanwalt Nick Rice (Jamie Foxx) macht mit Darby einen Deal, um zumindest ein Todesurteil zu erwirken. Der eigentliche Mörder erhält dadurch eine äußerst milde Strafe. 10 Jahre später sorgt Shelton nicht nur für eine ungleich schmerzhaftere Hinrichtung als vorgesehen, sondern ermordet auch Darby auf bestialische Weise. Der Hauptverdächtige Shelton nimmt seine Verhaftung äußerst gelassen hin und scheint sogar zu einem Geständnis bereit. Er möchte lediglich ein bequemeres Bett...
Der anfangs siegesgewisse Rice muss allerdings bald erkennen, dass er es mit einem hochintelligenten und bestens vorbereiteten Gegner zu tun hat, der ihm stets mindestens einen Schritt voraus ist. Nachdem Rice auf Sheltons weitere Forderungen nicht mehr eingeht, beginnt eine Attentatsserie, die nach und nach sämtliche Beteiligten am damaligen Mordprozess systematisch umbringt. Als Täter kommt eigentlich nur Shelton in Frage, aber dieser sitzt inzwischen sogar in Isolationshaft ...
Gesetz der Rache ist kein klassischer „Whodunit", sondern vielmehr ein „Howdunit". Zusammen mit den völlig überforderten Behörden rätselt der Zuschauer lange Zeit, wie es dem im Gefängnis kalt gestellten Shelton gelingt, die bis ins kleinste Detail ausgeklügelten Anschläge zu verüben. Hat er etwa einen Komplizen, oder ist er am Ende vielleicht sogar überhaupt nicht beteiligt?
Der Film lebt von dieser Ungewissheit und den damit verbundenen Spekulationen. Zudem dreht Regisseur F. Gary Gray ganz gehörig an der Spannungsschraube und liefert eine Reihe geschickt platzierter Schock- und Überraschungsmomente. Die gesamte Filmhandlung über belauern sich die beiden Protagonisten wie in einem hochklassigen Schachspiel, nur dass der Einsatz hier Leben oder Tod heißt. Dabei verschwimmen nicht nur die Grenzen zwischen Gut und Böse immer mehr, sondern wechseln zudem auch ein ums andere Mal die Seiten. Foxx und Butler spielen ihre Rollen routiniert, wobei letzterer aufgrund des fraglos dankbareren Parts die Spiellaune wesentlich deutlicher anzumerken ist. Der Schotte verfügt über eine Mischung aus Charme, Brutalität und je nach Bedarf Bedrohlichkeit oder Kumpelhaftigkeit, die für das Funktionieren des lange Zeit undurchsichtigen Charakters bestens geeignet ist.
Dass die Auflösung dann doch arg konstruiert und unglaubwürdig daher kommt, ist sicherlich ein Wermutstropfen in der ansonsten delikat zubereiteten Thriller-Suppe. Die Frage wird sein, wie sehr man sich davon den bis dahin wirklich außerordentlichen Spaß verderben lässt. Wer ein realitätsnahes und lebensechtes Szenario erwartet, ist jedenfalls ebenso fehl am Platz, wie jemand, der sich eine ernsthafte Auseinandersetzung mit den Schattenseiten des amerikanischen Rechtssystems erhofft.
Law Abiding Citizen (der im Vergleich zur blödsinnigen deutschen Variante erheblich treffendere Originaltitel) ist ein feurig gewürztes Genre-Potpourri aus Action-, Justiz und Selbstjustizthriller, das lediglich im Abgang etwas mehr Raffinesse und Einfallsreichtum vertragen hätte. Als Appetizer für ein schon viel zu lange nach einem opulenten Thriller-Mal lechzendes Publikum aber mehr als empfehlenswert.
(7,5/10 Punkten)