Review

Man muß von Filmen nicht erwarten, dass sie logisch sind. Man muß von Filmen nicht erwarten, dass sie moralisch sind. Man muß von Filmen auch keine große Stringenz verlangen. Was man aber von Filmen erwarten sollte - so es sich um einen Möchtegern-Hollywood-Blockbuster handelt - dann eine gesunde Art der Unterhaltung, ohne dass man sich ärgert.
Zum zweiten Mal in 2009 nach dem Paris-Rache-Vehikel mit Liam Neeson, traf dies aber nicht zu, sondern genau der Fall, dass ich mich maßlos ob der Unverschämtheit eines Filmes ärgerte.
Und man kann - ich zumindest - genau den Moment terminieren, ab wann der Film den Zuschauer verarscht und für doof verkauft - dazu später unten mehr.

Dabei ist die Grundprämisse wirklich viel versprechend:
Zwei Räuber überfallen eine unbescholtene Familie in deren Wohnung, meuchelt die Familie, nur der Familienvater überlebt schwerverletzt.
Vor Gericht geht der aufstrebende Staatsanwalt mit einem der beiden Täter einen Kuhhandel ein, woraufhin dieser Verbrecher freikommt und der andere zum Tode veruruteilt wird.
Zehn Jahre später wird dieser dann unter höllischen Qualen hingerichtet, der andere Verbrecher wird vom trauernden Vater zu Tode gefoltert, dann stellt sich dieser Vater.
Aber nur, um mit dem damaligen Staatsanwalt ein mörderisches Katz-und-Maus-Spiel zu spielen: Er möchte sich nämlich am gesamten Justiz-Apparat für das Unrecht von vor zehn Jahren rächen und das gesamte System stürzen, auch auf Kosten mehrerer unbescholtener Menschenleben.

Hört sich relativ reißerisch und vielversprechend an? Ist es auch. Bis der Film irgendwann anfängt, sich selbst und die Egos seiner Hauptdarsteller zu Ernst zu nehmen.
Wieso muß ausgerechnet ein unsympathischer Typ wie Jamie Foxx Charakter die "gute" Hauptrolle spielen, wieso ist Gerard Butlers Charakter so eindimensional?
Es gibt eine einzige Rolle, die vielleicht Potential verspricht, und wißt ih was mit ihr passiert?
Genau das!

Auch ansonsten will der Racheengel ja das System stürzen, weil es sich nicht bewährt haben will. Insofern plädiert er ziemlich für alt-testamentarische Werte wie Zahn um Zahn, Auge um Auge. Aber wieso muß beispielsweise der Zellenkumpan so fertig gemacht werden? Klar ist es von der Handlung her logisch (in dem unlogischen Gesamtrahmen versteht sich) aber ärgerlich ist es schon, wie amoralisch und heuchlerisch hier vorgegangen wird.
Auch ist es wenig erbaulich Gerard Butler zum wiederholten Male als Möchtegern-harten-Kerl zu sehen, wenn das was er tut, im Prinzip nur eklig, gemein und hirnrissig brutal ist.

Da ist beispielsweise der uralte ebenso schwachsinnige Polit-Thriller "Ein Mann wie Henessy" um einiges glaubwürdiger und vorzuziehen.

Aber das alles macht den Film noch nicht richtig mies.
Richtig mies wird der Film erst, als sich heruasstellt, WER diese Figur tatsächlich ist, die von Gerard Butler gespielt wird.
Denn ab diesem Punkt mutiert der Film zu einem ausgewachsenen pseudo-Reißer ohne Konzept, d.h. natürlich außer Bigger, Bloodier, boombastigger würde als Konzept durchgehen.

Wäre dies eine Comic-Verfilmung, die mit sarkastisch-zynischem Witz daherkommt, mit einem wahnwitzig aufspielenden Heath Ledger könnte man fast meinen, dass es sich hierbei um den ersten Roh-Entwurf zu Dark Knight handelt, nur ohne Batman, Sinn oder Verstand, aber so hat man nicht Fisch, nicht Fleisch, einen Film, der genau zu dem Zeitpunkt die Klippe runterstürzt, als es darauf ankommt, und gerade deshalb ein riesiges Ärgernis.

Wer in den vergangenen Jahrzehnten Rache-Filme oder Filme mit mörderisch guten Psychopathen gesehen hat, braucht diesen Abklatsch eines solchen Filmes mit heuchlerischem Happy-End nicht mal mit dem Aller-Wertesten zu würdigen.

Handwerklich kann man dem Film natürlich nichts vorwerfen, die Production Values sind gut, Schnitt, Musik auf dem letzten Stand, die Regie macht aus dem vorliegenden Murks noch das Beste, auch wenn man auch hier eine gewisse Mitschuld nicht verhehlen kann.

Weniger, meine lieben Bombast-Schwachmatiker aus Hollywood, ist manchmal mehr.
Deutlich mehr.

4 Punkte, aber nur wegen der wirklich routinierten Inszenierung, eigentlich sogar noch weniger....

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