"Gegen das Schicksal bist du machtlos."
Zwei Männer überwältigen Clyde Shelton (Gerard Butler) in seiner Wohnung, vergewaltigen seine Frau und töten sie, ebenso seine Tochter. Die Verbrecher werden gestellt, Staatsanwalt Nick Race (Jamie Foxx) handelt allerdings eine mildere Strafe aus, wodurch einer der Beschuldigten mit einer geringen Haftstrafe davon kommt.
Jahre später vollzieht Shelton selbst ein Urteil über die Straftat an seiner Frau und Tochter. Er entführt den mittlerweile wieder frei lebenden Mörder seiner Familie und richtet ihn auf bestialische Weise. Die Polizei stellt ihn und Shelton lässt sich ohne Gegenwehr festnehmen. Damit ist sein Rachefeldzug allerdings nicht beendet. Shelton macht Race klar, dass er mit dem gesamten Justizsystem abrechnen will, das ihn zuvor im Stich gelassen hat. Zunächst nehmen die Beteiligten die Drohungen nicht wahr. Dann aber wird der Verteidiger des Mörders von Shelton's Familie tot aufgefunden.
"Gesetz der Rache" stellt dem vermeintlichen Versagen des juristischen Systems eines der beliebteren filmischen Motive entgegen: jenes der Selbstjustiz. Moralische Fragwürdigkeit hat er damit genretypisch ohnehin sicher. Im Gegensatz zu den meisten Thrillern mit Rache-Motiv geht es aber nicht nur den Mördern und Vergewaltigern an den Kragen. Kontrovers diskutierbar eröffnet der Film ein Szenario, bei dem Gerechtigkeit eine Frage des Blickwinkels ist.
Schon in der schnell vollzogenen Eröffnung ist die kompromisslose Vorgehensweise erkennbar. Beklemmend wird ein Verbrechen dargestellt, welches den Antagonisten als durchweg ambivalent charakterisieren wird. "Gesetz der Rache" hält sich daraufhin auch garnicht mit weiter erklärenden Inhalten auf, sondern erschafft ein intensives Kräftemessen zwischen zwei unterschiedlich motivierten Figuren, die an das gleiche Glauben, aber in ihrer Art völlig anders interpretieren: Gerechtigkeit.
Intelligent nimmt sich der Film das System vor, dass Killer immer wieder zu lasch bestraft, entweder aus Gründen der eigenen Bereicherung oder Kompromissen vor den Gesetzeslagen. Shelton demontiert dieses System jedoch nicht nur in verbaler Form, sondern hetzt zusätzlich die Gesetzeshüter durch einen Strudel der Unsicherheiten. Der so aufgebaute Druck durch die auf Tempo und Spannung ausgerichtete Inszenierung ist phänomenal.
Optisch setzt "Gesetz der Rache" auf Vielseitigkeit. Perspektivische Experimente wechseln sich mit Totalen der Darsteller ab oder gehen mitten in ein gefühltes Chaos. Funktional untermauert der kaum auffallende Soundtrack die Geschehnisse.
Die Gewaltspitzen sind beeindruckend. Kurz und heftig setzt der Film seine Tötungsszenen um. Trotz der blutigen Ergüsse wirken diese Szenen jedoch nicht plakativ.
An sich könnte "Gesetz der Rache" ein richtiges Highlight sein, wenn es denn nicht im letzten Drittel völligst einbrechen würde. Während die schablonenhaften Charaktere noch verzeihbar wären, wirkt die Geschichte mit zunehmender Laufzeit immer unangenehmer konstruiert. Für einen Handlungstwist wird schließlich auch jedwede Logik über Bord geworfen. Und das Finale zerstört schließlich die so akribisch aufgebaute, kontroverse Moral.
Gerard Butler ("300", "Gamer") dominiert mit seinen enorm wuchtigen Auftritten. Seine Gesichtszüge und Gestik bringen die Gefühlswelten seiner Figur, zwischen gelassen berechnend und ausdrucksstark wütend, beeindruckend zur Geltung.
Jamie Foxx ("Kill the Boss", "Collateral") dagegen wirkt glanzlos, jedoch solide. Seinem Gegenüber kann er zu keinem Zeitpunkt die Stirn bieten. Ebensowenig ein paar weitere bekannte Darsteller, die sich eher unauffällig verhalten.
Enorm gelungene erste Hälfte trifft auf missratene zweite Hälfte. In seiner Zweiteilung finden sich neben Euphorie, durch die beklemmende Atmosphäre, auch Enttäuschung, Dank Erklärungsnöten und Unglaubwürdigkeit. Der drastisch und kraftvoll inszenierte Thriller hebt sich mit seiner intelligenten Demontage und dem kontroversen Verständnis von gerechter Strafe angenehm ab, tritt aber schließlich in die üblichen Klischeefallen des Genres. Der sich in Ansätzen ähnelnde Film "Death Sentence" bietet zwar inszenatorisch weniger, hält aber bis zum Ende was er verspricht.
6 / 10