Review

Ein gut gemeinter „Rad“ vorweg: Begeht nicht denselben Fehler wie ich und startet diesen Streifen beim Abendessen, denn dann kann man erstmal auf Pause drücken, auf TV-Programm umstellen, in Ruhe weiter essen und bei der Zigarette danach wieder zum eigentlichen Film zurückkehren. Denn die ersten drei, vier Minuten sind bereits so sehr mit ekeligen Momenten angereichert, da kann ja kein normaler Mensch einen Bissen herunter bekommen.
Ansonsten ist die Luft im Vergleich zum ersten Teil doch derbe raus.

Ittenbachs schlecht gemeinter Familienratgeber setzt da an, wo der erste in etwa endete: Die Kinder sind aus dem Haus und der trostlose Ehe-Alltag wird mithilfe eines Off-Sprechers auf noch unglücklichere Bahnen gelenkt.

Dass hier kein Drehbuch vorhanden war, merkt man dem Stoff leider nur allzu häufig an.
Im Grunde hat man lediglich typische Klischeesituationen aus einem Eheleben herausgefiltert und treibt diese mit leicht satirischen Ansätzen auf die Spitze, ohne allerdings treffende Pointen zu setzen, da nahezu jede Szene mit einem Ekeleffekt endet.
Ob Durchfall, Popel, Ohrenschmalz, Eichelkäse oder der volle Tampon, - alles, was irgendwie mit Körpersekreten zu tun hat wird hier eingebracht, ins Essen gemischt, über den Partner geschüttet oder man kackt dem gefesselten Man gleich ins Gesicht (Schokopudding mit Soja-Soße wird im Nachhinein erklärt).
Da bleibt nicht viel vom frischen Witz des ersten Teils, auch wenn dieser bereits an politischer Unkorrektheit kaum zu unterbieten war.

Wobei es durchaus witzige Ansätze gibt. Der völlig seriöse Off-Kommentar bringt beispielsweise latente Auflockerung, weil er im totalen Kontrast zum gebotenen Trash steht und von Vorteil ist ebenfalls, dass niemand etwas sagt, sondern ohne Worte zetert, was im Zusammenhang mit einem Fußballspiel im TV gut auf den Punkt gebracht wird.
Überdies finden sich durchaus kleine Highlights, wie eine völlig verwitterte Vagina mit kleinem Biotop oder der Running Gag, den Nachbarskindern grundlegend jedes Spielzeug zu zerstören.
Die Ittenbachs sind zwar keine geborenen Schauspieler, doch in einigen Momenten wirkt das Overacting doch durchaus angemessen.

Weniger hilfreich für den eigentlichen Kern sind die jeweiligen Ehe-Berater, die Obama, Hitler und bin Laden nicht ganz zufällig ähneln, obgleich Letztgenannter mit sächsischem Dialekt so dämlich ist, dass er schon wieder stellenweise aufheitert.
Zur Handlung tragen die drei eher nichts bei, sie sorgen allenfalls dafür, dass nicht nur Mann und Frau im Vordergrund stehen.

Die typische Amateurproduktion kommt letztlich noch mit einigen wenigen Splattereffekten daher, wobei den SFX nichts Negatives nachzusagen ist. Ein Kehlenschnitt und eine „Not-OP“ und die Folgen eines Frauenkampfs sind allerdings die einzigen Szenen, die in diesem Bereich auszumachen sind.
Dazu kommt ein netter, freudig klingender Score, ein paar treffende Soundeffekte und eine sicher geführte Kamera, die für eine Heimproduktion keine Mängel entdecken lässt.

Dennoch zeichnet sich mit dieser Fortsetzung kein rundes Bild ab. Zu plump wirken viele Einfälle und zu primitiv kommt man immer wieder auf die Ekelschiene, anstatt mit Originalität zu punkten, wie es der erste Teil zumindest in Ansätzen schaffte.
Wer diesen schon nicht richtig überzeugend fand, kann sich Teil zwei sparen und hoffen, dass der nächste „Radgeber“ etwas mehr Abwechslung bietet.
4,5 von 10

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