"Die Frage ist: Wenn sie uns nur besuchen, wofür brauchen sie dann Einfluss?"
An einem Novembertag erscheinen zahlreiche Raumschiffe über verschiedenen Großstädten der Erde. Anna (Morena Baccarin), die Anführerin der außerirdischen Besucher, beschwichtigt die Menschheit mit einer Ansprache. So seien sie ihre Absichten nicht feindlich. Sie bieten an, an ihrem technologischen Fortschritt und ihren Heilungsmethoden teilzuhaben. Durch die positive Resonanz in der Öffentlichkeit und den Nachrichtenreporter Chad Decker (Scott Wolf) beginnen die Vereinigten Staaten diplomatische Beziehungen zu den Besuchern aufzunehmen.
Allerdings bilden sich auch skeptische Gruppierungen die für Widerstand sorgen. Die FBI-Agentin Erica Evans (Elizabeth Mitchell) und der Pfarrer Jack Landry (Joel Gretsch) finden Hinweise, dass die Außerirdischen schon seit Jahren verdeckt unter den Menschen leben. Während Erica's Sohn Tyler (Logan Huffman) fasziniert von den Besuchern ist und sich durch Anna's Tochter Lisa (Laura Vandervoort) für ein Friedensbotschaftsprogramm anheuern lässt, stoßen die Widerstandskämpfer auf Invasionspläne.
Die Miniserie "V - Die außerirdischen Besucher kommen" sowie deren Fortsetzung war in den 80ern überraschend erfolgreich und gilt heute noch als Kult, da die Thematik der Unterdrückung durch ein totalitäres Regime schwerelose Auswüchse annahmen und somit innere Ängste freilegten. "V - Die Besucher" basiert auf der über 20 Jahre alten Serie und transportiert das beklemmende Szenario in ein modernes Umfeld.
Die Serie wurde fürs neue Jahrtausend zeitgemäß aufgearbeitet. Aktuelle Themen wie Terrorismus, Energiekrise und Umweltkatastrophen sowie Kritik an Religion und Presse werden immer wieder eingebaut. Der Auftakt der Neuauflage wirkt stellenweise wie eine Nacherzählung bekannter Science-Fiction Filme, geht aber mit enormen Tempo vor. In wahnwitzigem Erzähltempo werden die Protagonisten eingeführt. Schon in den ersten Minuten wechseln die Schauplätze hektisch von der einen zur nächsten. Dabei entstehen Handlungs- und Zeitsprünge, an die man sich besser schnell gewöhnt.
Besonders feinfühlig fällt die Charaktertiefe nicht aus. Zu schnell kommen neue Figuren hinzu, die durchgehend nur rundimentäre Eigenschaften und Motivationen erhalten. Viel zu schlicht entwickeln sich Nebenhandlungen um Familientwists, kitschige Romanzen und Mensch- / Außerirdischen-Beziehungen.
Zunächst ist die Angst vor den Besuchern und die damit verbundenen Unsicherheiten das vorrangige Thema. Stimmungsvoll und subtil entwickelt "V - Die Besucher" eine paranoide Atmosphäre, die aber nur in den ersten Folgen aufgegriffen wird.
Genau diese beklemmende Atmosphäre fehlt während dem Kräftemessen zwischen Besuchern und Widerstandskämpfern, was die Haupthandlung der ersten Staffel bildet. Immer wieder verstrickt sich die Serie in Konfliktsituationen unter den Hauptfiguren, die der Handlung das Tempo raubt. Ganze Folgen treten auf der Stelle.
Durch Manipulationen, Infiltration und Fehleinschätzungen ist die Geschichte der Serie enorm wendungsreich, was zu seinen Stärken zählt. "V - Die Besucher" ist ebenso konsequent genug, um sich zum rechten Zeitpunkt von handlungstragenden Charakteren zu trennen.
Der Anteil an Science-Fiction Elementen ist für eine Serie dieser Art relativ überschaubar. Einen Großteil nehmen Thriller sowie dramatische Elemente ein, die allerdings nicht sonderlich gelungen sind. Über das Leben der Besucher und ihre Herkunft wird nur wenig offenbart. Zu sehr liegt der Schwerpunkt auf der überschaubaren Anzahl an Rebellen und einem sehr klein aufgezogenem Widerstandskampf. Globale Zusammenhänge werden nicht thematisiert. "V - Die Besucher" verfehlt hier beinahe sein eigentliches Thema.
Nervig bis hin zu unfreiwillig komisch sind zahlreiche klaffende Logiklücken und kaum nachvollziehbare Handlungen der ein und anderen Figur. Ein Tribut der schnellen Erzählweise, die panisch versucht das Tempo der Serie zu steigern. Jedoch ohne Erfolg. Das offene Ende steht schließlich für sich. Ganz ohne Erklärung und bitter benötigten Kommentar.
Eine weitere Sichtbarkeit von dem sinkenden Niveau von "V - Die Besucher" sind die Effekte. Zu Beginn noch detail- und abwechslungsreich gehalten, fällt die Optik bereits nach der zweiten Folge stark ab. Gerade die eingefügten Darsteller in digital erstellte Kulissen wirken enorm künstlich und unsauber. Die Ausstattung der Raumschiffe ist steril und glatt. Unspektakulär und belanglos fallen die nur wenigen Actionszenen aus. Hier verspielt sich die Serie viel von seiner Wirkungskraft.
Zumindest die Schauspieler sind in ihren Auftritten Herr der Lage. Besonders heraus stechen Elizabeth Mitchell ("Lost") und Morena Baccarin ("Firefly"), deren Gegenüberstellung einen großen Reiz ausmacht. Souverän anzusehen sind Laura Vandervoort ("Instant Star"), Logan Huffman, Joel Gretsch ("4400 - Die Rückkehrer"), Scott Wolf ("Party of Five") und Morris Chestnut ("Hochzeit mit Hindernissen"), jedoch glänzt keiner der größtenteils aus Serien bekannten Darsteller mit Höhen. Durch Nicholas Lea ("Akte X") sowie Alan Tudyk ("Sterben für Anfänger") kommen zeitweise zwei bekanntere Gesichter hinzu, deren Erfahrungswerte mangels Sichtbarkeit jedoch nicht sonderlich genutzt werden.
"V - Die Besucher" beginnt sehr stark, fällt aber dann auf ein nur mäßiges Niveau ab. Die beklemmende Atmosphäre und die Ängste vor den Besuchern kommen nur in den ersten Folgen zutage, weichen dann einem löchrigen Thriller-Plot, inclusiver unspektakulärer Action und langwieriger Spannungen unter den Figuren. Die Darsteller sind ordentlich, die Effekte nicht. Einen großen Teil der Atmosphäre büßt die Serie durch detailarme Kulissen und haarsträubende Logiklöcher ein. Zu vorsichtig bewegt sich "V - Die Besucher" voran anstatt sein Potential aus der angespannten Ausgangslage zu nutzen.
5 / 10