Schwarze Komödie statt schwarzer Serie
Einer der frühesten Kaurismäkis in englisch und im gleichen Jahr (!) wie sein ebenfalls genialer „The Match Factory Girl“ entstanden - „I Hired a Contracted Killer“ befindet sich irgendwie in der melancholischen Mitte zwischen Tati und Hitchcock, zwischen Nouvelle Vague und Satire, spielt Kaurismäkis Augenzwinkern schon wunderbar runter und erzählt von einem tristen Angestellten der Londoner Wasserwerke, der durch Rationalisierung und seine ausländischen Wurzeln als erster gekündigt wird und danach fix seinen Selbstmord plant - welcher jedoch mit Seil oder Herd nicht so klappen will, wie er sich das vorstellt. Da engagiert er kurzum einen Auftragskiller um seinem traurigen Dasein im Diesseits ein Ende zu bereiten - was er sich aus Gründen dann aber auch wieder anders überlegt…
Ihm steht das Wasser bis zum Hals…
„I Hired a Contract Killer“ ist unglaublich. Trocken, klassisch, mit französischem Akzent in England - und doch ganz durchschimmert von finnischem Humor. Eine klasse Mixtur. Ungewöhnlich und rassig, trotz aller Kälte und Tristesse. Nur das Mädchen aus der Streichholzfabrik hat noch weniger Worte und noch mehr Herz. Doch insgesamt ist dieser „Auftragsselbstmord“ schon weit oben in den Kaurismäki-Charts und ein sehr „perfekter“, runder und fettloser Film. Da stimmt fast alles. Die Laufzeit. Der Look. Die engagierte Lustlosigkeit. Der Lebensverdruss. Die Hoffnung. Der Humor ist trockeneisig, die Ausgangslage würde heute wohl z.B. von Martin McDonagh kommen. Nur anders. Vor Kaurismäki hätten sich daran vielleicht Godard oder Truffaut versucht. Aber der alte Finne macht das auf seine ganz eigene Art. Und geht damit ebenso in die Filmgeschichte ein wie seine (eventuell noch legendäreren) Kollegen. Kaurismäki mausert sich langsam zu einem meiner liebsten Regisseure - und ich wüsste nicht, wie es jemandem anders gehen könnte, wenn man sein Werk nach und nach entdeckt. Im richtigen Alter, mit der richtigen (Kino-)Reife versteht sich. Zurück zu „Contract Killer“: die Nebenfiguren haben Spleen und Herz, die (versuchten) Morde bleiben im Gedächtnis, es kann genauso durch Situationskomik wie Schnitt wie Sprache wie Mimik wie geschichtliche Zusammenhänge Witz erzeugt werden. Und diese Vielfalt an Möglichkeiten aus denen dich mindestens ein Grinsen urplötzlich anfallen kann, ist schon erstaunlich und… meisterhaft.
Fazit: trocken, wortkarg, sympathisch, herzlich, lebensbejahend, minimalistisch, anders… Akis Hommage an Alfred?! Cooles Teil. Das Irrungen und Wirrungen des Lebens sind stärker als jede Pistole!