Iiiiiiieeeeehhhhhh… Egel! Häßliche, ekelhafte, blutsaugende Biester! Die schleimigen Gürtelwürmer sind wie prädestiniert für einen kleinen fiesen Tierhorrorschocker, denn wie sagte schon Konfuzius (oder auch nicht)? Gibt man den Dingern den kleinen Finger, saugen sie gleich an der ganzen Hand. Nun, zu einem Schocker hat es bei Bernard L. Kowalskis Attack of the Giant Leeches leider nicht gereicht, wird hier doch weniger geschockt, sondern vielmehr geschlockt. Und das ist wohl auch mit ein Grund, weshalb der in Schwarzweiß gedrehte Streifen vielen Genrefans so ans Herz gewachsen ist.
Ort des bizarren Geschehens sind die Sümpfe Floridas. Die wenigen Bewohner des Gebietes machen keinen besonders glücklichen Eindruck, schon gar nicht der beleibte Geschäftsinhaber Dave Walker (Bruno VeSota), dem sein Frauchen Liz (Yvette Vickers) Tag für Tag die Hölle heiß macht. Liz ist blond, sexy, selbstbewußt, und ein Luder, das sich in den starken Armen von Cal (Michael Emmet) wohler fühlt als zwischen den Fettwülsten ihres Göttergatten. Und sie ist nicht auf den Mund gefallen. "I'm going out. Maybe I'll be back, maybe I won't", meint sie kaltschnäuzig, und wenn sie vom dicken Ehemann genug hat, faucht sie auch schon mal angewidert: "Get out, you fat pig!" Doch die Rechnung wird ihr und ihrem Lover wenig später präsentiert, und die wird mit Blut bezahlt, im wahrsten Sinne des Wortes. Von wegen Dicke sind gemütlich...
Um den beiden Turteltauben einen Schrecken einzujagen, hetzt der mißgelaunte Dave sie mit vorgehaltener Waffe durch den Sumpf. Just als er sie gehen lassen will, in der Hoffnung, daß sie die Lektion gelernt haben, kommen unversehens die "Giant Leeches" ins Spiel, packen die beiden und entführen sie. Ihr müßt nämlich wissen, daß die Blutegel nicht blöd sind. Sie dinieren nicht gleich an Ort und Stelle, sondern ziehen sich mit ihren Opfern an ein stilles, gemütliches Örtchen zurück, in diesem Fall eine ruhige Unterwasserhöhle. Dort halten sie die Beute gefangen, und wenn der Hunger an ihnen nagt, bringen sie ihre Saugmäuler in Position und gönnen sich einen kleinen, herzhaften Snack. Für die 1950er-Jahre sind das ziemlich grausige Szenen, die sich da abspielen, wenn die hilflosen Menschen von den Kreaturen nach und nach ausgelutscht werden. Man beachte auch die coolen Soundeffekte! Angesichts der Bedrohung für Mensch und Tier (die Riesenegel haben Menschen erst auf die Speisekarte gesetzt, nachdem sie die anderen Sumpfbewohner - Alligatoren inklusive - erfolgreich ausgesaugt haben) sieht sogar der friedliebende Wildhüter Steve Benton (Ken Clark) ein, daß es manchmal etwas Dynamit sein muß, um Ruhe und Ordnung wiederherzustellen.
Attack of the Giant Leeches funktioniert auf zwei Ebenen, vorausgesetzt, man hat ein Faible für spottbillige, gut abgehangene Monsterschinken. Die eine Ebene sind die kleinen und großen Melodramen der Menschen, die sich in dieser unwirtlichen Gegend angesiedelt haben. Deren Leben wird als nicht sehr erstrebenswert dargestellt. Alle schlurfen mit einem Gesicht herum, als wäre ihnen eine Laus über die Leber gesteppt, was den Schluß nahe legt, daß die sumpfige Umgebung irgendwie aufs Gemüt drückt. Den Vogel schießt Steve Benton ab, der emotionslos durchs Geschehen (schlaf)wandelt und keine Miene verzieht. Ken Clark, der sich später in einigen billigen Italo-Actionfilmchen wie Jack Clifton - Mission Bloody Mary wiederfand, spielt diese Figur so unfaßbar hölzern, daß garantiert jeder Baum vor Neid erblaßt. Playboy Playmate (Juli 1959) Yvette Vickers (Attack of the 50 Foot Woman) sorgt als heißes Miststück für den dringend notwendigen Gegenpol, und auch Bruno VeSota liefert eine gewohnt starke Performance ab. Frau Vickers hat sich übrigens im Jahre 2010 von der Bühne des Lebens verabschiedet, und niemand hat es mitbekommen. Im April 2011 wurde sie von einer Nachbarin gefunden, und die Gerichtsmediziner stellten anhand ihrer mumifizierten Leiche fest, daß sie schon seit etwa einem Jahr tot gewesen sein dürfte.
Die andere Ebene sind natürlich die blutschlürfenden Kreaturen, denen zwar jeder realistische Anstrich abgeht, die dafür jedoch im oberen Bereich der Trashskala ein gemütliches Plätzchen gefunden haben. Die menschengroßen Egel werden von Tauchern gespielt, denen man ein billiges Kostüm übergestülpt hat. Darin sehen sie aus wie eine verunglückte Mischung aus Blutegel, Oktopus, Blob und Plastiksack. Wenig verwunderlich also (wenn auch verdammt schade), daß Kowalski darauf verzichtet, sie allzu oft ins rechte Licht zu rücken. Produziert wurde der amüsante Quatsch von Gene und Roger Corman, und das Drehbuch stammt von Leo Gordon.
Attack of the Giant Leeches ist einer jener billigen Monsterstreifen, wie sie in den Fünfzigern und Sechzigern zuhauf auf die Schnelle heruntergekurbelt wurden. Und auch wenn er hoffnungslos dated ist... dank der drolligen Monster, der soliden Darstellerriege, der feuchten Sumpfatmosphäre und dem nicht zu unterschätzenden Nostalgiebonus ist diese charmante Stunde Film zumindest einen Blick wert.