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Nat Kendall (Ben Mendelsohn), ein leidlich erfolgreicher Schriftsteller, reist mit seiner temperamentvollen und hübschen jungen Freundin Toni (Maeve Dermody) ins australische Outback, um dort seinen im Sterben liegenden Vater Bruce (Bryan Brown) zu besuchen. Gleichzeitig ist es ein Wiedersehen mit seiner jüngeren Schwester Sally (Rachel Griffiths) und vor allem eine Reise in die Vergangenheit. Denn je länger er da ist, je zerrütteter sein Verhältnis zum Vater wird, umso mehr wird Nat klar, dass er sich seiner Vergangenheit stellen muss. In dieser Vergangenheit gab es noch seinen älteren Bruder Cliff und seine Zwillingsschwester Kate (Sophie Lowe) und alle drei verband ein dunkles Geheimnis…

Tja, irgendwie komme ich filmisch nicht los von Australien. Immer wieder entdecke ich Filme von Down Under, die mich fesseln und überraschen, von denen ich bis vor Kurzem eh nix wusste, aber im Zeiten von Onlineshops dann doch leicht zu bekommen sind (vor allem aus England) und selbst an das etwas anstrengende australische Englisch habe ich mich gewöhnt. Wie bin ich nun auf „Beautiful Kate“ gekommen? Erstens durch die generell sehr guten Kritiken, zweitens durch die Landschaft, in der der Film spielt (die Flinders Ranges in South Australia) und drittens spielen zwei der hübschesten und besten australischen Schauspielerinnen mit, nämlich Sophie Lowe (die man vielleicht noch aus dem bizarren Horrorfilm „Road Train“ kennt) und besonders Maeve Dermody (aus „Griff the Invisible“ und „Black Water“). Die Story selbst mutet auf dem ersten Blick sehr vertraut an, der verlorene Sohn kommt zurück, alle versammeln sich am Sterbebett des Vaters.
Und doch hat mich Rachel Wards (aus „Dornenvögel“ und „Tote tragen keine Karos“) Debütspielfilm ziemlich berührt und begeistert. Schließlich gelingt es ihr, diese scheinbar so bekannte Story fesselnd und nicht redundant zu erzählen und nicht in zahllose Klischeefallen zu stolpern. Und wie leicht hätte die Geschichte mit bedeutungsschweren Dialogen, Schreiattacken und sonstigen Zutaten aus vielen Pseudodramen erzählt werden können. Ich bin Rachel Ward ziemlich dankbar, dass sie eine nicht so neue Geschichte so bewegend, ja manchmal sogar elegant und wortkarg erzählt hat, obwohl das Grundthema des Films (ich werde hier nichts verraten) wahrlich nicht gerade massentauglich ist, im Gegenteil.

Hauptprotagonist Nat wird schon nach kurzer Zeit auf der Farm des kranken Vaters von der Vergangenheit eingeholt, er gibt sich die Schuld am Tod seiner Zwillingsschwester und solange er diese Schuld nicht aufarbeitet, ist er auch nicht in der Lage, sich wirklich auf seine neue Freundin Toni einzulassen, die dann auch schnell vom öden Landleben genervt ist.
Zu viele Vorwürfe schweben in der Luft, jeder gibt jedem die Schuld am jetzigen Zustand.
Und Kate, in Rückblenden und in der Gegenwart die zentrale Person, ist in ihrer naiven, süßen Unschuld geradezu ein Gegenentwurf zum Grau der Gegenwart. Der Vater war nach dem Krebstod der Mutter gezwungen, seine Politikerkarriere zu beenden und ist mehr Befehlshaber als verständnisvoller Vater und dies schweißte die Kinder umso mehr zusammen.


Dazu die Isolation der zwar wunderschönen, aber einsamen Landschaft, großartige Schauspieler und gute Musik und man bekommt ein gelungenes Porträt einer ziemlich verletzten Familie, deren einziger Ruhepol ausgerechnet die Jüngste, Sally, ist. Und das Erstaunliche für mich war, dass es der Film schafft, eine durchaus düstere (trotz sonnendurchfluteter Landschaften) Atmosphäre zu vermitteln, dies aber nie selbstzweckhaft wird und man sich dem Sog der Story hingeben kann. Ich habe mit Familiendramen oft meine Probleme (z. B. bei „Das Fest“ aus Dänemark), zu oft wird’s mir schnell zu viel Drama, aber „Beautiful Kate“ ist wie aus einem Guss, ohne peinliche, unfreiwillig komische Exzesse, dafür mit durchaus viel Dunkelheit, Lust am Tabubruch und viel Gefühl für die Charaktere und ihre Einsamkeit, die sich in der Landschaft wiederfindet.
Gewisse Abstriche habe ich beim Ende gemacht, aber insgesamt hat die schöne Kate meine Neugier auf weitere Filme von Down Under nicht gerade verringert.

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