Review

Ähnlich wie ein Nahtoderlebnis könnte es sich für Betroffene im Stadium eines fortgeschrittenen Gehirntumors anfühlen: Die Wahrnehmung impliziert Halluzinationen, möglicherweise aber auch Visionen infolge erhöhter Sensibilität.
Regisseur und Autor Andrew Miles spielt diese Möglichkeit anhand eines unheilbar Kranken durch und entwickelt daraus eine etwas ereignisarme Geschichte um Täter und Opfer eines Snuff-Videos.

Schonungslos steigt die Handlung mit dem Kriegsschauplatz im Irak ein, als der Fotograf Lloyd während eines Einsatzes von einem mit Uran angereicherten Splitter am Kopf getroffen wird. Sein Arzt diagnostiziert ihm maximal ein Jahr Lebenszeit und nachdem sich Freunde und Familie von ihm abgewandt haben, bleibt Lloyd nur noch die Fotografie.
Als er in seinem neuen Apartment durch Zufall eine DVD mit einem Snuff-Film entdeckt, fotografiert er das Opfer ab, in der Hoffnung, es würde, wie zuvor eine Taube und ein Hund, wieder lebendig werden.
Dabei fällt Lloyd nicht auf, dass er den Killer ebenfalls fotografiert hat…

So fragmentartig, wie der Titel bereits vermuten lässt, ist die Handlung zunächst auch aufgedröselt, wobei die Verschwiegenheit sämtlicher Protagonisten deutlich ins Ohr sticht.
Lloyds Figur wird ordentlich eingeführt, sein Trauma glaubwürdig in Szene gesetzt und die Probleme und Beeinträchtigungen infolge des Tumors werden sensibel visualisiert.
Ferner kommt die Isolation und die Einsamkeit deutlich zum Tragen, denn Lloyd fühlt sich von der zynischen Freundin im Stich gelassen und infolgedessen entwickelt er eine starke emotionale Nähe zu dem wiederauferstanden Opfer Victoria, welche vor ihm in dem Apartment lebte. Die Hingabe zu einer eigentlich toten Frau, blutverschmiert und mit Fleisch - und Schnittwunden übersät, ist hingegen einzig seinem Tumor zuzuschreiben, wobei lange nicht klar scheint, ob nur Lloyd jene Frau wahrnimmt oder diese tatsächlich wieder lebendig geworden ist.

Sonderliche Geheimnisse werden im Zuge diverser Aufklärungsarbeiten jedoch nicht aufgedeckt, - im Gegenteil. Nachdem der Killer ebenfalls im Apartment und in einem einsam gelegenen Schacht in Erscheinung tritt, wird rasch klar, welche Ziele der ölverschmierte Kerl mit der tiefen Stimme verfolgt.
Detaillierte Grausamkeiten werden dabei nicht an den Tag gelegt, die Sichtung des Snuff-Videos findet im Kleinbildformat statt und anschließend gibt es lediglich ein Ableben durch eine Kettenreaktion.
Leider gestaltet sich die Geschichte zunehmend langatmiger, denn als sich herauskristallisiert, in welcher Bredouille Lloyd steckt und wie der Killer wieder von der Bildfläche verschwinden könnte, sinkt die Spannungskurve zusehends.
Das müde Finale unterstreicht die Einfallslosigkeit des Skripts nur allzu deutlich, während im Vorlauf einigen Sequenzen das Gespür für Timing fehlt.

Schade, denn die Hauptfigur ist durch Wayne Bradley sehr gut besetzt und auch der Rest vom Cast erledigt eine ordentliche Arbeit.
Die Kamera arbeitet variabel und fängt vor allem die düsteren Kulissen effektiv ein, während der Hüllkurven-Sound die fast schon meditativ-traumhafte Atmosphäre aus Sicht der Hauptfigur untermalt.
Besonders die morbiden Szenen offenbaren ein inszenatorisches Potential, das auf erzählerischer Ebene zu keiner Zeit erreicht wird, wodurch die Story im Endeffekt zu schlicht und schnörkellos erscheint.

Entsprechend fällt der Gesamteindruck nicht sonderlich zufrieden stellend aus, obgleich positive Ansätze deutlich auszumachen sind.
Doch im Zuge übersinnlicher Elemente und einiger surreal anmutender Bilder lässt er die angestauten Erwartungen im Stich, am Ende mit einem überraschenden Twist belohnt zu werden, denn der bleibt in jeder Hinsicht aus.
Nette Grundidee, stimmig in Bild und Ton, aber auf Dauer lahm und ermüdend für die Zuschauer, denen jene Grundstimmung allein nicht ausreicht.
4,5 von 10

Details
Ähnliche Filme