Ich liebe europäisches Kino, bzw. habe es über die Jahre schätzen gelernt. Denn wo die Amis heutzutage permanent meinen Geschmack und meine Intelligenz beleidigen (Ausnahmen bestätigen die Regel), überraschen mich europäische Filme in letzter Zeit immer wieder in ihrer Professionalität, Originalität und neuen, frischen Schauspielern und Regietalenten.
"Deliver us from Evil" ist in diesem Zusammenhang ein perfektes Beispiel.
Also, der Film spielt in der dänischen Provinz. Mit farbarmen Einstellungen wird gleich eine merkwürdige aber interessante Atmosphäre erzeugt. Ein asozialer Lastwagenfahrer, der Bruder eines gutsituierten Anwalts, überfährt auf einer Landstrasse eine alte Lady, die der Dorfliebling ist. Nach seiner Fahrerflucht schiebt er mit einem Trick den Mord einem Bosnier, der für seinen Bruder arbeitet, in die Schuhe. Auf einem prolligen Bierzeltfest eskaliert dann die Situation und der Film entwickelt sich zu einem Albtraum, denn der aufgebrachte Mob will den Bosnier lynchen. Der Bruder versteckt ihn dann in seinem Haus bei seiner Familie und dann kommen Szenen, die an "Wer Gewalt sät" erinnern, nur viel extremer. Diese 2. Hälfte war das spannendste, was mir in letzter Zeit untergekommen ist.
Dazu hammermässige Schauspieler, die ihr Herzblut in ihre Rollen legen und eine Regiearbeit, die von grandioser Eigenständigkeit und Einfallsreichtum geprägt ist. Und vergleicht man mal Filme, die uns Angst machen sollen, also diesen mit Produktionen wie Hostel oder Saw. Da kann ich zu letzteren nur sagen, ich lach mich tot, ein Witz gegen den echten, realen Horror, der hier verbreitet wird. Ein abgrundtief bösartiger Film, der zeigt was passiert, wenn der Mob sich mobilisiert. Ein toller und nachdenklich stimmender Film!