Review

kurz angerissen*

Tja, mehr ist nicht passiert, meint die als Meta-Host fungierende Sonja Richter kurz vor dem Abspann schulterzuckend. So ist das eben mit dem Menschen, seiner Xenophobie und der Rudelbildung. In Gruppen fällt der Verstand eines jeden Einzelnen mit dem Domino-Effekt, wobei sich Ole Bornedal in „Deliver Us From Evil“ ganz spezifisch der explosiven Kombination aus Ländlichkeit, Gläubigkeit und Kriminalität annimmt und ein ums andere Mal ein Lämpchen im Inneren des Zuschauers anschmeißt, das ihn in einem Anflug von Scham für Seinesgleichen zu Boden starren lässt.

Gleichwohl übertritt der Regisseur an mancher Stelle die Grenze ins Karikaturistische. Letztlich artet der Film mit altbekanntem „Straw Dogs“-Aufbau in Dimensionen aus, die eher einem Guy Ritchie gut zu Gesicht stünden, als sich Bitterkeit und Brutalität allmählich zu überzeichnen beginnen; dabei misst man sich von der Anlage her eigentlich mit feinfühligen Dramen wie „Jagten“ von Thomas Vinterberg.

Die Besetzungsliste allerdings erfreut mit der Risikobereitschaft, einen Stand-Up-Comedian zum Hauptdarsteller eines bleischweren Dramas zu machen; Lasse Rimmer agiert jedenfalls so überzeugend, als habe er nie etwas anderes gemacht. Neben ihm sticht vor allem Jens Andersen als überhitzender Plot-Katalysator auf, an dessen Figur sich das Monströse ebenso leicht ablesen lässt wie das Menschliche dahinter.

Kalt lässt es jedenfalls nicht, wenn einmal mehr ein Sündenbock wegen seiner Andersartigkeit und Gutmütigkeit Opfer eines Lynchmobs wird. Manches Klischee im Aufbau und die nach hinten heraus übersprudelnde Kausalkette schwächen die Intensität jedoch deutlich ab.

*weitere Informationen: siehe Profil

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