Nachdem Wang Wu [ Yeung Fan ] bei einem Angriff seiner Black Flag Troop auf japanische Invasoren seine gesamte Einheit verloren hat, zieht er sich als Schmied in ein Dorf zurück. Erst ein versuchtes Attentat auf den durchreisenden Militärkommandanten Yuan Shih – kai [ Chiu Cheung Gwan ] erweckt ihn aus der Lethargie; er schliesst sich neben dem ebenfalls helfenden Gelehrten Tan Szu-tung [ Ti Lung ] und seiner Begleiterin Nine Catties [ Cynthia Khan ] dem Ritt nach Peking an. Nach der Eröffnung einer Kung Fu Society gerät er in die Wirren einer Revolution: Sein Freund Tan Szu-tung will den herrschenden King Yee [ Wong Kam-kong ] stürzen, wobei er auf die Armeen von Yuan Shih – kai vertraut...
Der Film stellt eine Art Rückkehr zu den Wurzeln in der Filmography von Sammo Hung dar; eine Abkehr der modern day Actionkomödien der letzten Jahre hin zu einem period piece, mit dem er Ende der 70er / Anfang der 80er für Furore gesorgt hat. Das Genre war mittlerweile wieder heissbegehrt; Filmemacher wie Tsui Hark, Ringo Lam, Michael Mak, Frankie Chan, Billy Chung, Kevin Chu oder Wong Kar Wai, die ihre bisherigen und nachfolgenden Arbeiten in der Neuzeit ansiedelten, wechselten für kurzfristig ihr Metier und erschufen in dem Zeitraum einiges an Sehenswerten für die Wu xia pian Gattung.
Für Hung selber sollte es ein auf gewisse Art untypischer Film sein; seine Regie ist sehr sicher, aber ebenso unaufdringlich und lässt sich anders als ein Grossteil seiner bisherigen Filme nicht so wirklich in ein bestimmtes Schema ordnen. Er stellt sein Können diesmal viel mehr in den Dienst der Geschichte, filmt diskreter als sonst ohne den Stoff aus den Augen zu verlieren und ist auch mit viel mehr Sinn für Stimmung und Atmosphäre dabei.
Historische Bezüge auf die Hundert-Tage-Reform, den nachfolgenden Boxeraufstand sowie den späteren Präsidenten Yuan Shih – kai werden im kleineren Rahmen übersichtlich aufgestaffelt. Das Ergebnis ist ein über weite Strecken überzeugender Film, der teilweise sogar begeistert; auch weil man es schafft, öfters intim und episch zugleich zu wirken.
Auch gelingt es, aus dem bekannten Setting sowie mehreren klassischen Themen neue Facetten zu gewinnen und vor allem auch frische Bilder zu erschaffen; man belebt das ureigene Genre durch prägnante Hinweise darauf in einer modernen, aber angepassten Umsetzung.
Man teilt sich besonders optisch viel mit den gleichzeitig entstandenen Filmen wie A Warrior‘s Tragedy, Sword Stained with Royal Blood, New Dragon Inn, erschafft aber trotzdem durch gewisse materielle Akzente seine eigene Note; weswegen man sich aus der Masse hervorheben kann.
Interessant ist vor allem die Vermischung von Martial Arts mit Politik; die meisten Anwesenden besitzen eine Funktion entweder in der Regierung oder deren Opposition, wobei Politik und Militär hierbei nicht zu trennen sind.
Das Land ist nach dem verherrenden Taiping-Aufstand und den zusätzlich Tribut zollenden zwei Opiumkriegen weiter am schwächeln, die Exekutive besitzt keine Zentralgewalt mehr, die Finanzen reichen nicht vorne und nicht hinten aus. In der Aussenpolitik wurde die europäische Überlegenheit nicht wahrgenommen, obwohl der Film mit 1898 zu einem Zeitpunkt spielt, in der das Reich der Mitte die Bucht Kiautschou an Deutschland und die Stadt Weihai an Großbritannien verpachten musste. Die Identitätskrise auf dem Weg ins neue Jahrhundert ergibt den Nährboden für den Befreiungskampf aus Unselbstständigkeit, Abhängigkeit und fremder Dominanz; die geplanten Reformen von Tan Szu-tung stossen aber auf Missmut der Konservativen Linie, für die eine Revision der traditionellen konfuzianischen Struktur einer Revolution gleichkommt. Da die Führung des Staates ein Wechselspiel mit der militärischen Authorität eingeht, steht Yuan Shih – kai als Kommandant der Truppen als entscheidende Person in der Mitte. Sobald er sich unter Abwägung des grössten persönlichen Nutzens für eine Seite entscheidet, geht alles seinen Gang.
Gegenüber vergleichbaren Produktionen mässigt man sich aber sowohl im Inhalt als auch der Realisierung: Das Drehbuch von Szeto Cheuk Hon weist einen gelungenen Aufbau mit einer folgbaren nach - und - nach Vergrösserung seiner Ausgangsidee auf; lässt die Personen über die Geschehnisse zusammenkommen, statt sie alle auf einmal aufzutürmen. Anfangs findet dies über zwei grössere Actionszenen statt, die in ihren jeweiligen Motiven bereits die Grundideen des Filmes anritzen. Die Hauptfigur Wang Wu wird einmal als Handlungsmittelpunkt gesetzt und einmal als Ergänzung; während eines nächtlichen Angriffs auf ein japanisches Zeltlager führt er seine Black Flag Troop an, während einem späteren Attentatsversuch schreitet er als Unbeteiligter ein.
Einmal werden die Beweggründe für das Handeln aus den ethnischen Aspekten des Nationalismus gezogen und einmal aus den moralischen des Patriotismus.
Je mehr Personen für das Geschehen wichtig sind, desto konkreter wird dann der Schauplatz; zu Beginn noch weite, undefinierte Landschaften wie Wälder oder Wüsten wird sich mit zunehmender Zahl ganz auf die Hauptstadt Peking begrenzt und so die Variablen ausgetauscht.
Wie auch vorher nutzt man bestimmte Großereignisse, um weitere Parteien im nunmehr komplexer werdenden Gebilde vorzustellen und sie so schnell bildlich statt über einen langwierigen Dialogweg festzuhalten.
Besonders ein mehrminütiges Martial Arts Turnier erweitert innerhalb seiner Kämpfe links und rechts die Gruppen um weitere Angehörige; die, die auffallen sollen werden eben über ihre körperlichen Fähigkeiten hervorgehoben und erfahren so automatisch schon rein visuell mehr Aufmerksamkeit.
Etwaige Zeitsprünge umfassen dann nur unwichtige Details und streichen so ebenfalls das Irrelevante vom Bedeutsamen heraus; so erklärt eine knappe Rückblende schnell die Herkunft der plötzlichen Kung Fu Society von Wang Wu und die Bewandtnis des titelgebenden Markenzeichens ebenso wie dessen dafür verantwortlichen Gönner.
Vielschichtiger, dialoglastiger und damit auch ruhiger wird es in der zweiten Hälfte, in der vornehmlich der Entscheidungsprozess von Yuan und die damit folgenden Veränderungen für die Beteiligten erzählt wird. Es wird etwas trocken und vielleicht auch wirr, aber Dramatik und Emotionalität sind gut gehandhabt, ohne zu stark indiziert zu werden. Lowell Los zelebrierender Score tut sein Übriges, um die gedämpfte Stimmung vor dem Kampf wirkungsvoll zu transportieren.
Der nunmehrige Personenüberschwang wird durch bekanntere Darsteller in den Nebenrollen abgefangen; kann aber nicht verhindern, dass einige Figuren stark aussen vorstehen und wenig bis kaum Funktion für die Geschichte haben und andere sehr eindimensional gezeichnet werden. Auch hier gilt, dass man einfach zuviel auf einmal erreichen will und dadurch notgedrungen Abstriche machen muss. Die Cameos von sowohl Rosamund Kwan und Sammo Hung bringen dem Fortgang eigentlich überhaupt nichts; die Rollen von Ngai Sing und Cynthia Khan halten auch fast nur für den Showdown her.
Dieser hebt sich auch wie die meisten Actionszenen davor stark von der Bodenständigkeit der Handlung ab und verzichten öfters auf ein Realitätsgebot. Wirework wird auch hier ausgiebig und auch effektiv benutzt, aber teilweise auch zu sehr unpassenden und eigentlich nicht nötigen Momenten; wo es dann mit einigen Gewaltexzessen eher abstrakt als gekonnt aussieht und sich so gar nicht in den Rest einordnen lassen.
Es finden aber auch genügend Konfrontationen auf dem Boden statt; Abwechslungsreichtum ist auf jeden Fall gegeben. Vor allem bei dem Turnier in der Mitte wird innerhalb dem Pa-kua Boxen, Choy Lay Fut Kung Fu und Northern Stil Siu-Lum eine ausgezeichnete Choreographie hingelegt, bei der von Kamera bis zum Schnitt alles stimmt.
Der eigene Anspruch des Filmes schiesst manchmal über das Ziel hinaus, wenn man sich nicht für einen klaren Weg entscheiden kann; auch bleibt man durch den Ballast der Ideen etwas kühl und behäbig. Dennoch ein beachtenswerter Film mit mehreren glänzenden Sequenzen.