Review

Unheimliche Begegnung der ersten Art...
ist die Sichtung eines unbekannten (Flug)objekts aus der Nähe 

Unheimliche Begegnung der zweiten Art...
das unbekannte (Flug)objekt hinterlässt deutlich sichtbare Spuren 

Unheimliche Begegnung der dritten Art...ausser dem unbekannten (Flug)objekt werden auch noch dessen Insassen gesichtet. 

So oder so ähnlich wurde damals für Steven Spielbergs Film "Unheimliche Begegnung der 3. Art" geworben. Spielbergs Film wurde ein Klassiker und die aufgezählten Klassifizierungen basierend auf Joseph Allen Hyneks Buch "The UFO Experience" wurden im Laufe der Jahre um zwei weitere Arten erweitert und dienen fortan allen etwas seriöser angehauchten UFO-Spinnern als Basis für irrwitzige Spekulationen, Sichtungen und ...weitere Filme. 

"The Fourth Kind" von Regisseur Olatunde Osunsanmi ist mal wieder einer dieser inzwischen etwas rar gewordenen Versuche, die ansonsten abstrusen Kabel-TV-Dokumentationen und Schmierblättern vorbehaltene Thematik auf ein zahlendes Kinopublikum loszulassen. 

Gleich zu Beginn wird dem Zuschauer von Mila Jovovich auf den Weg gegeben, dass der ganze folgende Film auf Begebenheiten beruht, die mittels Interviews, Video- bzw. Audioaufnahmen in die nachgespielte Handlung eingebaut wurden. Jovovich selbst spielt hier den Part der Psychologin Abigail Tyler. 

In Nome, Alaska geschehen seltsame Dinge. Dr. Tyler (M. Jovovich) trauert um ihren Mann, der auf seltsame Weise ums Leben kam. Menschen in der Stadt leiden an Schlaflosigkeit und berichten alle von einer seltsamen Eule, die die Schlaflosen des nachts beobachtet. Die Psychologin hypnotisiert daraufhin einen dieser Männer, was dazu führt, dass dieser etwas später seine ganze Familie killt. Weitere Hypnose-Sitzungen mit anderen Probanden führen dazu, dass sich vage herauskristallisiert, dass irgendwas oder irgendwer diese Menschen nachts heimsucht...die Begegnung der vierten Art sozusagen, welche  Kontaktaufnahme bzw. Entführung durch Ausserirdische bedeutet. 

Um hier den Bogen zum anfangs genannten Spielberg-Film zu spannen, kann man sagen, dass hier im Gegensatz dazu ganz klar die Bedrohung durch...ja was eigentlich?...im Vordergrund steht. Hier gibt es weder mörderische Aliens, Predatoren, lichtgleissenden Raumschiffe und auch keine Ausserirdischen, die auf Verbrüderungstour durchs Weltall mal kurz bei uns halt gemacht haben, stehen hier auf dem Programm. Was der Zuschauer hier serviert bekommt ist eigentlich nichts konkretes, was man niederträchtigerweise auch als den manifestierten Beweis für die Ideenlosigkeit eines Drehbuchautors auslegen könnte, aber dennoch mit gewissen Mängeln behaftet hier sogar ganz gut funktioniert. 

Um der ganzen Geschichte einen realen Anstrich zu verpassen wird uns eine ganze Menge an zur "nachgespielten" Handlung angehängtes Material in Form von Interviews und Videos als authentisch verkauft. Was uns durch den inzwischen schon legendären Wackel-Kamera-Effekt aus "Blair Witch Project", die schlechtere Bildqualität dieser Szenen und der "echten" Abigail Tyler, die sichtlich derangiert wirkend von Regisseur Osunsanmi interviewt wird, vermittelt werden soll.

Im Zusammenwirken mit den "echten Beweis-Videos", auf denen eigentlich gar nichts zu sehen ist und die bestenfalls ein mörderisches Kreischen bieten, schafft es der Streifen auf eine seltsame Weise zu unterhalten. 

Wie genau dies funktioniert, kann ich auch nicht sagen. Die ganze Soundkulisse wirkt eigentlich bloß extrem nervig, zu sehen gibt`s praktisch nichts und trotzdem hat man permanent ein ungutes Gefühl in der Magengrube.
Vielleicht ist es auch die durch alles zusammen doch irgendwie erzeugte Spannung, die darauf wartet storytechnisch aufgelöst zu werden. Was natürlich auch nicht auf die herkömmliche Weise geschieht... 

Man kann hier Regisseur und Drehbuchautor Osunsanmi wirklich ein gewisses Lob aussprechen, den er hat es tatsächlich geschafft mit buchstäblich nichts greifbarem und gekonntem Spiel mit der Realität einen durchaus ansprechenden Film zu drehen. 

Von Seiten der Darsteller/innen bietet der Film keine wirklichen Könner auf, aber auch die hier Beteiligten machen ihre Sache ganz gut. 

Negativ lege ich dem Film aus, dass es einfach an Erklärungen mangelt, die ganze Chose etwas Zeit braucht bis sie wirklich interessant wird und die Massnahmen zur Erzeugung von Spannung (also praktisch nur das Geschrei) eigentlich und für sich betrachtet ziemlich einfalls- und wirkungslos rüberkommen. 

Trotzdem verfehlt der Streifen insgesamt eine gewisse Wirkung nicht und wenn ich die Miene von Regisseur Osunsanmi während des Interviews mit der "wahren" Dr. Tyler gegen Ende richtig deute, dann schwingt hier auch eine gewisse Kritik bzgl. der Glaubwürdigkeit solcher Geschichten mit. 

Fazit: "The Fourth Kind" ist garantiert kein Meisterwerk, hebt sich aber interessanterweise etwas von ähnlich konzipierten Streifen ab, in dem er nicht nur technische Mittel einsetzt um ein gewisses Realitäts-Feeling zu transportieren, sondern gleich noch eine zusätzliche "Realität" aufbaut und geschickt nutzt!
(6,5 von 10 möglichen Punkten)

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