Wer liebt sie nicht, die fiesen und kleinen Gruselserien, die in ihr nominell halbstündiges Format (also 21-23 min ohne Werbung) ein paar schöne und gemeine Thrills packten. Das Format kam in den 80er sehr schnell in Mode und hielt sich fast zwei Jahrzehnte neben den „echten“ Gruselserien im 45-Minuten-Format im Programm. Als Wegbereiter gilt immer noch George A. Romeros „Tales from the Darkside“ aka „Geschichten aus der Schattenwelt“, die von 1984 bis 1988 den Erfolg von Romeros „Creepshow“ weiterführten. Nachdem TFTD jedoch ausgelaufen war, nahm Co-Produzent Richard P.Rubinstein die Idee einfach mit und erschuf nahtlos „Monsters“ die noch einmal drei volle Jahre zu je 24 Folgen bis 1991 liefen. „Monsters“ begann stets mit einem sehr beliebten Vorspann, in dem die Kamera aus dem Weltall herabsinkt bis in das typisch amerikanische Wohnzimmer, jedoch bevölkert von Monstern und Aliens, die jetzt gern ihre Lieblingsshow schauen möchten. Wie schon „The Outer Limits“ sollte auch „Monsters“ immer ein spezielles „Monster der Woche“ haben, doch die Frequenz konnte man nicht immer einhalten. Heraus kam jedoch eine abwechslungsreiche Serie, die mal ernst und mal auf komisch machte, jedoch stets mit unterschiedlichen Ergebnissen.
Staffel 3:
49 – Stressed Environment
Wenn man sich schon mit mittelmäßigen Staffelstarts abgefunden hat, ist „Stressed…“ ein echter Lichtblick! Die Neigung zu budgetbedingten Sparsets wird in diesem Experimentallabor wirklich gut ausgenutzt und die Story von den seit zwölf Jahren für Experimenten missbrauchten Laborratten, die einen Evolutionssprung machen, funktioniert sogar passabel. Klar, das ist die auch in dieser mehrfach genutzte Story von der menschlichen Eitelkeitsschöpfung, die der Schöpfer dann nicht mehr kontrollieren kann, aber selbst wenn die steinzeitlichen Rattenpuppen nicht wirklich überzeugend sind, sind sie noch hübsch fies und eklig. Ein sehr atmosphärischer Opener.
50 – Murray’s Monster
Dass ich das noch erleben darf: eine Comedyfolge, die halbwegs funktioniert, vermutlich weil sie im Sketch-Boulevard-Format angelegt ist und die Klischees in bester Übertreibung einfach dick nachzeichnet. Ein von seiner ach so umsorgenden Frau genervter Psychiater möchte am liebsten mit seiner blonden Sekretärin durchbrennen, muss sich dann aber mit einem bebrillten Nerd herumschlagen. Als der sich unter Hypnose in ein gorillaähnliches Monstrum verwandelt, welches seine unterdrückten Aggressionen darstellen, kommt dem Doc eine fatale Idee. Grob bis grotesk umgesetzt, poltert sich Joe Flaherty durch diesen Schwank, der zwar nicht gerade Originalität ächzt, aber immerhin flott vor sich hin poltert.
51 – Bug House
Ja, das ist eine Schabenstory und sie ist nicht appetitfördernd, denn es geht um eine junge Frau, die im alten Familiensitz mit akutem Insektenbefall ihre hochschwangere Schwester aufstöbert. Die ist unter der Aufsicht eines fast übergriffig wirkenden jungen Mannes mit besonderer Ausstrahlung und soll eine Hausgeburt machen. Natürlich geht unsere „Heldin“ nicht stiften und das hat Folgen. Auch hier kann man den Plotverlauf ahnen, aber die creepy Verfallsatmosphäre und das diesige Studiolicht lassen doch fasziniert zuschauen – zumindest bis die Macher tatsächlich einen netten Ekelhammer draufsetzen, den man ähnlich von einem gewissen Cronenberg schon kennt. Wenn es einen nach 20 Minuten mal so richtig überall jucken soll.
52 – Cellmates
Maxwell „Denver-Clan“ Caulfield als arrogant-rassistisches reiches Bürschchen, welches allerdings mit seinem Porsche beim Koksdealen ein Kind überfahren hat und deswegen in Lateinamerika in einem Provinzknast landet. Der ältere Herr in der Nebenzelle erklärt dem unbelehrbaren Arschloch, dass er in keiner guten Zelle sitzt – weil dort die Leute meist nur kurz bleiben und dann verschwinden, ein Prozess der von den „Behörden“ auch noch begrüßt wird. Ist jetzt nicht weltbewegend, aber eben sehr verunsichernd, weil man nicht gern selbst in so einer Situation wäre.
53 – Outpost
Ein kleines philosophisches Lehrstück, das auf einem fernen Planeten spielen soll, wo sich ein Mensch freiwillig einer genetischen Umformung unterzieht. Bevor das alles auf eine neue Ebene verschoben wird und es sogar noch eine aus dem Hut gezauberte Pointe gibt, muss man aber durch fast 20 min Diskussionen durch, die sich endlos ziehen. Die erste Platzpatrone der Staffel.
54 – The Hole
Drei Soldaten klettern während des Vietnamkriegs in einen Erdlocheingang eines Vietcong-Bunkers. Unter der Erde entpuppt sich der Bunker allerdings als riesiges Labyrinth, in das man leicht reinkommt, aber schwer wieder heraus. Die Episode reibt sich nicht gerade mit vielen Twists auf, sondern setzt auf die guten Sets, die Enge, die Angst und die Unwissenheit, welche Bedrohung in dem Bunker wartet. Wenn sie dann kommt, ist sie eigentlich von der Stange, aber der Aufwand ist schon beträchtlich für die Sparambitionen der Serie. Bedrückend!
55 – Small Blessing
Auch hier fällt die Comedy wieder grobschlächtig aus: ein Ehepaar hat einen Monstersäugling daheim, behandelt ihn aber wie ein normales Baby, allerdings gibt es Eheprobleme wegen der Anstrengungen. Und ein geheimnisvoller Frauenmörder geht auch noch um. War auch nicht meine Tasse Tee, aber ist zumindest nicht ärgerlich und hat mit Kevin Nealon und David Spade zwei SNL-Komiker im Cast. Die Pointe ist nicht sonderlich originell, aber immerhin kein Ärgernis.
56 – Shave and a Haircut, Two Bites
Hey, es gibt doch noch was Originelles bei „Monsters“ und sogar mit bekanntem Cast: Will Wheaton („Star Trek TNG) und Matt LeBlanc („Friends“) sind Schulfreunde und brechen bei einem benachbarten Barbier ein, weil Wheaton Vampire als Eigner vermutet. Hält sich viel mit Diskussionen über Vampirismus auf, hat aber eine beachtliche Atmo und tatsächlich eine unerwartete inhaltliche Wendung.
57 – The Young and the Headless
Spielt mit dem Titel auf eine Soap an und bietet dann auch entsprechend Unwahrscheinliches rund um ein Mad-Scientist-Ehepaar und einen vormals verschollenen Dschungelmuskelprotz. Ist wieder als Parodie gespielt, ist mäßig originell, aber wenigstens abwechslungsreich inszeniert.
58 – The Waiting Game
Best und Worst in einer Episode: alles beginnt mit den bekannten zwei Wachleuten im Atomsilo, die sich plötzlich mit einem nuklearen Kriegsfall auseinander setzen müssen. Danach ist draußen alles zerstört und zerstrahlt, aber man hat noch Kontakt mit einer anderen Station. Und die berichtet von seltsamen Vorgängen draußen. Atmosphärisch ist das alles knorke, aber für das letzte Drittel mussten die Macher ja nun noch eine definitive Bedrohung ins Bild setzen und die so dermaßen mit dem Holzhammer in den Plot geprügelt (und wer die zentrale Bedrohung gesehen hat, weiß wie lächerlich sie wirkt), dass man nur noch mit dem Kopf schütteln kann. Dennoch hat die Folge ihren Reiz.
59 – Sin Sop
Noch eine schräge Episode, in der eine Journalistin einen Wunderheiler entlarven will, der eine Möglichkeit gefunden hat, die Patienten von ihren Sünden zu befreien. Natürlich will sie einen Scharlatan fangen, aber die „Apparatur“ ist so absurd wie funktionsfähig. Dann allerdings taucht ein waschechter Soziopath im Haus auf und bringt das Fass zum Überlaufen. Allein das Setting ist absurd, Christopher Shaw spielt den Wunderheiler wie den „Janosz“ aus „Ghostbusters 2“ und Richard Borg ist ein fieses Arschloch, dabei kommen 21 durchgeknallte Minuten von der besseren Sorte heraus.
60 – A New Woman
Endlich eine Weihnachtsfolge und gleich eine Adaption von Dickens‘ „Christmas Carol“. Ex-Avengers-Star Linda Thorson als hartherzige und geldgeile Ehegattin eines siechenden reichen Gatten, die von dem behandelnden Arzt (Mason Adams aus „Lou Grant“) aus Längengründen gleich der wartende Abgrund präsentiert wird. Ironisch: hier findet eigentlich keine richtige Läuterung statt, sie akzeptiert später eher quit pro quo. Kommt aber alles sehr angenehm rüber und Thorson ist wunderbar bitchig.
61 – Malcolm
Mit dieser Episode bin ich wirklich nicht zurechtgekommen, sie ist fast wie ein Fiebertraum inszeniert, in dem Ed Lauter als Ex-Klarinettist mit einem Alien im Bauch an seiner Kreativität schraubt. Die bizarre Ehefrauenfigur, die nie zu Wort kommt, macht das sonst schon kaum nachvollziehbare Verhalten der Figuren noch verwirrender. Atmosphärisch gut, aber erzählerisch war ich da bald raus.
62 – Household Gods
Und hurra, da ist sie: die schlechteste Monsters-Episode, um Längen. Ein misogynes Stück Kackscheisse, welches wohl ansatzweise ironisch sein soll, aber vermutlich schon in den 50ern in der Form die Zuschauer abgestoßen hätte. Die gute Deborah versucht in der neuen Wohnung Kind und Fulltimejob samt Haushalt zu managen, doch leider gibt es in der Bude einen Götterzwerg, der es am liebsten hat, wenn Frauen sich ausschließlich um Haushalt und Kind kümmern, weswegen die Nachbarinnen auch schon alle wie brave Roboter reagieren. Hat natürlich einen Hauch „Stepford“ drin, aber die Anbetungsrituale sind krude und die Schlusspointe ist da nur das Sahnehäubchen. Wenn es eine Satire sein sollte, versagt sie leider total.
63 – The Space Eaters
Die Gehirnfresser kommen! In dieser charmanten Adaption im besten 50er-Scifi-Stil greifen Aliens an und saugen uns den Bregen raus. Zwei ältere Herren sind bemüht, sich in ihrem Herrenhaus gegen den Angreifer zu verteidigen, notfalls mit einem mobilen Röntgengerät. Super Paranoia-Stimmung und morbide Bohrlöcher im Kopf, so macht die Serie Spaß.
64 – The Waiting Room
Klassische Geistergeschichte, die nur ein Problem hat, sie ist eben nicht sonderlich gruselig inszeniert. Dad zieht mit Sohnemann und Schwiegertochter in sein altes Honeymoon-Hotel, wohl auch weil er ein Geheimnis hat: eine unheimliche Frau, die in einem Zimmer auf ihn wartet, weil sie ein gemeinsames Kind mit ihm hat (woher auch immer). John Saxon ist schon mal als Dad eine Ansage, aber die Geisterfrau ist eben nicht creepy und die Inszenierung trotz passender Kulissen einfach zu schwergängig. Potential verschenkt.
65 – Leavings
Obwohl dieses Kammerkabinettstückchen fast nur über Dialoge und Berichte läuft, kann man spüren, wie viel Power das Thema als Kurzgeschichte hätte, bspw von Clive Barker. Zwei Polizisten berichten ihrem Chef von seltsamen Leuten, denen plötzlich Körperteile fehlen und anderen, die wie aus ihnen zusammengebaut aussehen. Hat irgendwie keine wirkliche Einbindung als Plot und die beiden Beamten (einer davon „Monk“ Tony Shalhoub) benehmen sich hinreichend deppert, aber ist hinreichend creepy zum Finale hin.
66 – Desirable Alien
Wieder mal was zum Schmunzeln, allerdings eher mal nach innen, was schon mal besser läuft. Ein Immigrant, der seine sexuelle Ausstrahlung bei allerlei Einwanderungsbeamtinnen spielen lässt, beisst bei einer der Damen auf Granit, dabei hat er doch übernatürliche Vorteile, die ihm helfen. Eiert erst ein wenig um das zentrale Thema, kriegt dann zum Ende aber noch mit einer bissigen Pointe die Kurve.
67 – A Face for Radio
Spöttische Radiomoderatoren in Nachtshows sind ja durchaus beliebt – hier eine grimmige Variante mit einem besonders groben, schleimigen Exemplar. Eine schöne Frau mit einem kleinen Monstrum in einem Käfig wird für ihn zur Nagelprobe – bestes Tales-from-the-Crypt-Material, denn der gute böse Mann schlägt natürlich sämtliche Warnungen in den Wind. Ziemlich vorhersehbar, wo das endet – aber als grimmige Story durchaus wirksam.
68 – Werewolf of Hollywood
Und noch einmal Schmunzelmaterial mit einem noch jungen Richard Belzer („Homicide“, „Law and Order SVU“), der sich mit einem Werwolf herumschlagen muss, als es um Drehbuchmachtkämpfe geht. Ist mit einem Augenzwinkern inszeniert und mit Pointe gewürzt, wenn auch nicht wirklich überraschend. Aber funktioniert auf einer schummrigen Ebene recht ordentlich.
69 – Talk Nice to me
Ein herzensbrecherischer Kolumnist wird von einer giggelnden Telefonstimme weiblicher Natur erst belästigt und dann später unter Druck gesetzt. Obwohl ihm keine Gefahr droht, geht sein Leben alsbald den Bach herunter. Irgendwann wartet man nur noch auf die monströse Pointe, aber bis dahin kann man sich an der seltsamen Wohnungsausstattung mit allerlei Masken satt sehen. Aber dann doch eher ein Schmunzler.
70 – Hostile Takeover
Ein Börsenspekulant und Firmenzerstörer, spezialisiert auf feindliche Übernahmen übertreibt es mit seiner hochfunktionalen Voodoo-Unterstützung ein wenig zu sehr und kriegt dann die gespiegelte Rechnung präsentiert. Hübsch abwechslungsreich mit einer entfesselten Pam Grier als Voodoopriesterin.
71 – The Maker
Ein höchst bizarre Story über einen jungen Mann, der in einem zerfallenen Gebäude auf einen formschönen Alkoholiker mit übernatürlichen Mächten trifft. Natürlich fährt ihm seine zügellose Gier in die Parade, hat er doch nicht bedacht, das Alkoholiker unter Stoff praktisch unkontrollierbar sind, vor allem wenn sie gottgleich agieren können. Ein Kammerdrama, aber ein sehr effektives.
72 – The Moving Finger
Und da ist sie zum guten Schluss: die Stephen-King-Adaption einer seiner Kurzgeschichten: ein Spielshowsüchtiger findet in seinem Bad einen Finger vor, der aus dem Waschbeckenabfluss ragt. Los wird er das seltsame Wesen nicht, egal wie rabiat er vorgeht, denn zu einem Finger gehört auch immer eine Hand. Keine schlechte und vor allem eine blutige Episode, die aber durch das exaltierte Spiel Tom Noonans eher zu einer Parodie wird – und den inneren Monolog der Story natürlich vergessen lässt.
Das waren sie dann also, die letzten 24 Episoden von „Monsters“, der Sparausgabe von „Tales from the Darkside“, die meistens an ihren streng restriktiven Kleinbudgets krankte, die aber dennoch um Qualität stets bemüht war. War die erste Staffel noch unausgegoren, wirkte die zweite sogar noch etwas einfallslos über weite Strecken, doch das wird in der 3.Staffel hiermit halbwegs ausgewetzt. Nicht nur wird der Ton finsterer und abgründiger, auch die Stoffe sind wesentlich besser ausgewählt und sorgen für mehr Abwechslung. Die Humorepisoden sind nicht mehr ganz so platt und grobschlächtig geraten, sondern kommen mit mehr Feingefühl und auch substanziell bieten die letzten 24 Folgen weniger Leerlauf fürs Geld.
Episoden-Empfehlungen aus Staffel 3: „Stressed Environment“(49), „Bug House” (51), “Cellmates” (52), “The Hole” (54), “Shave and a Haircut, Two Bites”(56), “Sin Sop” (59), “A New Woman” (60), “The Space Eaters” (63), “Leavings” (65), “Werewolf of Hollywood” (68), “The Maker” (71) und “The Moving Finger” (72)
Insgesamt ist die Quote aber viel besser geworden, nur eine Handvoll Episoden sind wirklich mies geraten, allen voran die murksige „Household Gods“, die komplett vergisst, dass es eigentlich keine Unschuldigen, sondern die mit den schlechten Charakterzügen treffen sollte.
Alles in allem war „Monsters“ so ein sehr zweischneidiges Schwert, aber im Großen und Ganzen recht unterhaltsam, weswegen man sich ruhig die Mühe machen sollte, die eine oder andere Episode via Youtube wiederzuentdecken.