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Manchen Filmen sieht man das Cineasten-Label schon von weitem an. Dies gilt auch für A SINGLE MAN, obwohl dieser nicht unumstritten ist. Aber wer sich auf die langsamen Kamerafahrten, die oft auch minutenlang nur auf das Gesicht des überragenden Colin Firth gerichtet sind, sowie die gedeckten Farben und die zarte Erzählweise von A SINGLE MAN einschwingen kann, wird mit einer Ode an die Sinnlichkeit und Poesie belohnt. Da ist Kino noch so wie in den Ursprüngen, nicht an Effektgewittern orientiert, dem letzten genialen Stunt, dem neuesten Hype oder gar ganzer Heerscharen von sogenannten Stars ausgerichtet. Colin Firth alleine stemmt den Film voller Intensität, Subtilität und einer guten Portion Melancholie und Depression, die bis zum Ende hin stringent durchgehalten wird.

Colin Firth spielt den über seinen Zenit befindlichen britischen Professor George Falconer an einer Uni von Los Angeles der seine Homosexualität geheim hält. Als er eines Tages erfährt, dass sein Lebensgefährte bei einem Autounfall gestorben ist, bricht für ihn eine Welt zusammen und schon bald fasst er Selbstmordgedanken. Da nimmt ein junger Student zu ihm Kontakt auf…Verfilmt wurde der gleichnamige Roman von Christopher Isherwood. Regie führte mit dem bekannten Modedesigner Tom Ford ein Neuling auf diesem Gebiet und dafür ist das Erreichte umso mehr beachtlich. Die 60er Jahre Ausstattung in Bezug auf Kleidung, Autos, Frisuren könnte man stundenlang beschreiben und zu Recht sich in deren Authentizität wälzen.

Dies gilt auch für den Soundtrack, dessen subjektiver Höhepunkt für mich die Tanzszene von Colin Firth mit seiner Freundin Charley (Julianne Moore) zu "Green Onions" von "Booker T. and the MGS" ist. Wem dass nichts sofort sagt, kein Problem, das ist keine Bildungslücke. Diesen Instrumentalsong hat fast jeder Ü40 Mensch im Euro-amerikanischen Sprachraum im Ohr behaupte ich mal. Interessant ist das Detail, dass bei aller generellen Farbzurückhaltung in A SINGLE MAN in einigen Szenen diverse Gegenstände während der Aufnahme kräftigere Farben erhalten haben. So weit zu den äußeren Faktoren.

Colin Firth's Leistung habe ich schon angesprochen. Seine filmischen Höhepunkte nur der letzten Jahre sprechen für sich. Er hat ausgesprochen wenige Dialogszenen zu bewältigen und alleine durch seine minimalistische Mimik schafft er es, seine Zerrissenheit mit der Situation, die zerstörerische Stimmung und die absolute Niedergeschlagenheit über die Leinwand zu transportieren. Die Oscar-Nominierung für A SINGLE MAN war also mehr als gerecht. Auch wenn die Geschichte zugegebenermaßen nicht gerade vor Komplexität platzt, konnte zumindest ich dieses formale Kriterium aufgrund der geboten schauspielerischen Leistung hinten anstellen.

Wirkliche Empathie kommt jedoch für den verstorbenen Freund von George Falconer nicht auf, da wir diesen nur bruchstückhaft in den diversen Rückblenden kennenlernen. Dennoch wird der große Kontrast zwischen dem gepflegten Style an der Oberfläche und der brodelnden seelischen Abgründen gut greifbar. Und die zahlreichen Liebesszenen sind so unprätentiös, voller feinsinniger Beobachtungen, entspannt und voller Spannung zugleich und schnell wird auch wieder klar, wie schön romantische Szenen zwischen Männern sein können, ohne gleich im gewohnten Kitsch- und Klischeesumpf zu ersaufen. Lieber Tom Ford, weiter so, ich möchte weitere Filme von ihnen sehen…

7,5/10 Terriern….äh,….Punkten

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