Review

Eine Schönheit, im Auge des Betrachters

Wenn einer der angesagtesten Modedesigner der Welt sein Regiedebüt gibt, erweckt das natürlich zwei Seiten der Hochglanz-Medaille. Leute, die besonders kritisch unter der schillernden Oberfläche suchen, nicht viel mit Mode anfangen können & schnell Style over Substance schreien. Und Leute (wie mich), die versuchen sich nicht von solchen Vorurteilen ablenken zu lassen, die dem Stil-Genie Tom Ford sogar sehr positiv gegenüberstehen. Die Wahrheit & das Ergebnis mit "A Single Man", liegt wohl wie immer irgendwo dazwischen. Wo sich alle einig sind: der Mann ist nun endgültig ein Multitalent, beweist mal wieder sein unerreicht schickes Auge & der Film ist nicht schlecht. Ich gehe persönlich einen Schritt weiter & kann dieses  ultraschicke Liebesdrama über einen Schwulen in den 60ern, der nach dem Unfalltod seiner großen Liebe den Selbstmord plant, nur loben. Optisch, inhaltlich, schauspielerisch, regietechnisch - alles 1A & Luxus in Filmform. Eben das, wofür der gute Herr steht. Sein nächster Film "Nocturnal Animals" könnte jedenfalls kaum höher auf meiner Must-See-Liste stehen!

"A Single Man" quillt fast über was Mode, Coolness & auch Sexyness betrifft - was man bei DEM Modedesigner zwar erwarten kann, ich jedoch nicht als selbstverständlich sehe. Seinen wegweisenden Style & Vision, hier in die 60s transportiert & der schon immer dieses Jahrzehnt zitierte, muss man erstmal so vom Kopf auf's Zelluloid kriegen. Erst recht als Neuling im Filmbusiness - das lässt diesen Visionär nur noch beeindruckender erscheinen. In wie weit er sich das alles selbst beigebracht hat, Unterstützung hatte oder gar klassisch gelernt hat, weiß ich gar nicht. Das er als selbst schwuler Mann jedoch das nötige Gefühl für diese ungewöhnliche Liebes- & Trauergeschichte hat, beweist er hier ohne Abstriche. Sicher eines der bleibendsten Regiedebüts aller Zeiten, selbst wenn man die günstigen Rahmenbedingungen als Millionär von Welt & Status mal beiseite schiebt. Das Auge freut sich & das Wichtigste: unter der glitzernden Luxus-Prospekt-Hülle, ist Vieles - nur keine Leere, Kälte oder Langeweile.

Neben Fords reifem & geschmackssicheren Stil, hat er anscheinend ein fast genau so guter Händchen bei der Auswahl der Darsteller. Denn nicht nur das Firth, Hoult & Co. perfekt in ihre Rollen passen, sie spielen sich gegenseitig an die Wand & liefern Karriere-Höchstleistungen (bis dato). Allein wie nuanciert & mitfühlenden, gebrochen & gelehrt Colin Firth den Protagonisten gibt, ist sehenswert & trägt den Film. Und um diese Last & diesen emotionalen Kampf der Figur & des kompletten Films zu fühlen, braucht man selbst gar nicht schwul sein. Einfach nur menschlich. Selbst wenn sich diese Substanz unter einer ablenkend schönen Oberfläche versteckt. Der Film ist mehr als nur schwules Kino mit feinsten Bildern & hübschen Menschen - er ist wesentlich tiefgründiger & bleibender als man es von einem Film "aus der oberflächlichsten Branche der Welt" erwarten könnte. Tom Ford, 60s, Colin Firth, große Gefühle mal andersrum - Zutaten für ein einmaliges Erlebnis & einen ganz besonderen, erwachsenen Liebesfilm, der in diesem Subgenre erst dieses Jahr mit "Carol" annähernd erreicht wurde. 

Fazit: für mich eines der zu unrecht untergegangen Meisterwerke der 00er-Jahre - sensibles & umwerfend hübsches Drama über einen schwulen Mann & seinen Weg zurück ins Leben!

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