Kinderfräulein kann man hierzulande nicht mehr werden, - die schimpfen sich heutzutage eher Nanny, Au-pair-Mädchen oder gar Sozialpädagogin und wohnen wohl in äußerst seltenen Fällen dauerhaft im Haus ihres Schützlings. In den USA sieht das, zumindest bei den reichen Säcken ein wenig anders aus, doch genau jene Familien laufen Gefahr, Zentrum eines Raubes zu werden, wie uns vorliegender TV-Film veranschaulichen soll.
Die beliebte Nanny Claudia (Haylie Duff) holt ihren kriminellen Bruder Carter bereits zum dritten Mal per Kaution aus dem Knast, der mit argen Geldnöten in der Zwickmühle eines Dealers steckt. Kurz darauf wird im Haus ihrer Betreuerfamilie eingebrochen und der Großvater angeschossen. Sogleich fällt der Verdacht auf Carter, doch Claudia glaubt an seine Unschuld und versucht derweil, auf eigene Faust den wahren Täter zu ermitteln…
Leider ist der Täterkreis ungemein überschaubar, da wir von einem männlichen Verbrecher ausgehen dürfen, der einerseits das Haus und die Gepflogenheiten der Familie kennen muss und andererseits skrupellos genug ist, um einen Mord billigend in Kauf zu nehmen. Da kommen neben dem vermeintlichen Hauptverdächtigen allenfalls noch Claudias Freund Drew oder eine der wenigen Randfiguren in Frage, was das Ratespiel um den Tunichtgut enorm einschränkt. Es sei denn, die Handlung wartet mit windigen Überraschungen oder cleveren Wendungen auf, was bereits nach zwanzig Minuten völlig auszuschließen ist.
Denn es gibt keine hervorstechenden Merkmale dieses Streifens, der auch ein übersehenes Relikt aus den Achtzigern sein könnte. Die Inszenierung ist bieder und ohne Raffinesse, die Ausstattung aufs Wesentliche beschränkt und auch die Gesichter der Darsteller kommen einem nicht sonderlich bekannt vor, auch wenn man sich bei Hauptdarstellerin Haylie Duff ein wenig an ihre ältere Schwester Hilary erinnert fühlt.
Gleiches gilt für den Storyaufbau, welcher zumindest die wesentlichen Protagonisten ordentlich auf den Punkt skizziert, sich jedoch zu wenig müht, den Betrachter in die Irre zu lenken. Ohne erwähnenswerte Ecken und Kanten forscht zunächst die Polizei, später Claudia an dem Fall herum und gelangt ohne größere Umschweife an die Auflösung, wobei ihr verdammt viele Zufälle in den Schoß gelegt werden. Der Showdown in einer kleinen Fabrikhalle gerät ähnlich unspektakulär wie der Rest der Chose, denn spannende Höhepunkte sucht man auf weiter Flur vergebens.
Konventionell ist dieser TV-Thriller von der Stange in allen Belangen geraten, doch in nur wenigen Aspekten in positiver Hinsicht. Die Story ist durch und durch simpel gestrickt, das Erzähltempo könnte insgesamt deutlich weniger Unterbrechungen aufgrund unnötiger Gefühlsduseleien vertragen und vor allem mangelt es dem Streifen an Pep, Innovationen und Überraschungen. Gänzlich langweilig ist er nicht, doch halbwegs erfahrene Genrefreunde dürften sich spätestens nach der Hälfte der Laufzeit eine anregende Nebenbeschäftigung suchen, beispielsweise bei einer Babysitterin anrufen und fragen: „Haben sie nach den Kindern gesehen?“
4 von 10