Review

Nach zwei überaus erfolgreichen Kollaborationen zwischen dem Regisseur Andrè Hunebelle und dem agilen Star Jean Marais aus der Kategorie „Historienabenteuer“, dauerte es nur ein Jahr, bis ein weiterer Film mit diesem Team entstand.
Aus der Mantel-und-Degen-Zeit wurde das Setting entfernt und einige Jahrhunderte zurück in die Zeit der Rosenkriege im späten 15.Jahrhunderts versetzt.
Hier streitet sich nun also der hinterliste Herzog von Burgund mit dem französischen König Ludwig dem Elften rund um den Thron und die Hand der attraktiven Jeanne de Beauvais, doch mag sich auch das Jahrhundert geändert haben, die Grundstory bleibt die Gleiche wie bei „Le Bossu“ und „Le Capitan“: hier wie da müssen Königstreue eine Verschwörung aufdecken ( hier sind es eigentlich gleich zwei auf einmal) und den richtigen Riecher und den nötigen Mumm in der Rüstung hat natürlich Jean Marais.

Verzichtet hat man diesmal auf den Comedy-Sidekick, den bisher Bourvil gegeben hatte, behielt aber eine Akrobatengruppe als Ergänzung dabei und erweiterte auf eine aus der Not geborene Rebellentruppe, die in der ersten Filmhälfte stark an Robin Hood und seine „merry men“ gemahnt.
Die zweite Hälfte ist dann sowohl Verschwörung à la Dumas pur wie auch (ebenso wie die anderen Filme) eine Neuinszenierung eines klassisch-französischen Stoffs, dem „Wunder der Wölfe“ (der deutsche Titel „Im Zeichen der Lilie“ ist von atemberaubender Belanglosigkeit), während dessen jemand möglichweise durch überirdisches Eingreifen vor dem sicheren Tod gerettet wird.

Leider kommt dieses titelgebende „Wunder“ praktisch erst auf der Schlussgeraden zum Tragen und gibt dem zuvor sehr straighten Abenteuerfilm plötzlich eine religiös-kritische Komponente, wenn Wahrheit und Lüge schließlich von der Kirche einem Gottesgericht überantwortet werden – was dann wieder mal in einer finalen Klopperei zwischen Marais und dem ewigen Bad Boy Guy Delorme mündet, diesmal aber möglichst brachial mit Axt, Morgenstern und Langschwert ausgefochten.

Trotz allem und einer großen Keilerei mit amüsanten Untertönen in der ersten Hälfte ist „Miracle“ leider etwas hüftsteif und vornehmlich aus Komponenten zusammen dramaturgiert, die sich nicht wirklich gut vertragen.
Marais wirkt im Gegensatz zum Film davor plötzlich stärker gealtert, an leichten Seiten mangelt es und Vergnügen bereitet am Ende eher der scharfzüngige Konflikt zwischen König und Herzog – das Wolfswunder wird da eher stiefmütterlich behandelt und wirkt teilweise beeindruckend und teilweise (in der Totalen mit vielen offensichtlichen Schäferhunden) ziemlich putzig.

Auch der Erfolg ließ langsam nach – trotz immer noch über 3 Mio. Besuchern – aber Marais (selbst schon auf die 50 zugehend) setzte mit „Der Graf mit der Eisernen Faust“ noch ein Literaturabenteuer (auf „Die Geheimnisse von Paris“ beruhend) obendrauf.
Für Ritterfans sicher ein solider Schinken, für mich etwas in die Jahre gekommen, ohne dass man sich jetzt über etwas konkret beschweren müsste. (5/10)

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