"Wir sind nicht dazu gemacht um die Welt durch eine Maschine zu erleben."
In nicht allzu ferner Zukunft wandelt sich die Einstellung der Menschheit zum Alltagsleben. Nach der Einführung von Dr. Lionel Canter's (James Cromwell) erfundenen Surrogates, Ersatzmenschen die von ihren Besitzern von zu Hause aus gesteuert werden können, greift fast die gesamte Bevölkerung auf die optisch anpassbaren Roboterkopien zurück. Obwohl sich ein Teil der Menschheit unter der Führung des Propheten (Ving Rhames) gegen die Einführung der Surrogates stellt, folgt eine Zeit, in der Kriminalität annähernd ausgerottet scheint. Dies ändert sich schlagartig als der Surrogate des Sohnes von Dr. Canter angegriffen wird und gleichfalls sein verbundenes Original dabei verstirbt, was bislang als unmöglich galt. Eine Spur führt die FBI-Agenten Greer (Bruce Willis) und seine Kollegin Peters (Radha Mitchell) zu den abgesondert lebenden Menschen, die noch ohne Surrogate ihrem Leben nachgehen. Bei einem Einsatz wird der Surrogate von Greer zerstört. Greer macht sich darauf mangels Ersatz selbst und eigenständig auf die Suche nach dem Mörder von Canter's Sohn. Er erlebt erstmals nach langer Zeit die Welt durch seine eigenen Augen und das Risiko seines Jobs an seiner eigenen Haut.
Regisseur Jonathan Mostow ("Terminator 3 - Rebellion der Maschinen") widersteht der Versuchung, den Schwerpunkt von "Surrogates" auf Actionszenen zu legen, präsentiert stattdessen einen Science-Fiction Thriller mit ansehlichem Setting, der letztlich ohne wirkliche Höhen und Tiefen vor sich hin plätschert.
Die Einführung über das Leben mithilfe eines Surrogates zeigt ein innovatives Handlungsumfeld auf und liefert eine gute Grundlage für den weiteren Filmverlauf. Die gesellschaftlichen Folgen, die die Erfindung von robotischen Ersatzkörpern haben kann, deutet zunächst der im Stil eines halbdokumentarischen Werbefilms gehaltene Vorspann an: Jünger und schöner auszusehen ist kein Problem, und auch Diskriminierungen haben sich angeblich schnell erledigt, wenn man nicht mehr weiß, ob sich hinter der jungen Schönheit nicht womöglich der reale Körper eines älteren Herren verbirgt. Der Versuch einer Kritik an den Entfremdungspotentialen moderner Technologien ist bereits hier absehbar, bleibt jedoch bestenfalls halbherzig formuliert.
Die Handlung konzentriert sich auf den Mordfall und die Auflösung, was sich hinter den Absichten verbirgt. Neben dieser Rahmenhandlung stellt "Surrogates" seine technisch fortgeschrittene Welt glaubwürdig vor, vernachlässigt jedoch dessen Figuren. So geht weder das persönliche Dilemma um Greer's Familienverhältnisse auf, noch funktionieren die plötzlichen Orientierungsschwierigkeiten und Erfahrungen als er seine Ermittlungen ohne seinen Surrogate fortsetzt.
Die wenigen Actionszenen bleiben die einzigen Höhepunkte des sonst sehr oberflächlichen Films, auch wenn hierbei die unspektakuläre Inszenierung dafür sorgt, dass nicht viel hängen bleibt. Dies liegt weniger an den auf hohem Niveau befindlichen Effekten, sondern an den zu abgegriffen präsentierten Verfolgungen und Handgreiflichkeiten.
Auch in diversen Details lässt sich "Surrogates" sehr hängen. So bleiben Fragen über die von der Technik dominierten Welt offen und bringt deren Überzeugungskraft somit ins Wanken. Geschmälert wird der Eindruck zudem durch schlicht aufgelöste Handlungsstränge sowie einem abrupten Ende.
Die strikte Figurenzeichnung lässt die Darsteller nicht sonderlich gut aussehen. Ohne Möglichkeiten zu interagieren präsentieren sich Bruce Willis ("Stirb langsam"-Reihe) und Radha Mitchell ("Silent Hill") zwar souverän aber ohne schauspielerische Höhen. Die kurzen Auftritte von Ving Rhames ("Dawn of the Dead") sowie James Cromwell ("The Green Mile") bremsen auch ihre Möglichkeiten schnell aus.
Das Potenzial von "Surrogates", das immer wieder in einzelnen Szenen hervorblitzt, aber nie genutzt wird, ist sein eigentliches Problem. Sei es Kritik an kapitalistischen Vermarktungsmechanismen oder an den Möglichkeiten des Überwachungsstaates, mehr Komplexität hätte dem Film vor allem deshalb gut getan, weil man mit den Sorgen und Zweifeln einer komplexer denkenden Hauptfigur auch vielschichtiger mitfiebern könnte. So bleibt die Grundlage des Science-Fiction Thrillers ungenutzt. Der Film bietet stattdessen visuell hochwertige, jedoch seltene Actionsequenzen und eine sterotypische Figurenzeichnung, die selbst die Darsteller in ihre Schranken verweist.
5 / 10