Das Loft befindet sich im Dachgeschoss einer modernen Wohnanlage und dient seinen fünf verheirateten Mietern als geheimer Ort für sexuelle Abenteuer mit flüchtigen Bekanntschaften und Prostituierten. Das ungehemmte Vergnügen nimmt jedoch ein jähes Ende, als die Freunde eine ans Bett gefesselte Frauenleiche im Loft vorfinden. Schnell ist allen Beteiligten klar: Nur einer von ihnen kann der Mörder sein, da ansonsten keiner Zugang zum Tatort hatte. Misstrauen macht sich breit und es dauert nicht lange, bis sie sich gegenseitig mit Beschuldigungen attackieren.
Donnerwetter, dickes Kompliment an unsere westlichen Nachbarn, denn mit Loft haben die Belgier einen Thriller vom feinsten hingelegt. Die Story von fünf Männern mittleren Alters die sich plötzlich mit der Tatsache konfrontierten sehen, das in ihrem schönen Fremdgehzimmer eine ziemlich tote Frauenleiche mit Handschellen als Modeaccessoir platzgenommen hat. Fünf Leute, fünf Schlüssel, fünf mögliche Täter, aus dieser relativ simplen Grundprämisse schnitzt Regisseur Erik Van Looy einen 100 minütigen Thrillride, bei dem keine Langweile aufkommt.
Die Geschichte erweist sich nämlich als reichlich doppelbödig, denn letztendlich hat jeder der Jungs so etwas ähnliches wie ein Motiv (oder zumindest einen guten Grund) für die Bluttat. Die Geschichte wird auch auf Nichtlineare Weise dargestellt und wechselt munter zwischen den verschiedenen Zeitebenen, Vorgeschichte, das Geschen im Loft und dem Poilizeiverhör hin und her, allerdings so klasse verarbeitet, das zu keinem Zeitpunkt dabei beim Zuschauer Verwirrung entsteht.
So entsteht nicht nur allein die Spannung aus der Frage wer hier sein Betthäschen abgemurkst hat, auch die Tatsache das man lange gar nicht weiß, wer die Tote ist, erlaubt munter Verdächtigungen in alle Richtungen, da jeder der Männer irgendwie mal mit einer dunkelhaarigen Frau befaßt war (mehr kann man vom Opfer nämlich nicht erkennen). Die Auflösung nimmt sich viel Zeit kommt aber dafür umso überrraschender, denn einer der Jungs spielt nämlich mächtig falsch und als Doppeltwist am Ende sogar noch ein Zweiter. Auch mein anfänglicher Kritikpunkt, das man Männerfreundschaft hin oder her bei einer Leiche doch logischerweise die Polizei holen sollte auch wenn dabei das schöne Schäferstündchenloft vor den Ehefrauen auffliegen würde, wird am Ende schöüssig aufgeklärt, warum die Personen sich entsprechend Verhalten.
Der Ablauf ist insgesamt absolut logisch, auch wenn man den Film eigentlich sogar mehrmals sehen sollte, denn im Nachhinein geht einem erst auf, was manche Szenen im Vorfeld überhaupt zu bedeuten haben und wieviele Fährten die Geschichte dem Zuschauer zum verfolgen und mitraten auf den Weg gibt. Großes Lob ans Drehbuch, da haben Leute mit Sachverstand und Phantasie eine Meisterleistung abgeliefert. Die Darsteller verkörpern sehr gut ihre Charaktere und helfen dabei die vielschichtige Storyline glaubhaft zu verkörpern, auch wenn irgendwo jeder Dreck am Stecken hat, der eine mehr der andere etwas weniger.
Ja sie können mehr als nur Pommes Frittes braten, die Belgier, nach Hercule Poirot schenken sie uns hiermit einen klasse Thriller der nur wenige Kleinigkeiten zum kritisieren hat. Eine dichte Atmosphäre, lebensechte Charaktere und eine spannende Handlung kann in dem Maße weiß Gott nicht jedfer Thriller für sich verbuchen. Klarer Daumen nach oben.
8/10