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Entschlossen betritt Daly (Linda Blair) das Bürogebäude und begibt sich geradewegs zu den Aufzügen, den Rezeptionisten geflissentlich ignorierend. Als dieser darauf besteht, sie müsse sich im Empfangsbuch registrieren, löst sie das Problem auf ihre Weise: Mit einem Kopfschuß! Oben angekommen begibt sie sich zum Büro von Luker (Leon Askin, Kottan ermittelt), und als sie dessen Bodyguard abgewimmelt hat, hält sie dem fetten Typen ihre Waffe vor die Nase und präsentiert ihm das Menü des Tages: Rache. Dann beginnt Daly ausführlich zu erzählen, was sie zu ihm geführt hat und wofür sie sich überhaupt rächen will. Diese tragische Geschichte wird dem Zuschauer mittels einer mehr als einstündigen Rückblende (aber ohne Frau Blair) serviert. Irgendwo im südamerikanischen Dschungel werden weibliche Gefangene von sadistischen Wächtern und ihren locker sitzenden Peitschen dazu motiviert, in einem Fluß nach Smaragden zu suchen. Doch Rettung naht in Form von Laredo (Anthony Steffen, Sartana) und Maria (Cristina Lay), welche die Frauen (u. a. Ajita Wilson (Sadomania - Hölle der Lust), Cintia Lodetti und Maite Nicote) aus dem brutalen Gefangenenlager befreien sollen. Die riskante Aktion gelingt zwar, doch das Entkommen aus der grünen Hölle gestaltet sich als schwierig.

Mitte der 1980er-Jahre bekam Ted Nicolaou (Subspecies) vom Chef der Empire Pictures, dem nunmehrigen Full Moon-Zampano Charles Band, den Auftrag, zwei eingekaufte europäische Filme zusammenzuschneiden und mit einer Rahmenhandlung zu versehen, damit man diesen "neuen" Streifen erst ins Kino und anschließend auf den lukrativen Videomarkt werfen konnte. Das Ergebnis ist Savage Island, ein zusammengeschustertes Flickwerk, das wohl nur beinharte Fans des Exploitationkinos im Allgemeinen und des WIP-Films im Speziellen zufrieden stellen dürfte. Der Hauptteil besteht aus wiederverwerteten Szenen von zwei Machwerken Edoardo Mulargias, nämlich Orinoco - Prigioniere del sesso (Das Foltercamp der Liebeshexen) und Femmine infernali (Liebeshexen vom Rio Cannibale), beide aus dem Jahre 1980. Das neu hinzugefügte Material beläuft sich auf wenige Minuten und wurde an einem Tag abgedreht. Da man mit Linda Blair einen zugkräftigen Namen an Bord hatte sollte es nicht verwundern, daß man diesen zu Werbezwecken auch ungeniert ausschlachtete. Wer aufgrund des irreführenden Poster-Artworks und der "zufälligen" Ähnlichkeit des Titels einen weiteren Linda Blair-Kracher à la Savage Streets erwartet hatte, dürfte am Ende so dumm wie verärgert aus der Wäsche geguckt haben, schließlich schaut besagte Dame nur am Anfang und am Ende kurz vorbei.

Über weite Strecken ist Savage Island ein wenig berauschendes, aufgrund des schlampigen Cut-and-Paste-Jobs ziemlich verwirrendes und zudem recht zurückhaltendes Exploitationdrama, was nicht zuletzt darauf zurückzuführen ist, daß man die expliziteren Spitzen in Bezug auf Sex und Gewalt zugunsten des angestrebten R-Ratings wegließ. Zu sehen gibt es dennoch einiges, wenn auch in sehr bescheidener Bildqualität und grausig schlecht synchronisiert. Da wird eine Frau in einem Tümpel ersäuft, eine andere versackt im Treibsand. Es gibt einen deftigen Catfight zu begaffen, und die obligatorische Duschszene darf natürlich ebenfalls nicht fehlen (der T & A-Faktor ist erfreulich hoch). Eine mit Blutegel bedeckte Frau wird von ihrer Kameradin "erlöst", die sie - ohne eine Sekunde zu zögern - eiskalt wegballert. Eine bis zum Kopf vergrabene Gefangene wird von einem Python gemeuchelt, und in einem waschechten WTF-Moment beißt Ajita Wilson einer ihr vor das Gesicht gehaltenen Schlange den Kopf ab und spuckt ihn aus (die Szene ist vermutlich gefaked, aber nichtsdestotrotz ein Jawdropper). Und beim wilden, bleihaltigen Finale platzen zu guter Letzt effektvoll einige gut gefüllte Blutbeutel. Das alles macht diese schludrige Bastelarbeit, die sich in Hinblick auf den Plot völlig verzettelt und die Kontinuität mit Verachtung straft, zumindest ansehbar. Ob man das Gebotene nun zum Fremdschämen, zum Lachen, zum Ärgern oder zum Haareraufen findet, soll jeder für sich selbst entscheiden.

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