"Danach fällt der letzte Vorhang."
Am 5. März 2009 kündigte Michael Jackson seinen Abschied von der Bühne an. Eine letzte Reihe von Konzerten in London mit dem Titel "This is it" sollte gleichzeitig Comeback und Niedergang des spitz benannten King of Pop sein. Keines der Konzerte fand jemals statt, denn am 25. Juni 2009 verstarb er überaschend.
Während der Proben für das Konzert war ein Kamerateam dabei, um die Vorbereitungszeit dokumentarisch festzuhalten. Diese als DVD-Extra oder für eine TV-Sendung gedachten Aufzeichnungen dienten nun als Ersatz für die entfallene Konzert-Reihe und sollten gleichzeitig den erfolgreichsten Musiker aller Zeiten hinter der Bühne beleuchten.
Die Aufnahmen zeigen einen überraschend vitalen Michael Jackson, der sich akribisch auf die 50 anstehenden Auftritte in der Londoner O2 Arena vorbereitet. Seine Agilität erreicht zwar nicht die der zusätzlich hinzu gezogenen Tänzer, für sein Alter von 50 Jahren ist sie dennoch beeindruckend.
Fokusiert werden Jackson's Perfektionismus und sein Willen, jede noch so kleine Ungereimtheit auszumerzen und seine Show somit zu perfektionieren. Er gibt detaillierte Anweisungen, äußert Wünsche zum Bühnenbild und spricht direkt mit den Tänzern oder Produzenten der zusätzlich im Hintergrund laufenden Musik-Clips.
Dazwischen geschnitten sind immer wieder kurze Interviews mit Musikern, Tänzern und Backgroundsängern, die von der Zusammenarbeit mit Jackson berichten. Mehr als die üblichen, oberflächlichen Danksagungen kommen dabei allerdings nicht heraus.
Man merkt von der ersten Minute an, dass die Aufnahmen zu "This is it“ niemals für eine Kinoproduktion gedacht waren. Neben dem zu bemängelnden Inhalt, der teils durch nicht erklärte Zusammenschnitte von verschiedenen Proben verwirrt, wirken die Bilder selbst unangenehm minderwertig. Dies fällt besonders auf, wenn Bilder aus Proben von Hochglanzbildern aus produzierten Musikvideos unterbrochen werden.
Der Schnitt leidet unter sichtbar undurchdachter Erzählstruktur. Anfangs gehen die verschiedenen Songs nahtlos über, nach etwa einem Drittel des Films jedoch setzen langsame, komplett schwarze Abblenden ein, welche die Dokumentation plötzlich episodenhaft erscheinen lassen.
Die Konzert-Doku beschränkt sich auf die Songs an sich. Wer gehofft hat ein paar persönliche Eindrücke über den Künstler zu erhaschen, wird enttäuscht. Die Kamera drückt den King of Pop zwar maßlos in den Vordergrund, teilt aber nicht Jackson's Gedankengänge mit. Seine gen Ende gehaltene Ansprache an seine Mitstreiter enthält zwar Jackson's übliche Aussage, sich mehr für die Natur einzusetzen, diese verpufft aber ähnlich, wie manch übermäßiger Kitsch in den für die Konzerte produzierten Musik-Clips.
Neben einigen beeindruckenden Tanzproben punktet "This is it“ bestenfalls durch Jackson's zeitlose Songs. Die Höhepunkte bilden Smooth Criminal, Earth Song, Thriller sowie They don't care about us. Für diese wurden die aufwendig produzierten Musik-Clips zur Hintergrundanimation integriert.
Besonders erwähnenswert sind die Clips zu Smooth Criminal sowie Thriller. In ersterem wurde Jackson in den schwarz-weiß Klassiker "Gilda" anstelle von Glenn Ford eingefügt. Thriller weiß mit der obligatorisch opulenten Kostümierung von Untoten und Schreckgestalten zu begeistern. Dagegen erweist sich der Clip zum Earth Song, in dem sich ein Mädchen prinzessinenhaft für die Natur einsetzt, als purer Kitsch.
Etwas verloren erscheint der titelgleiche, neue Song This is it, der erst zum Abspann unspektakukär über die Leinwand flimmert.
"This is it“ kann einzig musikalisch überzeugen. Neben wenigen kraftlosen Passagen wirkt der King of Pop recht fit und trägt seine Songs auch während der Probe ordentlich vor. Als Ersatz für eine ganze Konzert-Reihe ist der Film allerdings ein Wermutstropfen, denn nur schemenhaft ist zu erkennen, wie die Konzerte schlussendlich ausgesehen hätten. Gerade Zuschauer, welche die Persönlichkeit selbst gerne näher kennengelernt hätten, dürften enttäuscht sein, denn trotz der Nähe der Kamera ist "This is it" äußerst unpersönlich geraten.
4 / 10