Review

Mal eine neue Variante des Vampirfilms dämmert mit „Die Weisheit der Krokodile“ heran: Jude Law ist hier der Beißer, der sich zwar von Blut ernährt, allerdings weniger vom Stoff selbst, als vielmehr von den positiven Emotionen (also Liebe für ihn) die er transportiert.

Die Inszenierung konzentriert sich dabei weniger auf den Faktor Unterhaltung, sondern mehr auf die moralischen Implikationen, den Bezug zur Realität. Steven, dargestellt von Jude Law, ist ein isolierter Einzelgänger, ein Schmarotzer, der sich die Verzweiflung anderer zu eigen macht, um später davon zu profitieren.
In dieser Hinsicht pervertiert er die Gefühle der Frauen, die er später, meistens erst im Zustand quälender Not, da sein Körper auseinanderzufallen droht, in seinem Bett durch einen Biß tötet. In dieses klinische System bricht sein nächstes Opfer ein: Anna ist zwar nicht selbstmordgefährdet, doch ausgerechnet bei ihr verfängt sich der Parasit im eigenen Netz, denn Steven entwickelt echte Gefühle und zögert den Fangbiß solange heraus, bis es fast zu spät ist.

Bei den modernen Vampiren ist es Essig mit den romantischen Vorstellungen, da läßt sich der Blutsauger nicht mehr edel pfählen oder die Dame seines Herzens gibt sich ihm umgarnt hin und bietet den Hals dar, stattdessen bleibt sie an seiner Seite unter der stillen Voraussetzung, nicht gemeuchelt zu werden.
Am Ende kommt dann doch noch ein Pfahl zum Einsatz, in Form eines durch die Hand gebohrten Stiftes – die Opferbereitschaft überwindet schließlich den Drang: besser in Gemeinschaft dem Ende entgegensiechen als ewig allein zu leben.

Leider kommt der Film recht dialoglastig daher (u.a..bestreitet der ermittelnde Polizist in Gestalt von Timothy Spall einen Großteil der Laufzeit), tritt aber dramaturgisch auf der Stelle und die behördliche Verfolgung Stevens als potentieller Mörder wird dann auch simpel aus der Handlung geschrieben, als der Kern der Sache offenbar wird.
Die Inszenierung ist kühl und stilisiert und ergeht sich nicht nur in Gut-Böse-Schemata (Steven ist ein erfolgreicher Arzt und tut viel Gutes), doch viel Geduld benötigt der Zuschauer schon, um die oft schweigenden oder wortkargen Charaktere zu ergründen. Wer sich drauf einläßt, wird aber mit einem nachdenklichen Werk entlohnt. (6/10)

Details
Ähnliche Filme