Die “Causa Charles Manson“ bewegt auch Jahrzehnte nach der Ermordung von Sharon Tate (der damaligen Ehefrau des Regisseurs und Schauspielers Roman Polanski) - sowie vier weiterer Menschen - noch immer die Gemüter.
Charles Manson: einer der Schlagbegriffe zur Umschreibung eines “radikalen Psychopathen“, “intellektuellen Verführers“ und “diabolischen Heilsbringers“.
Allerdings hat der - zu lebenslanger Haft verurteilte - Anführer der so genanten “Manson Family“ (= einer ursprünglichen Hippie-Kommune in Südkalifornien, welche sich immer mehr radikalisierte) bis heute nichts von seiner “Faszination des Bösen“ verloren...
Anders sei es auch nicht zu erklären, dass der junge kanadische Regisseur Reginald Harkema (u.a. “Monkey Warfare“) diesen Film hier auf die Beine stellte. Basierend auf seinem eigenen Drehbuch, versucht Harkema allerdings mitnichten die Geschehnisse der damaligen Zeit neu aufzurollen oder (geschweige denn) eine Biografie über Charles Manson zu erstellen. Nein, nein... Denn Regisseur und Autor Harkema geht hier einen GANZ ANDEREN Weg!
So steht in “Manson Girl“ mitnichten Sektenführer Charles Manson im Fokus des geschehenes, sondern das Manson Girl “Leslie“. Sowie deren Entwicklung vom einst beliebten Cheerleader Mädchen hin zur hörigen Mörderin im Namen Mansons... Entsprechend nehmen (unter anderem) auch die Passagen im Gerichtssaal einen größeren Handlungsrahmen dieser (extrem bissigen und schwarzhumorigen) Satire ein.
Regisseur Harkema interessiert sich hierbei jedoch weniger um eine authentische Faktenlage der damaligen Ereignisse, als vielmehr um eine Kollision unterschiedlicher Welt- & Werteansichten. Und gerade daraus zieht “Manson Girl“ (= welcher im Originaltitel übrigens “Leslie, My Name is Evil“ lautet) seine bitterböse Faszination: warum bitte sollen die an der Tat beteiligten Mitglieder der Manson-Sekte zum Tode verurteilt werden, während zu gleicher Zeit ein Präsident Nixon fleißig zu weiteren Rekrutierungen für den Vietnamkrieg warb und dafür (gerade in fundamentalistisch geprägten Kreisen) als “Volksheld“ und “wahrer Amerikaner“ gefeiert wurde?
...und gerade aus dieser (vermeidlichen) Diskrepanz zieht “Manson Girl“ seine intelligente und “beißende“ Faszination: welche Art von Morden ist “legitim“ und welche nicht? Welche Art von Fanatismus, Hörigkeit und Fundamentalismus ist “legitim“ und welche nicht? Warum steht Gott den “tapferen Soldaten in Vietnam“ zur Seite und den Angeklagten im Gerichtsaal aber nicht? Wer hat das Recht dies alles zu “bestimmen“ und zu “legitimieren“?
Und exakt diese faszinierenden Widersprüchlichkeiten konnte Reginald Harkema in “Manson Girl“ wirklich großartig und glaubhaft in Szene setzen... Und gerade das (wirklich entlarvende) Schlussbild des Filmes, lässt einem als Zuschauer wirklich ein bitterböses Lächeln zurück...
Ein Bild, mit der Wucht einer Gewehrsalve aus nächster Nähe, welches man so sicherlich niemals wieder vergessen wird...
Fazit:
Ich vergebe 8,5 von 10 Helter Skelter - Punkten für dieses intelligente Kaleidoskop aus Bigotterie und menschlichen Abgründen.
That´s it, Baby!