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Columbus (Jesse Eisenberg) ist eine Mischung aus Paranoiker, Loser und Stubenhocker, die nur schwer zu überbieten ist. Wie jeden Abend beschäftigt er sich in seiner kleinen Wohnung mit Computerspielen und träumt heimlich von der sexy Nachbarin, die ihn sonst keines Blickes würdigt. Bis zu diesem Abend, an dem es plötzlich an der Haustür klopft. Entgegen seiner üblichen Vorsicht, lässt er die hilfesuchende Person ein, da es sich überraschenderweise um die begehrte Nachbarin handelt, die sich auch sogleich auf dem Sofa an ihn kuschelt. Leider ist das Rendezvous nur von kurzer Dauer, denn als sie plötzlich die Zähne fletscht und ihn zum Fressen gern hat, kommt wieder sein angeborener Fluchtinstinkt zum Vorschein.

Columbus erzählt diese nur wenige Wochen zurückliegende Episode zu einem Zeitpunkt, an dem der Planet Erde nur noch über sehr wenige Menschen verfügt, die der Virus noch nicht zu Zombies verwandelt hat. Es fällt schwer, sich ausgerechnet Columbus als Überlebenden dieser Katastrophe vorzustellen, aber der Mann hat klare Regeln, die er dem Betrachter mit eingeblendeten Texttafeln dezidiert vorführt. Gleich zu Beginn macht "Zombieland" damit Eines deutlich - auch wenn das Szenario an "24 Stunden später" und ähnliche Zombiereisser erinnert, ernst nimmt es sich keinen Moment. Die mit blutunterlaufenen Gesichtern herumlaufenden "Untoten" lauern zwar überall und greifen entsprechend an, aber wirklich gefährlich werden sie den Protagonisten nie.

Das liegt vor allem an Tallahassee (Woody Harrelson), einem durchgedrehten Redneck, der sich nichts Schöneres vorstellen kann, als Zombies niederzumetzeln. Ausgerechnet diese zwei völlig gegensätzlichen Freaks tun sich zusammen und versuchen noch einen sicheren Ort auf dem Planeten zu finden. Getreu dem Motto, dass nur die Umwelt verrückt und abgefahren genug sein muss, um zwei solche Typen normal zu finden, entwickelt sich in "Zombieland" ein Buddy - Movie mit den gewohnten Wellenbewegungen zwischen Ablehnung und Anziehung, bis man es zu einer Vertrauensbasis gebracht hat. Da darf natürlich auch die weibliche Begleitung nicht fehlen, die den Beiden in Form von Wichita (Emma Stone) und ihrer kleinen Schwester Little Rock (Abigail Breslin) begegnet und die sich als intellektuell deutlich überlegen erweist.

"Zombieland" verbindet mehrere Genres, ohne im Detail etwas Neues zu erfinden. In ihren Einzelteilen bleiben Horrorfilm, Buddy-Movie und Teenagerkomödie deshalb vorhersehbar, aber durch das ungewöhnliche Konglomerat entwickelt der Film ein höchst vergnügliches Eigenleben. Wenn der von Harrelson mit Überzeugungskraft gespielte Waffen geile Hinterwäldler von den "kleinen Momenten" redet, die man geniessen sollte, dann bekommen seine Worte eine philosophische Kraft, und wenn Columbus seine Nerd - Regeln auch im Anblick mordgieriger Horden durchhält, vermittelt das mutige Konsequenz. Dazu passt auch, dass ausgerechnet Bill Murray, den die Vier zufällig in seinem Haus in Hollywood antreffen, als sie es sich dort gemütlich machen wollen, nicht zum Zombie wurde. So bleibt er seiner Rolle als Sonderling treu, der sich nach Außen hin eine der Umgebung angepasste Fassade leistet - hier konsequenterweise als aufgemaltes Zombiegesicht.

Natürlich fehlt "Zombieland" jede Schwere und der Film bleibt trotz aller Ironie und sarkastischen Gags ohne ernsthaften Hintergrund. Vielleicht liegt darin das eigentliche Vergnügen, dass hier von den letzten Überlebenden einer bakteriellen Katastrophe erzählt wird, ohne daraus gleich ein Problem zu machen. Okay, ständig wird man von verfressenen Zeitgenossen belästigt, die Süssigkeiten gehen auch zur Neige und besonders viele Exemplare an begehrenswerten Partnern sind auch nicht mehr übrig, aber "who care's" ? - "Geniesse die kleinen Momente des Lebens!" - Warum nicht einfach diesen Film ? (7,5/10).

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