Review

War Terminator 1984 ein kleinkalibriger, aber wegweisender Einschlag, so wurde Terminator 2 - Tag der Abrechnung sieben Jahre später zur ultimativen Detonation. Ein Film von derartiger Wucht, dass man ihn sich wohl in stoßgedämpften Sesseln ansehen müsste, um nicht über die volle Laufzeit von ihm an die Wand gedrückt zu werden. Atmosphärisch absolut luftundurchlässig, Darsteller in Bestform, eine Story, die den Vorgänger perfekt einbindet und weiterdenkt, statt daran angeklatscht zu wirken, eine brachiale Soundkuliss und nicht zuletzt Tricktechnik, die die damalige Messlatte kilometerweit in die Höhe pushte - Terminator 2 ist nicht nur dem ersten Teil weit überlegen, mehr noch, er war und ist der unangefochtene Superior des gesamten Genres.
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Die Handlung könnte man auf den ersten Blick glatt für eine Kopie des Erstlings halten: eine hochentwickelte Killermaschine, der T-1000, wird vom Computersystem Skynet in die Vergangenheit geschickt, um den späteren Anführer des menschlichen Widerstandes in seinen Kindertagen zu eliminieren. Wieder gelingt es der Résistance einen Beschützer folgen zu lassen, diesmal einen umprogrammierten T-800, der gemeinsam mit dem zehnjährigen John Connor und dessen Mutter Sarah den aussichtslosen Kampf gegen den überlegenen Flüssigmetallcyborg aufnimmt und nebenbei versucht, den Judgement Day, an dem drei Milliarden Menschen ihr Leben verlieren werden, zu verhindern.
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Als erster Film, der über 100 Millionen kostete, machte James Cameron aus dieser ähnlichen Ausgangslage jedoch keinen stumpfen Abklatsch des Erfolgsrezeptes, sondern erweiterte es auf wahrhaft episches Maß. Terminator 2 verzahnt sich dennoch anstandslos in den vom Vorgänger geschaffenen Motiven und das Doppel erschafft eine stylistische Homogenität, wie sie Original und Sequel nur selten erreichen. Gleichwohl trumpft Cameron mit einer kraftvollen erzählerischen Vertiefung auf, in der die Ereignisse von 1984 (der erste Terminator will Sarah Connor töten, Widerstandskämpfer Kyle schwängert Sarah und macht John Connors Geburt überhaupt erst möglich) geschickt weitergesponnen werden und die Überreste der von Sarah schließlich in einer Stahlpresse zerquetschten Tötungsmaschine der entscheidene Anstoß zur Entwicklung des Skynet sind. Somit bedingen sämtliche Ereignisse einander, was einer weiterreichenden logistischen Analyse vermutlich nicht vollends standhalten würde, aber ein faszinierender Gedankengang ist. Dieser fügt sich vor allem blendend in den Kontext des Credos „Das Schicksal ist nicht vorherbestimmt. Jeder ist seines eigenen Schicksals Schmied" ein, allerdings als kontrastierendes Element. Nur die Begebenheiten des ersten Teils konnten überhaupt zur Schöpfung Skynets und Connors führen, während das auslösende Motiv die bevorstehende, beziehungsweise geplante Vernichtung des jeweils anderen darstellt. So verwirrend, wie brilliant.
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Doch nicht nur hier gelingt Terminator 2 die bestmögliche Kontinuität, es gelingt auch in der Entwicklung der Charaktere. Das filmdramaturgisch Offensichtlichste, was die Geschichte zu bieten haben musste: einen noch mächtigeren Schurken, der Schwarzeneggers T-800 gerecht werden musste. Zwar glänzte der Österreicher zuvor naturgemäß nicht schauspielerisch, aber mit unnachahmlicher Ausstrahlung und körperlicher Präsenz. Der T-1000 nun, der dank seiner mimetischen Polylegierung in der Lage ist, jede berührte Person zu immitieren, brachte es aus zwei Gründen zu einem mehr als würdigen Nachfolger. Zum einen stellte die Figur einen tricktechnischen Quantensprung dar, die einzigartigen Morphing-Effekte ließen ihn Form und Gestalt wechseln und machten ihn zur Sensation des gesamten Kinojahres. Zum anderen fand man mit Robert Patrick einen Darsteller, der zwar gegen Schwarzenegger schmächtig wirkt, den T-1000 aber mit einer nicht minder tödlichen Geschmeidigkeit ausstattet und als Bösewicht einfach eine geradezu übernatürliche Ausstahlung und Charisma auspackt. Dadurch, dass der T1000 ein weiter entwickeltes Modell ist und auch Mimiken perfekt nachzuahmen weiß, kann Patrick natürlich auch mit seinem Gesicht wesentlich mehr anstellen und wirkt besonders bedrohlich, wenn es sich augenscheinlich freundlich und angepasst gibt. Patrick liefert schlicht einen der besten Antagonisten der Filmgeschichte.
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Im Gegensatz zum ersten Teil macht auch Arnold Schwarzeneggers stoischer, veralteter T-800 so etwas wie eine Entwicklung durch. Sein Lernprozessor wird aktiviert, so dass der Cyborg menschliche Verhaltensweisen aufnehmen, interpretieren und umsetzen kann. Dieser Kniff fordert Schwarzenegger einige darstellerische Nuancen mehr ab, die allerdings im Rahmen seiner Möglichkeiten bleiben und, zum Glück, nie darüber hinwegtäuschen, dass man es mit einer Maschine zu tun hat. Er wird nie zu sehr und nicht ins Unglaubwürdige vermenschlicht, aber greifbar genug, um der Story einen ihrer genialsten Einfälle abzunehmen. John Connors Beschützer wird für den Jungen mit der Zeit zu einer Vaterfigur, die einem allein gelassenen Kind ein nie kennengelernter und beinahe fürsorglich zu nennender Beistand ist und dabei doch durch seine Existenz beweist, welch grauenhaftem Schicksal die Welt und welch untragbar scheinender Verantwortung John selbst entgegengeht. Die Bindung zwischen Kind und Maschine funktioniert außerordentlich gut, wirkt nie erzwungen, sondern tragisch nachvollziehbar und eröffnet dem Film eine ähnliche, wenn auch anders gelagerte Subtextstärke, wie sie der Vorgänger besaß. Zu verdanken ist das Gelingen natürlich auch Edward Furlong, der John Connor zwischen frechem Rebell und im Innern zerrissenem, nach Halt suchenden Jungen spielt, der bereits im Laufe der Story wie natürlich und voll überzeugend in die Führungsrolle wächst, die ihn später im Krieg gegen die Maschinen auszeichnen wird. Man nimmt Furlong ab, dass er eines Tages dieser Anführer sein wird.
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Linda Hamilton, zu Beginn noch Insassin einer Irrenanstalt, fügt dem Film eine weitere kraftvolle Komponente hinzu. Tatsächlich steht sie den beiden Terminatoren in Sachen Härte und Entschlossenheit kaum mehr nach, scheint beinahe ebenso gefühllos und zielfixiert und findet, an der Klippe zum Wahnsinn stehend, gerade noch rechtzeitig den Weg zurück zu ihrer Menschlichkeit, als sie die Waffe auf einen unschuldigen Familienvater richtet, der in einigen Jahren Skynet entwickeln wird und damit unabsichtlich den Weltuntergang einleitet. Hamiltons Entwicklung aus dem ersten Teil wird konsequent fortgeführt und die damals 35jährige liefert eine glänzende Performance.
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Actionszenen, die alles dagewesene unter sich begraben, eine ausgetüftelte, erstklassig weiterentwicklte Story, Darsteller, die sich in ihren überlebensgroßen Rollen bestens zurecht finden - Terminator 2 ist ein Sequel, wie man es besser nicht realisiseren kann. Vom Ton her zwar etwas freundlicher und zugänglicher als der Erstling, dabei aber immer noch düster und intelligent, ohne auf einen gewissen selbstironischen Blick auf das eigene Establishment zu verzichten. Im filmisch Allgemeinen geht es kaum besser, im spezifizierten Sci-Fi-Action-Kino bleibt dieses Meisterwerk wohl ewig unerreicht.
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