Marlon Brando war seinerzeit ja mal Kassenmagnet, wenn auch ein schwieriger Darsteller und was er sich bei „The Night of the following Day“ geleistet hat, dürfte wohl auch nicht als nett zu bezeichnen sein, weil ihn der Regisseur dermaßen wegen Unfähigkeit nervte, dass Kollege Richard Boone hier die letzten Szenen abdrehte. Ob ein anderer Regisseur jedoch diesen Film hätte retten können, bleibt fraglich, denn Hubert Cornfields Entführungsthriller, bei dem sich die Kidnapper trotz perfektem Plan am Ende aufgrund ihrer Fehler und Ängste selbst ausschalten, funktioniert überhaupt nicht.
Da wäre zunächst Brando selbst, der hier mal wieder (oder letztmalig…?) in körperlicher Topform daherkommt, ein blonder Hüne in schwarzen hautengen Sachen, düster und schweigsam. Leider spielt der Maestro, als wäre er in einem anderen Film, nämlich schön angenehm an allen anderen vorbei.
Der Böse im Team jedoch ist Richard Boone, das Mastermind und die klassische Antipode zu Brandos zurückhaltendem unterkühlten Spiel. Sadistisch veranlagt wirkt Boones Figur zeitweise wirklich böse, aber passen wollen die beiden Charaktere nie zueinander.
Dazwischen mäandert Rita Morenos koksende Stewardess im besten 60’s-Look und guckt sich die Augen in die Kamera aus.
Wie überhaupt lange, tiefe, starrende Blicke wohl Tiefe in den Figuren suggerieren sollen, das Drehbuch sie aber ihre angeblichen Probleme nur rudimentär schildern lässt.
Dazwischen hängt Kinderstar Pamela Franklin („The Innocents“, „The Legend of Hell House“) als Entführungsopfer, die nicht mehr tun darf, als in jeder Szene hysterisch zu heulen.
Der Entführungsplan an sich ist ganz interessant, aber taucht in der Handlung viel zu selten auf, weil diverse halbgare Unterhaltungen mit einem Polizisten, einem Wirt oder einem Taxifahrer wichtiger zu sein scheinen.
Anstatt, dass die Emotionen hochkochen bis zum gewalttätigen Eklat, wird der Eindruck eher immer unterkühlter, bis totale Monotonie in Langeweile übergeht. Der Realismus-Appeal, dabei auch noch nur mit Versatzstücken eines Soundtracks zu arbeiten (hin und wieder ist eine kurze Jazznummer zu hören), untergräbt jeden Spannungsaufbau dann auch weiterhin perfekt.
Das führt zu einem statischen, trägen Rhythmus und die langen Einstellungen sehen zwar manchmal recht gut aus, wird das Tempo endlos verschleppt.
Am Ende gerät die Situation auch nicht im Affekt außer Kontrolle, sondern ein Mitglied der Gruppe ermordet die anderen mit Kalkül – leider sind auch diese Szenen ohne Finesse.
Ein leichtes berüchtigtes Raunen provozierte wohl der fertige Film mit den letzten Szenen, die, man glaubt es kaum, das ganze Geschehen auf einen Traum des entführten Mädchens reduzieren, nicht ohne noch eine dolle Pointe nachzuschieben, die aber auch nichts mehr rettet. Alles wirkt, als wäre niemandem eine bessere Lösung eingefallen.
Ein paar Trostpunkte für zeitweise ordentliche Darsteller und den britischen Look (der Film wirkt überhaupt nicht amerikanisch) der 60er, der sehr rau und kantig rüberkommt.
Aber mehr als 4/10 sind nicht drin.