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Am Abend des folgenden Tages ist ein US-amerikanischer Spielfilm von 1968, bei dem Hubert Cornfield Regie geführt hat. Die Hauptrollen spielten Marlon Brando und Richard Boone. Der Film beginnt mit der Entführung einer jungen Amerikanerin die aus reichem Elternhaus stammt .Gerade als sie mit dem Flugzeug in Paris  angekommen ist, empfängt sie der als Chauffeur getarnte Bud (Marlon Brando) um sie in einer prächtigen Limousine scheinbar zu ihrem Ziel zu bringen. Doch der ganze Ausflug entpuppt sich ziemlich schnell als brutales Kidnapping, denn schon nach wenigen Minuten gesellt sich Leer (Richard Boone) , ein eiskalter, psychotischer Killer zu ihnen, um der Kleinen unmissverständlich zu zeigen, was von ihr verlangt wird. Zunächst mimt Leer jedoch den Einfühlsamen und behauptet, das ihr niemand auch nur das kleinste Haar krümmen wird , wenn ihr Vater den Lösegeldforderungen nachkommt. Sie kommen bald in einem kleinen abgelegenen französischen Küstendorf  an und richten sich in einem recht komfortablen Anwesen ein.
Inzwischen sind auch Buds kokainsüchtige Freundin (Rita Moreno) und ihr Bruder eingetroffen, die ebenfalls beide eingeweiht sind. Die Situation in dem Haus wird zusehends angespannter, da Leer immer unberechenbarer wird und auch vor Gewalt nicht zurückschreckt ,wodurch er mit Bud in Konflikt kommt. Das ist aber nicht Buds einziges Problem, seine Freundin macht ihm hysterische Eifersuchtsszenen und leugnet ihre Kokainsucht ,der Bruder verkennt die Gesamtsituation und verharmlost alles, weil er endlich zu Geld kommen will, zudem taucht auch noch ein neugieriger Provinzpolizist auf , der unangenehme Fragen stellt , so ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Dinge eskalieren und das Verhängnis seinen Lauf nimmt.  

Die letzte Einstellung  von Am Abend des folgenden Tages ist ein Stop-Motion Bild von Marlon Brando. Er lächelt wieder so eigentümlich wie in der letzten Szene von „The Wild One“, dem Film , welcher ihn über Nacht berühmt gemacht hat. Dies ist wahrscheinlich auch nicht zufällig entstanden „Am Abend des folgenden Tages“ scheint die Wiederauferstehung von Brando‘s früherem Image zu sein, welches zwischen Tough Guy und weltverlorenem sensiblen Rebellentum ständig hin und hergependelt ist.
Auch in diesem Film glänzt Brando mit seinem alles überragenden Charisma und seine schauspielerische Leistung ist wie immer  hevorragend einzigartig. Dabei zählt Am Abend des folgenden Tages zu den hierzulande selten gezeigten Filmen, der wahrscheinlich nur noch über Pay-Tv irgendwann im Nachtprogramm ausgestrahlt wird.
Dies zu Unrecht, denn der Film erinnert in seiner fatalistischen Auswegslosigkeit , in seinem Spannungsaufbau, ja sogar in seiner kühlen Bildkomposition an die Filme Jean Pierre-Melvilles und lässt sich dadurch eher in die Tradition europäischer Filmkunst einreihen, als in die Action geladenen US- Crime Movies  der Endsechziger und Siebziger Jahre.

Unterstützend tritt natürlich dazu, das sich die gesamte Handlung in Europa abspielt und zwar hauptsächlich in einem abgelegenen Niemandsdorf an der rauen französischen Atlantikküste. Die Protaginsten leben in dem Spannungsfeld ständigen Unheils und man ahnt schon zu Beginn, das es kein gutes Ende geben wird.
Wie an unsichtbaren Fäden gezogen bewegen sie sich durch diese raue regenverhangene Küstenlandschaft ihrem Verhängnis entgegen, so als ob ihr Schicksal schon seit langem besiegelt wäre. Die Schauspieler neben Brando sind erstklassig besetzt und vor allen Richard Boone als zynisch-brutaler Widerling korreliert hervorragend mit Brandos sensibler, aber keineswegs unterwürfiger Männlichkeit. So ist auch der Showdown zwischen den beiden der herrliche Kulminationspunkt in einem perfekt gestalteten Gangsterdrama, das in allen Belangen überzeugen kann und mit zum Besten gehört was in diesem Genre zu dieser Zeit gedreht worden ist.

Fazit

Ein weit unterbewerteter und zu Unrecht vergessener Marlon Brando Klassiker , der viele der heutigen Filme dieses Genres in den Schatten stellt und in jede gut sortierte Sammlung gehört ! 9 von 10 Punkten

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