Lange bevor er Filme wie "Timecop" oder "End of Days" schuf, drehte Peter Hyams einen kleinen Actionfilm namens "Spur der Gewalt", ein reißerischer Titel, der aber vollkommen ungerechtfertigt ist.
Denn der Film ist sehr actionarm, außer ein paar Verfolgungsjagden und einer Schießerei in einem Kaufhaus gibt es keine Shoot-Outs und auch so gut wie keine Toten. Wie eigentlich auch, bei dieser Story. Detective Michael Keneely und Detective Patrick Farrel arbeiten bei der Sittenpolizei und ihre Arbeitstage bestehen aus simplen Besuchen in unsittigen Lokalen oder bei Prostituierten, die sie dann festnehmen. Hier schon die erste Schwäche. Die verschiedenen Aufträge werden sehr episodenhaft vorgetragen, es entsteht kein richtiger Fluss, ein Auftrag wird an den anderen gereiht, man kann sich mit den Hauptfiguren nicht richtig identifizieren, da man über sie überhaupt nicht Bescheid weiß. Ob sie Familien haben oder verheiratet sind oder andere Sachen aus ihrem Privatleben. Man sieht sie nur bei der Arbeit, was ja auch noch ganz gut und recht wäre, aber das wollen sie dann mit einer so übertriebenen Coolness tun, die manchmal ganz witzig, aber nach einer Zeit richtig nervend ist. Hin und wieder gibt’s den lustigen Spruch und wenn sich Keneely seine Wollmütze aufsetzt, gibt’s auch immer wieder was zum Schmunzeln, mehr aber auch nicht. Das Alles macht den Film nicht schlecht, aber es fördert ihn auch nicht.
Bei einer Lauflänge von nur 88 Minuten gibt es dennoch die ein oder andere Szene zum Gähnen, denn nach einer gewissen Zeit wiederholt sich Alles im Arbeitsleben der Detectives. Das mag ja in echt auch so sein, für den Film ist das aber nicht von Vorteil, wenn die Beiden zum wiederholten Male eine Bar betreten und den Besitzer nach seiner Lizenz zu fragen. Zudem sind die vielen Schauplatzwechsel wirklich völlig fehl am Platz, es gibt so viele Szenen in "Spur der Gewalt", weil so viel geschnitten wird, dass es nervt. Teilweise gibt es völlig belanglose Szenen mit einer Länge von 5 Sekunden oder weniger zu sehen und dann noch eine und dann noch eine und dann sind die Detectives mal ganz kurz hier, um dann 10 Sekunden später wieder woanders zu sein. Vor allem macht sich das bemerkbar, wenn die beiden Cops zum Dienst auf den Toiletten berufen werden, wenn die Szenen andauernd zwischen der Toilette und anderen Auftragsorten wechseln, das mindert die Qualität. Da offenbart das Drehbuch große Schwächen, genauso wie bei den Dialogen. Denn die sind sehr oberflächlich, stets sieht man nur die coolen Detectives, sie reden nie über sich selbst oder, wie bereits erwähnt, ihr Privatleben, ein Spruch jagt den anderen. Und ich habe teilweise schon das Gefühl, dass "Spur der Gewalt" dann doch wieder Ernst sein möchte, nur hin und wieder mal einem Witz Platz geben möchte, aber nicht in diesem großen Rahmen. Der Film wird so teilweise echt zur Actionkomödie, keine Atmosphäre ist vorhanden und Spannung auch nur in der einen Kaufhausszene.
Das Wichtigste an einem Actionfilm, der Showdown, ist auch völlig missraten. Bis die beiden Cops letztendlich im Krankenhaus auf die Idee kommen, dass Rizzo, ihr Erzfeind sozusagen, nun wirklich schon zu viele Blumen bekommen hat, da hat das sogar der dümmste Zuschauer kapiert. Da wollte man anscheinend den Film noch unnötig in die Länge dehnen. Und die anschließende Verfolgungsjagd mit den Krankenwagen hat zwar eine tolle Kameraführung aufzuweisen, aber spannend oder sonst was ist das auch nicht. Apropos Kamera, da hat man gute Arbeit geleistet, flüssige und schnelle Fahrten, so wie es sich für einen Actionfilm gehört. Zwar nicht so (zum Glück) wie bei heutigen Filmen wie "The Fast and the Furious" und Konsorten, sondern in einem gut begrenztem Rahmen.
Die Qualität ist zweifelsohne da, doch die Schwäche des Drehbuchs konnte einfach nicht kompensiert werden, da helfen auch keine gute Kameraarbeit oder der ein oder andere lustige und ironische Kommentar der beiden Detectives darüber hinweg. Zum einmaligen Ansehen sicherlich nicht ungeeignet, man wird nicht blind dabei und bereuen wird man es auch nicht, ein Muss besteht natürlich auch nicht. Für Genrefans auf jeden Fall sollte das 1 1/2 Stunden gute Unterhaltung sein. 6/10 Punkte