Eigentlich wollte ich keine Kritik schreiben... aber nun hat mich doch eine andere Kritik dazu veranlasst meinen Senf dazuzugeben.
Wer (wenigstens einige von) Shin'ya Tsukamotos Filme(n) kennt, hat in der Regel eine entsprechende Erwartung bei der Sichtung. Mindestens erwartet man, einen ungewöhnlichen, bisweilen skurrilen Film zu sehen und wird seltenst enttäuscht. Natürlich ist diese Art von Experimantalfilm (so will ich sie mal einfach alle pauschal nennen, selbstredend ohne es negativ zu meinen und auch ohne durchgehend treffend zu sein, das ist mir klar) einem bestimmten Publikum vorbehalten, andere Leute können damit sicher rein gar nichts anfangen - so entstehen dann vermutlich auch vernichtende Kommentare...
So viel zur Pauschalverteidigung dieses Filmes (und aller anderen von Tsukamoto nach Bedarf). Hat man nun herausgelesen, dass ich offenbar ein Fan Tsukamotos bin, ist jetzt der rechte Moment gekommen, um den Bullet Man zu verreißen...
Lang hat es gedauert, bis nach dem "Body Hammer" der dritte Teil der Tetsuo-Reihe seinen Weg auf die Leinwand gefunden hat, doch leider haben die Jahre nicht dazu geführt, dass ein weiteres Meisterwerk Tsukamotos entstanden ist.
Vielleicht hätte einem beim Lesen der Besetzungsliste schon ein schlimmer Verdacht kommen können, aber ich hatte mir vorgenommen, mich vor Sichtung des Filmes über nichts zu informieren, nichtmal über Elementares, sondern mich überraschen zu lassen - das ist gelungen (leider)!
Kurz zur Story (Spoiler!):
Kind wird überfahren, Mutter will sich rächen und pöbelt Mann an, dass er sich gefälligst auch rächen soll. Der mutiert daraufhin, bzw. wegen seiner unterdrückten Wut, zum Bullet Man und zieht auch los. Unterwegs kommen ein paar böse Typen vorbei, werden platt gemacht, der Verursacher des Unfalltods taucht auf, entpuppt sich als Schurke und geht am Ende auch drauf. Zwischendurch erfahren wir noch, wieso der Bullet Man entstanden ist, aber nur wenn wir schnell genug lesen können, denn der Bullet Man reimt sich das meiste aufgrund von Tagebucheinträgen zusammen...
(Spoiler zuende!!!)
Nagut, klingt jetzt nicht unglaublich tiefschürfend, aber an und für sich war die Story durchdacht und nicht so schlecht. Leider wurde sie schlecht erzählt, denn dieses blöde Einblenden einiger Schlagworte nervte unglaublich. Auch die nuscheligen Selbstgespräche, die dann als Erklärung herhalten sollten waren einfach unerträglich. Warum hat man sich nicht 10 Minuten mehr Filmzeit gegönnt und die Story in der sonst für Tsukamoto üblichen dramatischen und überzeugenden Bildsprache erzählt?
Dann wäre vor allem der an diesem Film erschreckendeste Teil nicht ganz so scheußlich ausgefallen - der Film war nämlich unerklärlicherweise in Englisch!!! Wie hat er das seinen Fans antun können? Es war unerträglich. Und natürlich komplett unnötig. Der Hauptdarsteller (Eric Bossick) hat im Film einen Sohn einer Japanerin und eines Ausländers (wohl ein Amerikaner oder Engländer) gespielt - der Vater sprach nachweislich japanisch, die Mutter bestimmt auch. Der Sohn wurde in Japan großgezogen, hat eine Japanerin geheiratet - wieso sollte der da nicht japanisch sprechen? War das schrecklich! Am liebsten wäre ich rausgegangen...
Immerhin wars das mit den negativen Kritikpunkten - ansonsten war der Film recht anständig, gewohnt surreal, bildgewaltig, rasant und beängstigend inszeniert, mit eindringlichem Score.
Ich bin trotzdem froh, dass ein Freund, dem ich dummerweise (ohne den Film zuvor selbst gesehen zu haben) zu einem Besuch beim FFF geraten hatte, da die Teile jeweils in sich abgeschlossen sind, doch nicht gegangen ist... hätte er diesen als ersten geschaut, so hätte er sich bestimmt nicht mehr an den genialen Erstling getraut und das wäre echt ein Verlust...
Entsprechend auch mein Fazit:
Leider der schwächste Film der Tetsuo-Reihe - störendes Gequassel (teils in Gedankenform), eine zu wenig bildlich dargestellte Story, englischsprechende Japaner, irgendwie Mist... kann man sich aber trotzdem gut anschauen, wenn man den Ton nicht so laut macht und mehr auf die Untertitel achtet
Noch 6/10