Review

„You think it's the living who have the ultimate judgment over you, because the dead have no claim over your soul. But you may be mistaken…“

Recht umstritten war die Idee nach dem von Autor Leigh Whanell als Abschluss der Reihe gedachten dritten Teil noch ganze 3 weitere Teile zu verwirklichen. Und tatsächlich blieben sich die Fans uneinig, ob der Ansatz der neuen Autoren Marcus Dunston und Patrick Melton irgendwo hin führen sollte. IV war sehr komplex und man hat fast aus dem Nichts einen „Nachfolger“ Jigsaws erschaffen. Viele Fragen blieben offen und auch V hat die Story nur minimal vorwärts gebracht und Jigsaw’s Worte „In the end all the pieces will fit together“ wurden von vielen als hohle Phrase abgetan – zu groß waren die Plotholes, zu verwirrend die Chronologie. Mit VI bringen die Autoren nun ihre Trilogie zu Ende – und wie!

VI macht nicht den Fehler von IV und vor allem V sich sehr stark an die anderen Filme zu klammern, einige Fragen zu beantworten, aber eigentlich kaum etwas eigenes zu erzählen. Nein, VI handelt von Gesundheitsversicherungs-Boss William (Peter Outerbridge) und seinem ganz persönlichen Dillemma. Nebenbei versucht Hoffman (Costas Mandylor) seine Identität als Gehilfe Jigsaws (Tobin Bell) geheimzuhalten. Als dritten Plot gibt es schließlich wieder Sequenzen aus Jigsaw’s Vergangenheit, die sich hier aber komplett organisch einfügen und zur Haupthandlung beitragen. Alles wirkt wie aus einem Guss, kein Flashback, keine Szene, die nicht von Bedeutung für die aktuelle Handlung wäre. Und diese hat es wirklich in sich. Spannend von der ersten bis zur letzten Sekunde wird nicht nur eine in sich geschlossene Story erzählt, sondern es werden auch so ziemlich alle offenen Fragen aus den Vorgängern beantwortet. Ganz besonders toll ist, dass Jigsaw’s Ex Jill (Betsy Russel) und Hoffman endlich richtig Tiefe bekommen und ihre Rollen im Gesamtpuzzle verständlich werden. Vor allem Hoffman macht eine große Wandlung durch und hat endlich die nötige Glaubwürdigkeit – der heimliche Star des Films. Auch Amanda (Shawnee Smith) taucht für einige Szenen wieder auf und spielt eine entscheidende Rolle. Und tatsächlich können die Autoren ihr Versprechen einlösen und am Ende passt alles zusammen. Jigsaw’s Plan wird komplett enthüllt und die Rolle aller Figuren erläutert – wenn VI endet könnte es sehr gut der letzte der Reihe sein (VII und VIII sind schon angekündigt). Im Gegensatz zum letzten Teil gibt es dabei auch eine ganze Reihe an Twists, wovon einige selbst Hardcore-Fans der Reihe vom Hocker hauen dürften – und das ganze ohne irgendwelche Figuren aus dem Nichts zu erschaffen…

Kevin Greutert’s Inszenierung folgt im Wesentlichen Hackl’s Stil – weniger extreme Farbfilter, ruhigere Kamera, kaum noch Transitions. Der Film ist insgesamt sehr düster. Charlie Clouser liefert wieder die Musik, welche diesmal viele neue Stücke beinhaltet und so einiges hermacht. Überhaupt ist das Sounddesign wieder mal State of the Art.

In Punkto Gewalt sei erwähnt, dass der Fokus von VI eindeutig auf der Story liegt, d.h. Anzahl und Screentime der Fallen wurde reduziert. Wenn dann aber gefoltert wird, geht es so kompromisslos und einfallsreich wie noch nie zur Sache. Schon die Eröffnungssequenz ist heftiger als alles, was in V zu sehen war. Und das Ende erst… ja die letzten Sekunden des Films sind vielleicht das krasseste, was es bisher im Kino zu sehen gab… der Begriff „Überlebenswille“ wird quasi neu definiert… das muss man sehen, um es zu glauben…

Insgesamt ist SAW VI genau das, was Fans der Reihe erwarten. Der Bogen wird so logisch wie wendungsreich geschlossen. Komplett zufrieden. Perfekt.

10/10

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