Das halbe Dutzend ist voll.
Und da Tobin Bell als Jigsaw immer noch mitspielt, obgleich jener längst tot ist, muss zwangsläufig jedes Jahr ein Sequel folgen, - schließlich wird auch Bell nicht jünger und irgendwann könnten verschiedene Flashbacks unglaubwürdig ausfallen.
Die größte Überraschung ist jedoch, dass wieder alles zusammen passt, die Erzählweise stimmig ist und man endlich wieder mehr auf Thrill und Suspense setzt, anstatt diverse Folterspielchen immer ekeliger zu gestalten.
Jigsaw ist längst tot, Agent Strahm neuerdings auch, - denn die Cops hielten ihn für Jigsaws Imitator, ohne zu wissen, dass Agent Hoffman dessen letzte Pläne initiiert.
Derweil hat es Hoffman auf einen Versicherungsmanager abgesehen, während die Cops Indizien für Strahms mögliche Unschuld finden…
Dieser Teil hätte der perfekte Abschluss sein können, doch man ahnt es bereits: Mindestens noch zwei Teile werden folgen.
Nach dem überaus heftigen Einstieg könnte man allerdings zunächst befürchten, dass erneut auf der Welle des Torture Porn geritten wird, als zwei Kreditvermittler in der Falle stecken und nur der überlebt, der sich gewichtstechnisch das meiste Fleisch vom eigenen Körper entfernt (nebenher: Sie hätten die Falle austricksen können, indem sie sich einfach nur nackt machen und ihre Kleidung in die Röhre zum Wiegen stecken…).
Da wird schon derbe geschnippelt und gesägt.
Doch auch wenn einige Todesspielchen echt fies ausgearbeitet sind, so geht es in jenen Situationen nicht mehr so vordergründig ums Übertrumpfen sämtlicher Schmerzgrenzen des Zuschauers, sondern eher um Tempo und Spannung, was vorherige Teile phasenweise vergaßen. Natürlich werden den potentiellen Opfern einige schmerzhafte Dinge abverlangt, das reicht vom Luftanhalten über das Hinnehmen heißen Wasserdampfs bis hin zur schweren Entscheidung, über Leben und Tod vertrauter Menschen zu entscheiden (Todes-Karussell).
Doch insgesamt splattert es deutlich weniger.
Jigsaw als Geist einzubinden, ist in erster Linie eine grottenschlechte Idee, in Kombination mit einigen erleuchtenden Flashbacks aber ganz pfiffig, denn endlich bekommt die Handlung wieder eine Motivation und in Zeiten der Umkrempelung des amerikanischen Gesundheitssystems vielleicht keine so schlechte.
Zudem war ja noch das Geheimnis der schwarzen Kiste unbeantwortet, die Jigsaw seiner Frau Jill hinterließ und auch Amanda wird noch einmal am Rande eingebunden.
In sich wirkt Teil sechs wie eine Runde Sache, ohne die klaffenden Handlungslöcher, die einige Vorgänger wie schlichte Lückenfüller aussehen ließen.
Insgesamt steigt man also wieder besser durch, die Handlung ist ein wenig gradliniger und gerade aufgrund einiger Flashbacks erschließen sich zuvor gestellte Fragen zu Antworten.
Regisseur Kevin Greutert, der bis dato nur als Cutter beim Saw-Franchise mitwirkte, hat insgesamt gute Arbeit geleistet, sowohl auf handwerklich-visueller Ebene, als auch vom Timing her, obgleich sein Editor gegen Ende ein wenig overpaced scheint.
Über Sinn und Unsinn ewiger Fortsetzungen könnte man lange diskutieren, doch wenn man der Reihe zugetan ist, dürfte man mit diesem Teil eher positiv überrascht werden.
Das Problem ist allerdings: Mit „Saw VII“ kann es eigentlich wieder nur bergab gehen…
7 von 10