Review

Pünktlich zum Jahresende darf wieder kräftig gefoltert werden, denn "Saw" geht mittlerweile schon in die sechste Runde. Stets mit geringem Budget gedreht, konnte jeder Teil horente Erfolge verbuchen, ob es mit der Qualität bergab ging, dürfte wohl nur den Zuschauer interessiert haben. Besonders die beiden Vorgänger waren höchstens durchschnittlich, da wird es den "Saw"-Fan freuen, dass es hier wieder deutlich besser aussieht. Mit Kevin Greutert (Cutter der ganzen "Saw"-Reihe) darf wieder ein Neuling ans Ruder. Erwartet habe ich ein Kameragewackel und Schnittestakato der besonderen Art, doch Greutert überrascht positiv. Die Kamera fängt ruhig ihre Bilder ein, man ist trotzdem mitten im Geschehen und schnelle Schnitte gibt es nur selten, schon mal ein dicker Pluspunkt. Aber man sollte sich ab "Saw III" nochmal alle Teile zu Gemüte führen, sonst fällt es ziemlich schwer der Handlung zu folgen.

Agent Peter Strahm (Scott Patterson) war lange als Nachfolger von Jigsaw (Tobin Bell) im Gespräch, doch er ging in die Falle. Mark Hoffmann (Costas Mandylor) führt John Kramers Werk weiter, doch seine ehemalige Einheit ist ihm dicht auf den Fersen. Trotzdem setzt er den letzten Willen Kramers in die Tat um. Diesmal erwischt es den Manager einer Krankenkasse William Easton (Peter Outerbridge). William hat eine Stunde Zeit um vier Prüfungen zu bestehen, in denen er über Leben und Tod ihm bekannter Menschen entscheiden muss. Bewältigt er diese Aufgabe nicht, stirbt seine Familie. Doch auch Jigsaws Frau Jill Tuck (Betsy Russell) hat eine letzte Aufgabe durchzuführen.

Gleich zu Beginn müssen sich zwei Kreditbetrüger in einer Falle behaupten. Wer mehr Fleisch opfert, überlebt. So geht es in "Saw VI" wieder deutlich fieser und blutiger zu, als im lahmen Vorgänger. Aber nicht nur das, denn man scheint sich endlich mal wieder richtig Gedanken gemacht zu haben, wie man die Story sinnvoll weiterspinnen kann. Natürlich wird die Reihe hiermit nicht ihren Abschluss finden, das Ende ist wieder mehr als offen und "Saw VII" ist für nächstes Jahr schon in Arbeit. Marcus Dunston und Patrick Melton, die seit "Saw IV" das Screenplay liefern dürfte es enorm schwerfallen, das nochmal zu toppen. Das Puzzle um Jigsaw wird hier sinnvoll komplettiert und in einigen Rückblenden erfahren wir noch mehr Details über Jigsaws eigentliche Motivation und auch mit Amanda (Shawnee Smith) erleben wir eine böse Überraschung. Denn sie war eigentlich der Hauptgrund, dass Jigsaw mit seinen Fallen begann.

Ausserdem fragt sich der Zuschauer, was wohl in der schwarzen Box war, die Jigsaw seiner Frau vermacht hat. Hier dürften dem Zuschauer wirklich alle Fragen beantwortet werden, auch wenn Greutert dafür manchmal stark ausschweifen muss und man wirklich Kenner der Reihe sein muss, um das Ganze zu kapieren. Deswegen muss der schon lang tote Jigsaw zwischendurch sogar als eine Art Geist auftreten, was man sich hätte sparen können. Natürlich gibt es auch wieder einen Fallenparcours zu bestehen, der es erneut in sich hat. Als Zuschauer entwickelt man auch schnell einen Hass auf den Krankenkassenmanager William Easton, der eine eigene Formel entwickelt hat, nach der er über Leben und Tod seiner Versicherten entscheidet. Natürlich hatte William auch einst mit John Kramer zu tun und verwehrte ihm eine Behandlung aus Kostengründen. Somit schneidet "Saw VI" auch ein aktuelles Thema an. Das Gesundheitssystem in Amerika ist unentschlossen und auch wir in Deutschland müssen immer mehr zahlen und bekommen weniger Leistung. Solch ein Sesselfurzer wie William hat es mal wirklich verdient aufgeweckt zu werden, jedoch stört es, dass bei "Saw VI" so viele Unschuldige involviert werden und teils auch bestialisch ermordet. Desweiteren ist und bleibt es unmöglich solch einen Parkour vorzubereiten, was Hoffman größtenteils alleine macht. Allein die ganzen Menschen zu kidnappen, ohne entdeckt zu werden, ist so gut wie unmöglich. Und woher nimmt Hoffman dieses ganze technische Verständnis, um die Fallen zu entwickeln und zu bauen ? Man sollte darüber als Zuschauer eigentlich nicht nachdenken, aber erwähnt darf es ruhig mal werden.

Die Fallen sind dementsprechend mal wieder mehr als garstig ausgefallen. William entscheidet nicht nur über Leben und Tod, sondern muss auch sich selbst Schmerzen zufügen. Ganz besonders gelungen finde ich die Idee mit dem Karussell, die zeigt, wozu Menschen in Notlagen fähig sind. Als Kulisse muss wieder ein alter Fabrikkomplex herhalten, welcher zum Folterparkour umfunktioniert wurde, auch der Score wird ein weiteres Mal recyclet.
Costas Mandylor (Virtuosity, Dr. Chopper) gibt ein weiteres Mal den unsympathischen Mark Hoffman, wobei er sich mit einem Gesichtsausdruck durchmogelt. Auch Tobin Bell (Boogeyman 2, Shadow Killer) hat einige Auftritte als John Kramer und ist dabei immer noch sehr charismatisch, während Shawnee Smith (The Grudge 3, Die Insel) immer austauschbar war. Peter Outerbridge (10.5 Apokalypse, Population 436) macht seine Sache gut, so auch Mark Rolston (Departed - Unter Feinden, Asylum) als Dan Erickson und Betsy Russell (The Break, Delta Heat) als Jill Tuck.

Storytechnisch ist "Saw VI" wieder ausgfeilter und plausibel, der Cast ist nicht durchweg ordentlich. Der Unterhaltungswert ist hoch, spannend ist das Ganze solide und auch recht blutig. Ein Ende ist auch diesmal nicht in Sicht und mit großer Wahrscheinlichkeit wird "Saw VII" wieder wesentlich schwächer ausfallen.

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