Review

Ein Knaller, der in der letzten Zeit immer geschickt im Ultra-Nachtprogramm versteckt wird!
Kein Wunder, denn Byron Haskins letzter Film ist ein dermaßener Zwitter zwischen Thriller und SF, dass sich den gängigen Agentenfilmen vermutlich aus dem Stand die Haare ausgefallen sind.

Das Projekt rund um eine Gruppe von Wissenschaftlern, die unter sich einen mit telepathischen Superkräften versehenen Mutanten vermuten und deswegen im Bemühen um die Decouvrierung der Reihe nach sterben, war ein ambitioniertes Projekt und sollte vermutlich in den spacigen 60ern der SF neue Bereiche eröffnen.
Wenn man den Film sieht, weiß man, warum die Absicht voll in die Hose ging, weswegen ich dem Film aber gewisse Qualitäten nicht absprechen will, die jede Wiederausstrahlung zu einem kleinen Vergnügen machen.

Zum einen (fangen wir mit dem Negativen an) wirkt der Film sehr, sehr unausgegoren. Allein die wissenschaftliche Basis, auf der die Feststellung der Institutswissenschaftler feststellen, dass ein Mutant unter ihnen ist, spottet jeder Beschreibung. Sobald die Katze jedoch aus dem Sack ist, präsentiert man eine irrwitzige psychologische Einschätzung, nach der auch prompt die mysteriösen Todesfälle losgehen.
Die werden vom Mutanten ganz bewusst mit Hilfe seiner psychischen Superkräfte verursacht, die die Realität und die Wahrnehmung der Opfer stets verändert, Gelegenheit für ein paar Spannungsszenen. Neben diesen mysteriösen Sequenzen kommt unsere Held (in Zweifelsfällen greife man zu George Hamilton als gelacktem Knackarsch…) nicht so wahnsinnig voran, erfährt aber so einiges über die Vergangenheit seines Widersachers, während dieser ihn öfters mal über die Klinge springen lassen will, was aber nicht klappt, weil…und dann kommt die Showdown-Pointe!

Zu wenig Mystery, zu lange Flucht mit Verfolgungsjagd durch unsichtbare Kräfte, das kommt dem eigentlich ganz reizvollen SF-Konzept baldigst in die Quere. Die PSI-Kräfte sind nur ein billiger Aufhänger, den der mittel budgetierte Film eh nicht voll und ganz ausspielen kann, leider muß man sagen. Auch in Bezug auf die Effekte muß man ein trauriges Auge zudrücken, denn obwohl Warren und Chang ihre bewährten Puppentricktechniken noch einmal zum Leben erwecken, sind die simplen Überblendungstricks bei der manipulierten Ampel kaum der Rede wert. Auch der Schlußkampf zwischen Held und Bösewicht ist ein lausiger Tiefpunkt, denn obwohl mit ein paar Tricks angereichert, bietet er doch nichts, was der Zuschauer praktisch gesehen in die Hand nehmen könnte. Heißt: wer kein Budget zur passenden Visualisierung hat, sollte sich erst gar nicht an einem psychischen Zweikampf versuchen.

Dennoch gibt es bizarre Momente in diesem Film, die ihn irgendwie in Erinnerung halten: Kompositeur-Altmeister Miklos Rozsa entlockt in den Angriffssequenzen immer genau dann einer Zither die nötigen schrägen Töne, um das Publikum aufmerksam und unruhig zu machen, weil man nie weiß, woher die Bedrohung zuschlägt. Das Schicksal des ersten Opfers, dessen Bürotür sich nach und nach in eine Wand verwandelt, ist schon irgendwie prickelnd in seiner Einfachheit und Hamiltons Ermittlungen in der Heimatstadt des Mutanten wirken auch sehr beunruhigend, wenn jeder den Jungen von damals optisch ganz anders beschreibt. Eine Episode mit Militärflugzeugen, die Hamiltons Wüstenrettungsoase als Ziel haben, ist da fast noch schräger.

Abgesehen von den manchmal sehr wackligen Tricks ist die Inszenierung aber sehr sauber, ja fast schon zu glatt, während der Cast ein Schmuckstück für Fans ist. Gut, Hamilton ist nie ein Superstar gewesen und scheinbar ist auf der Besetzungsliste kein weiterer bekannter Name, aber das ändert sich, wenn man mal die Biographien nach Genrebeiträgen durchblättert: Susan Pleshette („Die Vögel“), Michael Rennie („Der Tag, an dem die Erde still stand“), Richard Carlson („Gefahr aus dem Weltall“, „Der Schrecken vom Amazonas“), Yvonne de Carlo („The Munsters“), Earl Holliman („Zwei rechnen ab“; „Der letzte Zug von Gun Hill“), Arthur O’Connell („Die phantastische Reise“, „Der mysteriöse Dr.Lao“), Nehemiah Persoff („Manche Mögens Heiß“), Barbara Nichol („FBI jagt Phantom“) und Aldo Ray („Wir sind keine Engel“) geben sich da die Klinke für ein paar Minuten in die Hand!

Darum kann ich diesen knackebunten und unsäglich vergnüglichen Betriebsunfall (leider Haskins letzter Film, er schenkte uns immerhin „Krieg der Welten“, „Robinson Crusoe auf dem Mars“, „Kapitän Sindbad“ und „Von der Erde zum Mond“) nur jedem empfehlen, der neben bewussten Psychedelika der 60er mal ein Nebenprodukt genießen möchte, das in dieser Form so nie wieder versucht wurde.
Allerdings wäre es inzwischen an der Zeit, die Story vielleicht mal tricktechnisch aufpoliert neu zu verfilmen, jedoch gibt es mit „Dreamscape“ schon eine leichte Variante in Sachen „Traum“.

Für mich ein köstliches Kuriosum: 6/10.

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